Mittwoch, April 20, 2016

Es war einmal in Nicaragua - Das letzte Sehnsuchtsland deutscher Revolutionäre



"Es war einmal in Nicaragua. -Das letzte Sehnsuchtsland deutscher Revolutionäre"
So hieß die Veranstaltung im Rahmen des taz-lab 2016 im Haus der Kultuten der Welt in Berlin am 2. April 2016 um 18.45 Uhr.

Die Ankündigung:

"Im Sommer 1979
siegte die linke FSLN-Guerilla nach Jahren heftiger Kämpfe in Nicaragua über das Somoza-Regime – der Beginn der deutschen Nicaragua-Solidarität.
Mit dem Sieg der Sandinisten richteten sich die Hoffnungen vieler Linker – nicht nur auf dem amerikanischen Kontinent, sondern auch in Europa – auf ein kleines Land in Mittelamerika. Dort sollte sie gelingen, die gute, die gerechte, die wahre Revolution. Aus der Bundesrepublik brachen ganze Brigaden auf, um an ihrer Verwirklichung mitzuwirken. In der DDR gründete die junge Opposition unter dem Schutz der Kirche mit Begeisterung Nicaragua-Gruppen. Der Zusammenprall von Utopien der Ersten Welt mit den Verhältnissen in einem Entwicklungsland führte zu Missverständnissen, aber auch manchen kleinen Erfolgen – und vielen bizarren Situationen. Wir erinnern uns und fragen, warum die Revolution der anderen immer die bessere ist."
(Quelle) 
  Die Referierenden:
  • Karim Saab, (links im Bild), Journalist und ehemaliges Gründungsmitglied der Nicaragua-Gruppe in Leipzig. Karim Saab, Jahrgang 1961, stammt aus Heidelberg und war schon früh in der Nicaragua-Solidaritätsbewegung aktiv.
  • Stefanie Senger, (zweite von rechts), Historikerin am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.Stefanie Senger, Jahrgang 1986, ist Doktorandin am Zentrum für Zeithistorische Forschung im Potsdam und forscht dort zu Nicaragua.
Moderation: Katharina Döbler, Redakteurin Le Monde diplomatique.Katharina Döbler, Jahrgang 1957, ist Redakteurin bei "Le Monde diplomatique".



Stefanie Senger schreibt seit November 2013 an ihrer Doktor-Arbeit zum Thema:
"Reiz der Revolution. Das sandinistische Nicaragua und die deutschen Solidaritätsbewegungen in Ost und West (1979-1990)".
Sie habe bisher ca. 10.000 Dokumente aus dieser Zeit studiert,  und ihre Arbeit werde etwas 400 Seiten umfassen berichtete sie auf der Veranstaltung.
Schon ihre Magister-Arbeit an der Uni Potsdam befasste sich mit einem verwandten Thema:
„Sozialdemokratie und nationale Befreiungsbewegung: Unterstützung für die FSLN als Produkt transnationaler Verflechtungen" (Quelle)
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ZeitzeugInnen gegen HistorikerInnen?

Natürlich gibt es auf solchen Veranstaltungen auch Streit - und wenn man Glück hat: "Lust an der Differenz". Zwischen den ZeitzeugInnen, die "damals" dabei waren und nun neugierig im Auditorium sitzen und wissen wollen, was die Historie denn heute sie zu berichten hat. Und der Historikerin (*1986), die damals, zur Zeit des Volksaufstandes 1979 in Niacaragua, noch nicht einmal geboren war, aber 10.000 Dokumente studiert hat, dadurch den Überblick hat, der den VeteranInnen fehlt, und dadurch natürlich besser weiß, wie es damals wirklich war.

"Arbeits-BrigadistInnen" 1986 in Nicaragua
Siehe auch:
Hoffnung für Nicaragua-Wandbild ("Mural") aus dem Jahre 1985 am Monimbo-Platz in Berlin

Dem taz.lab 2016-Motto "LUST AUF DIFFERENZ" folgend, war Stefanie Senger vielleicht einen Tick zu süffisant in ihrem Beitrag:

Die deutschen "Arbeits-BrigadistInnen" konnten zwar gut bauen, sagte sie, (z.B. Schulgebäude, Hütten für Binnen-Füchtlinge (s. Foto), Latrinen, aber: Bei der Erntehilfe seien sie nicht besonders effektiv gewesen (stimmt wohl, denn erst Übung macht die Meisterin), und die Deutschen HelderInnen hätten wohl auch übersehen, dass es in Nicaragua im Winter regnet, dass die Latrinen dann mit Regenwasser volllaufen, dann überlaufen ....

Spott hatte sie auch für die BrigadistInnen aus der autnomen Szene Deutschlands übrig, die morgens freiwillig um 5 Uhr zum Fahnen-Appell aufstanden, die Hyme sangen und dann im Gleichschritt zur Arbeit marschierten. Angeblich. - Es steht wohl so in einem der 10.000 Dokumente (die sicher auch z.T. von der Konrad-Adenauer-Stiftung stammen?). Irgendwo und irgendwann wird es sicher auch so gewesen sein. Doch manchmal kann die halbe Wahrheit auch die ganze Lüge sein.

Ebenso umstritten waren die Äußerungen der angehenden Historikerin Senger über Dr. Ernst Fuchs, den erfolgreichen Berliner Neurochirurgen, der seine erfolgreiche Karriere in Berlin abbrach und  als eine Art Che Guevara nach Nicaragua ging, um dort die sandinistischen RevolutionärInnen medizinisch zu betreuen. - Senger bezeichnete ihn als frustrierten und desillusionierten linken 1968er, der aus seiner Frustration heraus zum Kämpfen nach Nicaragua gegangen sei. - Das rief natürlich Widerspruch bei Bekannten und FreundInnen von Dr. Fuchs (alias Carlos Vanzetti) hervor, die im Publikum saßen. -

Da war vom "LUST an der Differenz" im Raum K2 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin wenig zu spüren.
"Ich erinnere mich übrigens noch gut, wie ich damals, in den 1980er Jahren, in Nicargua in meiner Hängematte in der Hospedaje (Herberge) lag und manchmal vor Lachen aus der Hängematte fiel, wenn ich die angeblich authentischen Berichte (besser: Dichtungen) der Konrad-Adenauer-Stiftung und/oder der FAZ über die internationale Bewegung der Aufbau-HelferInnen ("Sandalistas") und deren Tätigkeit in Nicaragua zwischen 1979 und 1990 las."
(Ein Nicaragua-Veteran)

Ok. Die 400 Seiten Dissertation werden vielleicht/wahrscheinlich/hoffentlich differenzierter sein als als der komprimierte Beitrag von Frau Senger im taz.lab 2016... . _____________________________________

Und was ist aus dem Sehnsuchts-Land der RevolutionärInnen heute geworden?



Auf einer Geburtstagsparty im Jahre 2016: 
Die ersten Gäste treffen ein. Small-Talk:
„Ah, du bist doch der … . Der was mit Nicaragua zu tun hat. -
Nicaragua ist doch der neue Geheim-Tipp als Urlaubsland: Alles vorhanden, - und noch gar nicht so überlaufen, hörte ich: 
Schöne Natur, Meer, Urwald, Vulkane, Berge, Strände, neue Straßen, prima Hotels. Und was mit Kanal.
Das Land soll sehr übersichtlich sein. Und viel sicherer als andere Länder in der Gegend.
Wer regiert da noch mal? Daniel Ortega? Ortega – War da nicht was mit Revolution?
Ach! Das ist immer derselbe Präsident wie damals bei der Revolution?
Nein? Das ist nicht derselbe wie damals bei der Revolution? Ja und Nein? Ja was denn nun? –
Oh, da kommen ja schon neue Gäste. – Dann bis nachher vielleicht mal… .“



Nicaragua setzt auf Tourismus.  (Quelle)

Ja, da war was mit Revolution (1979). Und der heutige Präsident Daniel Ortega ( * 11.11.1945) war in der Tat schon Ende der 1970er Jahre einer der Comandantes des Revolution (dritter von links)


und der Mann, der den US-Präsidenten Reagan rot sehen ließ: 


Daniel Ortega auf dem Time-Magazin 31. März 1986.

Des-Illusionierung

1979 stürzten Ortega und andere FSLN - (= "Sandinistische Befreiungsfront") Mitglieder unter der militärischen Führung seines Bruders Humberto Diktator Anastasio Somoza Debayle; 
ab Juli 1979 regierte Ortega Nicaragua als Kopf einer Regierungsjunta (erster von links).

" Es war die Zeit, in der junge Leute in abgelegene Dörfer zogen, um Kindern und Alten das Alphabet beizubringen; die Analphabetenquote sank von über 50 auf um die 10 Prozent. Schulen und Gesundheitsposten wurden gebaut, es gab eine Landreform, aus den riesigen Gütern Somozas wurden landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften. Frauen bekamen zum ersten Mal nennenswerte Rechte, im katholisch geprägten Nicaragua wurden Schwangerschaftsabbrüche legal. Tausende Brigadisten aus Europa und den USA strömten ins Land, um sich bei der Kaffeeernte oder auf dem Bau nützlich zu machen." (Toni Keppeler a.a.O.) 

Von 1985 bis 1990 war Ortega Staatspräsident von Nicaragua. 
In den 16 Jahren zwischen Februar 1990 und 2006 regierten neoliberale Regierungen in Nicaragua. 

"Es begann die Epoche des Wirtschaftsliberalismus unter Präsidentin Violeta Chamorro. Im Bildungsbereich wurde gespart, die Analphabetenrate schoss wieder nach oben, und auch die öffentlichen Krankenhäuser bekamen kein Geld mehr, oft nicht einmal für Verbandsmaterial. [...] Während der Regierungszeit des korrupten rechten Präsidenten Arnoldo Alemán (1997 bis 2002) wurde es besonders schlimm. 1998 streikten die Ärzte des staatlichen Gesundheitswesens für bessere Gehälter. Sie verdienten damals umgerechnet rund 100 Dollar im Monat." (Toni Keppeler)
Am 5. November 2006 gewann Ortega dann im ersten Wahlgang mit 38 % der Stimmen erneut die erforderliche Mehrheit, um zum Präsidenten gewählt zu werden. 2011 wurde er wiedergewählt.
 
PKAN DES GUTEN REGIERENS 2016.
"Zusammen arbeiten wie in einer großen Familie"
Anfang 2014 gelang Daniel Ortega, was dem kolumbianischen Präsidenten Evo Morales Anfang 2016 nicht gelang:
In Nicaragua wurde auf Ortegas Veranlassung das Verbot der Wiederwahl aus der Verfassung getilgt. – ·


Im November 2016 wird in Nicaragua wieder gewählt
 und Ortega - dann 71 oder 72 Jahre alt - möchte noch einmal zum Präsidenten gewählt werden.



Die Familie Ortega hat in den vergangenen Jahren 3 Fernsehsender des Landes aufgekauft. 
Davon unabhängig hat ein wirtschaftlicher Konzentrationsprozess im Fernseh- und Radiobereich, hinter dem der mexikanisch-amerikanische Medienmogul Angel González steht, weitreichende Folgen. Die von ihm kontrollierten Medien strahlen rein kommerziell ausgerichtete Programme aus. „Canal 12“ ist der einzig verbliebene Fernsehsender, der sich auf anspruchsvollem Niveau kritisch mit den politischen und sozialen Fragen des Landes auseinandersetzt. [auswärtiges-amt.de]

Toni Keppeler (a.a.O) schreibt:
"Heute gibt es das, was Ortega und Murillo [die Gattin von Daniel Ortega] Demokratie oder die „Herrschaft des Volks“ nennen, und schon etwas eigenartig ist. 
Der Präsident hat eine komfortable Mehrheit im Parlament sowie die Wahlkommission und das oberste Gericht unter seiner Kontrolle.
Laut Verfassung müsste er längst abgetreten sein, denn die lässt höchstens zwei Amtszeiten und keine direkte Wiederwahl zu. 
Ortega aber wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im November 2016 zum vierten Mal ins höchste Staatsamt gewählt. Er hat das Wahlrecht so geändert, dass ihm 35 Prozent der Stimmen für einen Sieg reichen und die zerstrittene Opposition kaum den Hauch einer Chance hat. Und er hat das Verfassungsgericht urteilen lassen, dass die in der Verfassung verankerte befristete Amtszeit gegen seine Bürgerrechte verstößt. So tritt er wieder und wieder an.
Ortega lässt die großen Unternehmer schalten und walten, 
wie sie wollen, und wird deshalb von ihnen geschätzt. Er speist gern mit seinem einstigen Feind, dem reaktionären Erzbischof Miguel Obando y Bravo. Zur Versöhnung hat er ihm ein Gesetz geschenkt, das Abtreibung unter allen denkbaren Umständen verbietet. 
1990: Kardinal Obando y Bravo (links) mit Präsidentin Violeta Chamorro (rechts)

2016: Daniel Ortega, Obando y Bravo, und Ortegas Gemahlin Rosario Murillo
 Die handzahme katholische Kirche ist vielleicht die einzige Institution, die neben dem Präsidenten und seiner Frau noch nennenswerten Einfluss auf das Denken der Nicaraguaner hat. Ansonsten hat Ortega zusammen mit seiner Familie ein Imperium aus Radiosendern, Fernsehstationen und Werbeagenturen geschaffen, über das die omnipräsente Rosario Murillo gebietet.
In seiner Partei, der Sandinistischen Befreiungsfront (FLSN), kann Ortega schon lange nicht mehr infrage gestellt werden. Seit Jahren fand kein Parteitag mehr statt, die Gremien tagen nicht. Die Parteilinie wird vom Präsidentenpaar entschieden und Rosario Murillo hat längst die alten Kader kaltgestellt. Sie setzt auf die Jugend, die sich mit der Hoffnung auf einen Job im Apparat ködern lässt. "

Toni Keppeler, 1956 geboren. Hat beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen Journalismus gelernt und dort als Redakteur fast zehn Jahre lang ausgeübt. Vier Jahre Journalismusprofessor an der Zentralamerikanischen Universität in San Salvador. Acht Jahre Korrespondent für Mittelamerika und die Karibik für taz (Berlin) und Weltwoche (Zürich). Vier Jahre Auslandsredakteur beim Schweizer Nachrichtenmagazin Facts. Von 2006 bis 2009 bei der Reportage-Agentur Zeitenspiegel, zuletzt als Mitglied der Geschäftsführung. Dozent an der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl in Reutlingen und der Burda Journalistenschule in Offenburg. 1987 Theodor-Wolff-Preis. 2010 Mitgründer von latinomedia - Büro für Journalismus. Betreut seither das latinomedia-Büro Tübingen und pendelt zwischen Deutschland und Lateinamerika. 

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Ist Ortega schon etwas debil und seine Frau Murillo skurril? 
So sieht es manch Eine*r

Vielleicht ist ja alles ganz anders?
  • Ortega und Gattin gehen auf Schmusekurs mit ihrem Erz-Feind Erzbischof Kardenal Obando y Bravo (der von Papst Johannes Paul II zum Kardinal befördert wurde, um Daniel Ortega, Ernesto Cardenal und andere Sandinist*innen zu ärgen) und der katholischen Kirche, verschärfen die Abtreibungsgesetzte und lullen so den Widerstand der katholischen Kirche ein.
  • Pragmatisch verfolgen sie (Daniel und Rosario) mit dem Geld aus Venezuela bzw. künftig mit dem Geld aus der Volksrepublik China ihre ursprünglichen Ziele weiter: Jeder Mensch in Nicaragua soll ein Dach über dem Kopf haben (plan techo = Dach) und niemand soll hungern müssen (plan hambre tero = Null Hunger). 
  • Der US-Regierung zeigen sie eine lange Nase, indem sie im Hinterhof der USA die VR China einen Kanal durch Nicaragua bauen lassen als Konkurrenz-Projekt zum Pananma-Kanal - was die USA seit Jahrhunderten zu verhindern wussten. 
  • Schließlich ging Ortega bei Fidel Castro in die Lehre.
  • Und Präsident Obama, das Weichei, blickt das natürlich nicht. 
  • Und einen Kurs in Basidemokratie gab es in Kuba wahrscheinlich damals auch noch nicht. 

1895: Onkel Sam zerschlägt die Pläne
für den Bau eine Nicaragua-Kanals



Der Große Kanal. Chinas geostrategische Bombe,
die die Geschichte ändern wird?


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Und die BrigadistInnen und AktivistInnen der 1980er Jahre?

Sind heute, wie Daniel Ortega, der Comandante der Revolution von 1979 auch,  VeteranInnen und im Renten-Alter oder kuru davor.

Die HistorikerInnen werden sich auf eine Erzählung (neudeutsch "Narrativ") über das einigen, was zwischen 1979 und 1990 und 2016 geschehen sei; das wird man dann "Geschichte" nennen und so wird es in den Geschichtsbüchern in den Schulenzu lesen sein.
Schau`n wir mal. 

Quelle
"Sandalistas" wurden wegen ihres Schuhwerks
die Angehörigen weltweiter Solidaritätskomitees genannt,
die beim Aufbau eines neuen Nicaragua halfen"

Montag, März 21, 2016

Von Sehnsuchts-Orten, Flüchtlingen, Asyl, Astrid Lindgren und: "Was hat das mit mir zu tun?"

Mola di Bari (Quelle)


I. Süd-Italien 1965 - 2016

»Die Apulierinnen und Apulier sind seit hundert Jahren in die ganze Welt gewandert, vor allem aber nach Nord- und Lateinamerika, Kanada und Australien.

So war es auch bei Sabino Rutigliano, als er vor über 50 Jahren nach Amerika aufbrach. 

Mit Hunderten von anderen Auswanderern stieg er in Bari auf ein Schiff und kam nicht wieder. „Ich wollte an die Universität und hatte dort mehr Möglichkeiten“, sagt er. - In den USA studierte er Wirtschaft und arbeitete viele Jahre als Angestellter der Stadt New York. Als er fortging, war er gerade 20 Jahre alt. -

Nach dem Tod seiner amerikanischen Frau war er im Jahr 2005 nach Mola di Bari zurückgekommen, 

um Ferien zu machen, und dann ist er geblieben. Aber seine Geschichte hat er nicht vergessen und er will auch nicht, dass die anderen dies tun. -

Heute betreut er das Immigrationsmuseum 
seiner Heimatstadt Mola di Bari an der Adriaküste, da, wo der italienische Stiefelabsatz beginnt.
Er winkt eine Schulklasse zum Eingang der weißen Burg am Meer, wo das Minimuseum mit Dokumenten, Videos und den Habseligkeiten der Auswanderer des Ortes eingerichtet wurde.



Youth-Weekend 2014 in Bari.
Quelle: Young Towards Europe 2020
Als Präsident des städtischen Tourismusvereins Pro Loco
bezieht er Schulklassen in Projekte mit ein, bei denen es um lokale Traditionen und ihre eigene Geschichte geht.
„Ich möchte, dass sie verstehen, woher sie kommen. Das ist die beste Impfung gegen Rassismus und Unverständnis über die Flüchtlinge, die heute von der anderen Seite des Meeres zu uns übersetzen“,

erklärt er.«
Gastlichkeit gelte für alle, findet der ehemalige Auswanderer. Nicht nur für Touristen.« [Quelle]
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"Das Schockerlebnis für die Bewohner der Küste von Bari

Screenshot wdr
war im August 1991 die Landung des Frachters „Vlora“ mit 20.000 albanischen Flüchtlingen an Bord. „Damals haben die Leute hier verstanden, dass ihr Auswandererland nun auch ein Einwandererland geworden ist“, sagt Sabino Rutigliano. Die Regierung in Rom war überfordert, die Menschen vor Ort haben pragmatisch geholfen – wie heute auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa. Die meisten Albanerinnen und Albaner sind geblieben. Sie bilden heute die weitaus größte Einwanderergruppe in Apulien, gefolgt von Migranten aus Marokko, China, Rumänien, Tunesien, Ukraine und Polen." [Quelle] 


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II. Deutschland 2015/16


  • Die Container für Flüchtlinge sind auch in Baden-Württemberg aufgestellt.
  • Vor Ostern 2016 entspannt sich die Lage: Die Stockbetten sind aufgestellt, aber bisher ist niemand eingezogen.
  • Bei den Landtagswahlen Mitte März 2016 erhielt die AfD ("Alternative für Deutschland") in Baden-Württemberg 809.311 oder 15,1% der WählerInnen-Stimmen.

Am Rande:
Bei den Landtagswahlen 1992 hatten "Die Republikaner" in Baden Württemberg 10,9% der abgegebenen Stimmen erhalten. (Damals unter dem soften Rolf Schlierer, Jahrgang 1955, von 1994 bis 2014 Bundesvorsitzender der Republikaner - der manchen als Vorläufer von Jörg Meuthen, Jahrgang 1961, gilt...).


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Im kleinen Sachsen-Anhalt erzielte die AfD bei den Landtagswahlen am selben Tag (13.3.2016) 24,2%:

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III. Schweden 1945 - 2016



Frage (von Sonja Esmailzadeh):

Der Rechtsruck in der EU, brennende Flüchtlingsheime, tätliche Angriffe. Siebzig Jahre nach Kriegsende, stellt sich
die Astrid Lindgrens Frage, 
weshalb die Menschheit so wenig aus der Geschichte lernt, 
erneut.

Karin Nymann:
Bei uns gibt es die Schwedendemokraten, eine rechte Partei, die für einen Aufnahmestopp von Flüchtlingen ist. Sie wird immer größer und fischt viele Stimmen aus allen Bevölkerungsschichten. Das ist sehr beunruhigend.

Frage:
Was hätte sie [Ihre Mutter Astrid Lindgren] dazu gesagt?

Karin Nymann:
Nach1945 haben die Menschen das Kriegsende enthusiastisch gefeiert. Von jetzt an wird die Welt endlich besser, so dachte man. Ich bin mir sehr sicher, dass wir als Kinder auch so dachten: Der Krieg war eine böse Zeit, die ist nun vorbei ist. Aber mit dem Bosnienkrieg verlor meine Mutter die Hoffnung, dass die Menschheit aus dem Krieg gelernt hätte und weiser geworden wäre. Das, was heute passiert, würde sie vermutlich zerstören, also bin ich froh, dass sie das nicht miterleben muss..

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"Und was hat das mit mir zu tun?  Die Geschichte meiner Familie"
von Sacha Batthyany
Kiepenheuer & Witsch 2016
ISBN-13: 978-3462048315
Sacha Batthyany, geboren 1973, ist Dozent an der Schweizer Journalistenschule und lebt seit 2015 in Washington, D.C., wo er für den Tages-Anzeiger und die Süddeutsche Zeitung als Korrespondent über Politik und Gesellschaft berichtet.
Rezension: 
"Sacha Batthyány, ist Spross einer alten ungarischen Grafenfamilie, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder eine, meist positive, Rolle in der Geschichte des Landes spielte. In der letzten Tagen des 2. Weltkrieges wohnte dort der Urgroßvater des Verfassers  mit dessen deutsche Schwägerin Margit, aus dem Hause Thyssen-Bornemisza. Sie war reich, lebenslustig, willensstark und rücksichtslos, wurde deshalb auch „Margit das Monster“ genannt. Außer der Grafenfamilie und dem Stammpersonal befanden sich an die 200 Juden im Anwesen, teilweise ortsansässig, die meisten wurden aber von deutschen Soldaten dorthin getrieben und standen unter deren Aufsicht. An einem Abend, als die Sowjets nur noch wenige Tagesmärsche entfernt waren, veranstaltete Margit ein rauschendes Fest und es ging das Gerücht um, dass zur vorgerückter Stunde Pistolen an die Gäste verteilt wurden und unter ihrer Anleitung wurden an die 180 Juden erschossen. Dieses Gerücht beunruhigt dermaßen den Urenkel Sacha, dass er beginnt, sich mit der Sache zu befassen und wird nach und nach wie besessen davon."  [Bild-Quelle]
Und was hat das mit mir zu tun?
Sacha Batthyány fragt sich selber, ob er damals den Mut gehabt hätte, Juden zu verstecken. Seine Antwort: Nein.

Mal sehen(?), was unsere Urenkel - falls wir welche haben - in 70 Jahren über uns zu berichten haben werden...
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Samstag, März 19, 2016

Die Flüchtlingsunterkunft, die Tante und die Angst des kleinen Mädchens vor den bösen Männern




Die Tante 
möchte mit ihrer kleinen Nichte, 2,5 Jahre alt, in die Stadt gehen. Der kürzeste Weg führt an einer Flüchtlingsunterkunft vorbei: Einem Haus, das eigentlich schon abgerissen werden sollte.

Die kleine Nichte möchte diesen Weg nicht gehen.
T: Warum nicht?
N: "Ich habe Angst!"
T: Warum?
N: "In dem Haus wohnen böse Männer."
T: Ich werde auf dich aufpassen und ganz dicht bei dir bleiben. Sollen wir es mal versuchen?

Die kleine Nichte stimmt zu. 
Sie gehen an dem Haus mit den Satelliten-Schüsseln vorbei. -


Auf einem Balkon steht ein Mann mit seiner kleinen Tochter und schaut hinunter.
Die kleine Tochter auf dem Balkon winkt der kleinen Nichte unten auf der Straße zu.
Die kleine Nichte winkt spontan zurück und lächelt.
Die Tante und ihre kleine Nichte gehen weiter.

T. Hast du noch Angst?
Die Nichte lacht...

"Sind Ausländer in deiner neuen Kita?" -
"Nein Mama, da sind Kinder." (Quelle: Barbara)