Samstag, August 19, 2017

2017 = 100 Jahre Russische Oktober-Revolution. Oktober-Putsch? Oktober-Staatsstreich? - Und wen interessiert das?

Okay, ich habe heute schon mal mindesten 3 Gruppen/Personen gefunden, die das juckt:

Text-Aussriss Reutlinger Blatt/
Schwäbisches Tagblatt
16. August 2017
1. Die Partei(en)

Da ist zunächst mal die MLPD, die anlässlich der Bundestagswahl im September 2017 u.a. mit dem Slogan "100 Jahre Oktober-"Revolution" in den Bundestag einziehen will. Oder möchte sie nur auf das Ereignis aufmerksam machen?
Ansonsten:
"Die MLPD wird vom Verfassungsschutz beobachtet,  von Helmut Müller-Enbergs als politische Sekte eingestuft, von anderen eher als Famlien-Betrieb:
"Nur selten kam seine [Stefan Engels] Partei in den Jahren seit ihrer Gründung über Mikromilliprozent hinaus. [...] Nun hat er [Engel] eine Nachfolgerin, über die man persönlich wenig weiß, nur dass sie mit Engel in familiärer Hinsicht verbunden ist: Gabi Gärtner ist Tochter von Monika Gärtner-Engel, die langjährige Vizechefin der Partei und die Ex von Stefan." [Quelle
 Finanziell ist die Partei durch großzügige SpenderInnen auf jeden Fall gut ausgestattet.
Das Landesamt für Verfassungsschutz BW weiß zu berichten:
"In Baden-Württemberg ist die Partei personell relativ stark: 2015 verzeichnete sie bundesweit etwa 1.800 Mitglieder, im Land etwa 500 Mitglieder (Stand: 2016).
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2. Die Redakteurin.

Die Redakteurin des Reutlinger Blattes im Schwäbischen Tagblatt juckte es, darüber zu schreiben, als sie in ihrer Stadt Reutlingen ein Wahlplakat zur Bundestagswahl sah:

»Und dann hat die MLPD in Reutlingen eine Botschaft aufgehängt, die mich schlagartig wieder jung macht: Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands wirbt mit "100 Jahre Oktoberrevolution" um Stimmen. Was für ein Plakat - wie ein Jungbrunnen für mich!« [a.a.O.]

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3. Der Historiker.

Quelle (zum Beispiel)
»In der "Sommeruniversität" der Uni Tübingen sprach am 3. August 2015 Prof. Dr. Klaus Gestwa zum Thema

Die Russischen Revolutionen 1917 - Verlauf, Wirkung, Mythos

Prof. Gestwa ist»Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde am Fachbereich Geschichtswissenschaft. Er forscht zur Umwelt- und Technikgeschichte der Sowjetunion, zum Kalten Krieg und zu den politischen Entwicklungen im postsowjetischen Raum seit 1991.« 
 Gleich zu Beginn stellte Prof. Gestwa klar,
dass - vielleicht angesichts der stark ergrauten ZuhörerInnenschaft im evangelischen Theologicum der Universität? -  der Vortrag nicht so ganz wirklich wissenschaftlich sein würde, sondern -  auch  der Erheiterung des Publikums dienen sollte.
Wodurch? Durchgehend sprach Prof. Gestwa z.B. von den "Kreml-Bossen". -

Nun weiß ich als Laie nicht, ob "Kreml-Bosse" vielleicht doch ein wissenschaftlicher Begriff sein könnte... . Durchgehend blieb unklar, wen er damit nun genau gemeint haben könnte: Lenin, Trotzki, Stalin, Chruschtschow ...?) und wie der Begriff zu definieren sei.

Mich selber erinnerte der Vortrag ein wenig an einen Vortrag von Prof. Joachim Starbatty, * 1940, den ich vor vielen Jahren einmal im Kupferbau der Uni-Tübingen zum Thema gehört hatte. Jener, Starbatty, war damals wohl noch Mitglied der CDU, wechselte später zur AfD und gehört heute zur LKR, einer Abspaltung der AfD im Europäischen Parlament. - Die Botschaft: Finger weg von sozialistischen und kommunistischen Ideen, von Utopien, Visionen, Erlösungs-Glauben, Erhebungen & Revolutionen! Denn das führt in gerader Linie in den den Abgrund, zu Katrastophen, Katastroika und den Gulag. - Wie man ja 1917 - 2017 gesehen hat.
Klar ist für Prof. Gestwa auch:
  1. Die Revolution war erstens keine Revolution 
  2. und zweitens ein Irrweg.
  • Nachfolgend seine Thesen in Kurzform (gemäß der Mitschrift): 
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Quelle
Die Thesen/Themen:
  1. 100 Jahre Lenin (seine 10 Aprilthesen vom 24./25. April 1917) -
    500 Jahre Luther (seine 95 Thesen vom 31. Oktober 1517)
  2. Die Russische Revolution betraf - von der Fläche her - 1/6 des Globus.
  3. Die Sowjetunion war der erste sozialistische Staat in der Geschichte.
  4. Die Revolution war keine Revolution, sondern ein unblutiger Staatsstreich, der zunächst ziemlich unbemerkt über die Bühne ging.
  5. Die "Kremlbosse" zwangen nach dem Staatsstreich ihre Vision, ihren kollektiven Erlösungs-Glauben, den sie als Wissenschaft betrachteten und ausgaben, der russischen Bevölkerung mit Gewalt und ohne Menschlichkeit auf: Einen "moralisch enthemmten Sozialismus".
  6. Das belegen Archivdokumente, die seit etwa 1990 der Geschichtswissenschaft zugänglich sind.
  7. Genau so wichtig wie die Ideologie war den Kremlbossen die Technik, der Glaube an die Kraft der modernen Technik.
  8.  Lenin: "Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes" ( 21. November 1920).
  9. Die "Revolution" hatte einen ganzheitlichen Anspruch:
    Neue Gesellschaftsordnung + Neuer Mensch + Neue Technik.
  10. Den Krimkrieg ("Orientkrieg", "9. Türkisch-Russischer Krieg" von 1853-1856 gegen das Osmanische Reich, "den kranken Mann am Bosporus") hatte  der Zar Alexander II als Chance gesehen, sein Reich auszuweiten und einen Zugang zu Balkan und Mittelmeer zu bekommen.  Russland verlor im Krimkrieg gegen das Osmanische Reich, (das vom Kaiserreich Frankreich/Napoleon III und von Großbritannien unterstützt worden war). Durch ihr Eingreifen verhinderten Großbritannien und Frankreich, dass Russland sein Gebiet zu Lasten des zerfallenden Osmanischen Reiches vergrößerte. Der Krimkrieg beendete die starke Rolle, die Russland  in Europa gespielt hatte.
  11. Russlands Niederlage 1856 im Krimkrieg legte offen, wie rückständig das Land in der Technik und in seiner ganzen Struktur war.
  12. Schon unter dem Zaren wurde daher nun die Montan- und Rüstungsindustrie aufgebaut, 1860 wurde die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben, um Arbeitskräfte für die Industrie zu freizusetzen, das Verkehrsnetz und die Kommunikation wurden verbessert, der Bau der transsibirischen Eisenbahn (1891) war das teuerste Projekt der damaligen Zeit, das Zarenreich galt als "Gigant auf Rädern", Petersburg wurde zu einer modernen und "hippen" Stadt.
  13.  Aber: Russland blieb Agrarland, 80% der Bevölkerung waren Bauern, 3-4 Millionen Menschen arbeiteten in den Industrie-Zentren. - Der Winter 1916/17 war extrem kalt, der 1. Weltkrieg wurde zum Totengräber des Zarenreiches, Zar Nikolaus II wurde sowohl von Liberalen als auch vom Militär als Fehlbesetzung betrachtet,  tritt am 15. März 2017 infolge der Februar-Revolution zurück und wird zunächst interniert, später ermordet.

  14. In der darauf folgenden Provisorischen Regierung wird Alexander F. Kerenski der starke Mann. Es gelingt der Regierung aber nicht, die Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen, es gibt verschiede Putschversuche gegen die Regierung sowohl von rechts als auch von links.
  15. Lenins Partei, die Bolschewiki, wächst, gewinnt an Einfluss und hat in den Sowjets, den Räten von Moskau und Petrograd, ab September 1917 die Mehrheit.
  16. In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktoberjul. (7. bis 8. Novembergreg.) 1917 nahmen bewaffnete Bolschewiki die wichtigsten Einrichtungen der Hauptstadt Petrograd ein, setzten unter Trotzkis Führung die Regierung ab und riefen die Machtübernahme der Sowjets aus, wobei sie auf relativ geringen Widerstand stießen.
  17. Doch: Die schon lange geplanten Wahlen zur russischen konstituierenden Versammlung im November 1917 ergaben eine  Niederlage für die Bolschewiki. "Hätten sie das Wahlergebnis anerkannt, so wie es Lenin zuvor versprochen hatte, hätten Sozialrevolutionäre und Menschewiki die Regierung gebildet. Die Bolschewiki, die weniger als ein Viertel der Stimmen erhielten, hätten ihre Macht verloren.[...] Lenin löste die konstituierende Versammlung, als sie  am 5. Januar 1918 zusammentrat, kurzerhand durch Waffengewalt auf, ohne dass es zu einem Massenaufstand kam."[Wikipedia]
  18. "Der Putsch gelingt." (Prof. Gestwa)
  19.  Am 19. Januar 1918 wurde die neugewählte Volksvertretung von den Bolschewiki aufgelöst und durch Räte (Sowjets) ersetzt. Schon am 7.12.17 war die Tscheka gegründet worden, "die Außerordentliche Kommission für den Kampf gegen die Konterrevolutionäre und Sabotage", das "Schild und Schwert" der bolschewistischen Partei. 
  20. Zahlreiche Dekrete werden erlassen und viele Versprechungen für Freiheit und Gerechtigkeit gemacht.
  21. Die deutschen Truppen kommen näher Richtung Moskau. Der Funke der Revolution springt nicht wie erwartet auf andere Länder über.
  22. Der Friedensvertrag von Brest-Litwosk, März 1918, mit dem Russland aus dem Krieg ausschied, wird als "Zwangsfrieden" oder "Raubfrieden" betrachtet. Russland verliert das Baltikum, die Ukraine, Polen, den Donbass, Finnland, erst auch Weißrussland.   [Wikipedia: Russland verlor durch diesen Friedensvertrag 26 % des damaligen europäischen Territoriums, 27 % des anbaufähigen Landes, 26 % des Eisenbahnnetzes, 33 % der Textil- und 73 % der Eisenindustrie sowie 73 % der Kohlegruben.]
  23. Es folgen 3 Jahre Bürgerkrieg, Verbrechen von rot und weiß. Der brachiale Kriegskommunismus ist ein revolutionärer Frontalangriff auf die alte Ordnung und führt daher zur Eskalation des Bürgerkrieges.
  24. 10 Millionen Tote im Bürgerkrieg.
  25. 1921, 10. Parteitag: Neue Ökonomische Politik, NÖP/NEP, ein taktischer Rückzug der Partei aus Staat und Wirtschaft; Privatwirtschaft wird teilweise erlaubt. "Politik statt Krieg" 1921-1928. - Lenin stirbt 1924.
  26. Dezember 1920, 8. Allrussicher Sowjetkongress: Kommunismus = Elektrifizierung + Sowjetmacht. Die staatliche Kommission für Elektrifizierung GOELRO wird gegründet; das ist ein reizvolles Angebot an technische Fachleute, sich am Aufbau zu beteilgen, ein ehrgeiziges Energie-Projekt. 
    40 Jahre GOELRO
  27. Der erste Perspektivplan in der Wirtschaftsgeschichte wird erstellt, ein Vorbild für Europa und Asien, auch "das 2. Parteiprogramm" genannt.
  28. Hungersnot 1922/23, 5-6 Millionen Tote.
    Foto: Rotes Kreuz, Archiv IKRK,  1921-1923
  29. Stahl und Elektrifizierung bilden die neue ökonomische Basis. Die Elektrifizierung findet auch mental statt, die Glühbirne taucht auf Plakaten immer wieder als Symbol für das Licht der Aufklärung auf.
    Ein Plakat von 1924 zeigt Lenin, die Glühbirne, rauchende Schornsteine und Stromleitungen. Die Industrie blüht auf, Arbeiterkader werden für die Fabriken ausgebildet, das Wolchow-Kraftwerk gilt 1926 als Vorbote eines neuen Zeitalters.

    1961: 25 Jahre Wolchow-Kraftwerk
  30. Die USA sind der wichtigste Handelspartner.
    Bucharin 1923: "Wir brauchen Marxismus und Amerikanismus".
    Trotzki spricht von "amerikanisierten Bolschewismus".
  31. 1927/28, Krise der NEP: Leere Getreidespeicher, die Industrie ist auf dem Stand von 1913. Stalin übernimmt Trotzkis radikale Ansichten, obwohl er diesen selber kaltgestellt hatte.
  32. Es gibt außenpolitische Konflikte mit England, denn Stalin mischt sich 1926 in englische Streiks ein. Abbruch der diplomatischen Beziehungen, Stalin schürt Kriegs-Hysterie, mobilisert die Truppen: Sozialismus oder Tod.
  33. 5-Jahres-Plan als Gewaltakt. Zwangskollektivierung der Landwirtschaft nach 1928. Butale Flurbereinigung, Kollektivierungs-Feldzüge. Aus Bauern werden Kolchos-Arbeiter in der Agrar-Industrie. 
  34. Die GULAG wird gegründet, die „Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager und -kolonien“, ein Bau- und Wirtschafts-Imperium. 18 Millionen Menschen durchlaufen diese Lager zwischen 1928 und 1956, ein "Hades der Industrialisierung"; 2 Millionen Menschen sterben in der Haft. - Die Parole: Den 5-Jahres-Plan in 4 Jahren erfüllen. Die Rekordjagd bewirkt Pfusch, Stoßarbeit (Stress und Krankheit), Quantität statt Qualität, Verschleiß von Mensch und Maschinen.
  35. Aber: Die UdSSR wird zum Industrie-Giganten. In Gorkij werden Automobil-Werke gegründet (mit ausgemusterten FORD-Maschinen aus den USA) und Traktorenwerke, (die später auch Panzer bauen). - Auch im Südural, in Magnitogorsk, entstehen Industriefestungen (zum Teil mit Technik und Entwürfen aus den USA). Ein "Strudel von Aufbau, Technik, Hochöfen, Terror und Vernichtung". Ein "vielversprechendes importiertes Technik-Abenteuer", ruckartig, immer wider mit taktischen Rückzügen als verzweifeltes Fluchtunternehmen. Ein "katastrophischer Fortschritt", technologisch überwältigend, moralisch zurückgeblieben, "staatliche Gewalt als teuflischer Zwilling von technischer Rationalität". "Binäre Pole von Vernichtung und Aufbau".
  36. Arthur Koestler spricht 1932 von einem "industrialisierten Neandertal".
  37. Chruschtschow setzte die Linie fort, indem er vom Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus durch Atomkraft sprach. 
  38. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 dann als Gorbatschows "Katastroika".
  39. Fazit der Vorlesung:
    Revolutionen und Erhebungen üben eine Faszination auf uns aus, so z.B. auch die Euphorie im Westen zur Zeit der Arabellionen. Doch: Revolution und Sozialismus  = von der Elektrifizierung zur Atomkatastrophe.
Literatur-Empfehlungen von Prof. Gestwa:
  • Martin Aust: Die Russische Revolution (2017)
  • Oleg Chlewnjuk: Stalin. Eine Biographie (2015) 
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https://de.wikipedia.org/wiki/Oktoberrevolution:

  • Ob das, was sich im Oktober 1917 in Russland abspielte, als Revolution bezeichnet werden könne, war von Anfang an umstritten. So nannten die Menschewiki in der Nacht zum 26. Oktober 1917 das Vorgehen der Bolschewiki schlicht eine Verschwörung. 
  • Wegen der Leichtigkeit und Widerstandslosigkeit, mit der die Macht in Petrograd in die Hände der Bolschewiki überging, meinte der Menschewik Nikolai Suchanow, es sei eigentlich nur eine Wachablösung gewesen. 
  •  In der marxistischen Geschichtsschreibung dagegen wurden die Ereignisse zur „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ hochstilisiert. Der Pflege dieses Gründungsmythos der Sowjetunion dienten die Feierlichkeiten zur jährlichen Wiederkehr des Datums, die mit großen Paraden auf dem Roten Platz begangen wurde. Auch in Hervorbringungen der bildenden Kunst und der Literatur verherrlichte man immer wieder den „Roten Oktober“. 

Quelle
Ein berühmtes Beispiel hierfür ist der Spielfilm 'Oktober' von Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1928, der die Ereignisse dramatisierte: Aus der eher unspektakulären Verhaftung der provisorischen Regierung machte er den „Sturm auf das Winterpalais“, der in das kollektive Gedächtnis eingegangen ist. Tatsächlich wurde das Gebäude bei den Dreharbeiten stärker beschädigt als bei den tatsächlichen Ereignissen zehn Jahre zuvor.

Noch in den Zeiten von Glasnost und Perestrojka feierte der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow die Erinnerung an den Oktober 1917: „Jene legendären Tage, die eine neue Epoche des gesellschaftlichen Fortschritts, der wahren Geschichte der Menschheit eingeleitet haben. Die Oktoberrevolution war in der Tat eine Sternstunde der Menschheit, ihre Morgenröte. Bei der Oktoberrevolution handelte es sich um eine Revolution 

des Volkes und für das Volk, für den Menschen, für seine Befreiung und Entwicklung.“
  • [...] Weniger pointiert formulierte es der Osteuropahistoriker Dietrich Geyer im Jahr 1968. Auch er sieht in den Ereignissen vom Oktober 1917 einen Coup d'état, betont aber gleichzeitig, dass die Bolschewiki durch kluge Politik und die Schwäche der Provisorischen Regierung eine ernst zu nehmende Massenbasis, wenn auch niemals eine echte Mehrheit in der Bevölkerung erlangt hatten:
    Die Kunst des Aufstands war das Produkt politischer Kunst, das Resultat einer Politik, deren plebiszitärer Grundzug schwerlich angefochten werden kann.“
  • Zu einem ähnlichen Urteil kommt der britische Historiker Orlando Figes: Für ihn gab es im Oktober 1917 nur einen „militärischen Staatsstreich“, der „von der Mehrheit der Einwohner Petrograds gar nicht wahrgenommen wurde“. Aktiv teilgenommen hätten an der Aktion höchstens 25.000 bis 30.000 Menschen – knapp 5 % aller Arbeiter und Soldaten der Stadt. Auch der Historiker Manfred Hildermeier verweist darauf, dass die Zahl der aktiven Teilnehmer am Oktoberumsturz „bemerkenswert gering war.“ Noch bemerkenswerter findet er es, dass die Bolschewiki in den Krisenjahren 1918 bis 1920 die einmal errungene Macht nicht gleich wieder verloren. Diese Machtbehauptung bezeichnet er als „die zweite Revolution“. [...]  
Eisenstein, Spielfilmszene 1927/28
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 Auf die frage ob ich marxist sei

Täglich nehm ich den hörer zur hand
wähle und spreche
wie anders wäre mein leben
vor der erfindung des telefons
wieviel schlimmer das hiersein
für die frau aus griechenland
wenn sie sonntags zum bahnhof geht

Du hast nicht die frage gestellt
ob ich bellist sei
und aus respekt für alexander g bell
ohne den wir ärmer wären
noch ärmer stell dir vor
nenn ich mich nicht nach ihm

Noch nach dem großen erfinder aus trier 

 

Montag, August 14, 2017

Venezuela im August 2017. Yin und Yang, Chavez und Maduro und die chavinistische Mutter

I.
Yin und Yang (chinesisch 陰陽 / 阴阳, Pinyin yīn yáng) sind zwei Begriffe der chinesischen Philosophie, insbesondere des Daoismus. Sie stehen für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien. Ein weit verbreitetes Symbol des Prinzips ist das Taijitu ☯, in dem das weiße Yang (hell, hart, heiß, männlich, aktiv, Bewegung) und das schwarze Yin (dunkel, weich, kalt, weiblich, passiv, Ruhe) gegenüberstehend dargestellt werden. [Quelle: Wikipedia] 


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/17/Yin_yang.svg/440px-Yin_yang.svg.png 

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Quelle
II.
Manuel Karasek ist ein Sohn von Hellmuth Karasek und Marvela Ines Mejia-Perez.
Hellmuth Karasek (* 4. Januar 1934 in Brünn, Tschechoslowakei; † 29. September 2015 in Hamburg) war ein deutscher Journalist, Buchautor, Film- und Literaturkritiker und Professor für Theaterwissenschaft. Einem breiten Publikum wurde er als Teilnehmer der im ZDF ausgestrahlten Fernsehsendung Das Literarische Quartett bekannt.  [Quelle]


Wichtiger in diesem Kontext:
Manuel, Schriftsteller und Journalist, * 1967 in Stuttgart, hat eine Mutter aus Venezuela, mit der er wohl regelmäßig telefoniert. Und er studierte in Bonn Iberoromanistik.


In einem Essay über eines dieser Telefonate mit seiner Mutter, "der Chavinistin", 77 Jahre alt,  schreibt er u.a. über die aktuelle Krise in Venezuela:

Bild-Quelle
Yin:
»Meine Mutter macht für die venezolanische Katastrophe ein von den USA geführtes internationales Komplott verantwortlich, das den Sturz der sozialistischen Regierung zum Ziel hat, um eine Exploitation der weltgrößten Ölreserven zu erleichtern. Ihr erscheint die Opposition als Motor der Krise. Mit dieser Meinung steht sie nicht allein. Linke Intellektuelle wie der Historiker Tariq Ali oder die amerikanische Journalistin Abby Martin arbeiten für den englischsprachigen Kanal von Telesur, den TV-Sender der venezolanischen Regierung, und vertreten dort ähnliche Thesen.«
>>> Siehe auch

Yang:
»Es ist auf den ersten Blick auch nicht abwegig, zu einer Interpretation zu gelangen, derzufolge die Demonstrationen der letzten Monate gegen die Regierung Maduros den Protest der Mittel- und Oberklasse darstellen, die ihre Privilegien zurückerkämpfen möchte, die sie vor Chávez’ Regierungsantritt gehabt hat. Für die derzeitige politische und soziale Krise sind tatsächlich auch die Vorgänger­regierungen mitverantwortlich.
Doch wird dieses Argument von Regierungstreuen benutzt, um die ebenso große Verantwortung des Chavismus für die jetzige Misere zu leugnen.«
[Quelle]

Oder ist es umgekehrt: Erst Yang, dann Yin?

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Zu Yin und Yang >>>:  siehe auch

Samstag, August 12, 2017

Was geht in Korea? (Und bei Trump...)

FilmliebhaberInnen,
die die Lage gelassen und entspannt sehen, werden vielleicht zunächst einmal an den Film von 
Stanley Kubrick aus dem Jahre 1964 denken


und sich dabei fragen: "Wer von den beiden aktuell handelnden Protagonisten (der Familiediktator in der 3. Generation Kim Jong-un/s, (seit 2011), oder der 45. Präsident der USA, (seit Januar 2017) und zuvor hauptberuflich Geschäftsmann, Donald Trump (seit Januar 2017) der seltsamere Dr. Seltsam sein könnte: Kim oder Trump.

Der Film schildert, wie der geistesgestörte US-Air-Force-General Jack D. Ripper versucht, auf eigene Faust einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion auszulösen, indem er den ihm unterstellten B-52-Bombern auf dem Luftwaffenstützpunkt Burpelson den Befehl zum Angriff auf die Sowjetunion erteilt. Ripper ist von einem sowjetischen Geheimplan überzeugt, den er durchkreuzen will [...]. [Wikipedia]



Psychologisch und küchenpsychologisch Begabte
werden sich die Frage stellen, wer von den beiden Männern(!) wohl der Verrücktere oder Irrere sei.

Viele Menschen sind besorgt, besonders die in Südkorea, und werden sich fragen: Was geht da eigentlich ab? Was wird daraus werden, und was könnte, sollte, müsste man da machen. Manche von ihnen diagnostizierten auch schon: Trump ist so veranlagt, dass er gar nicht anders kann, als jeden, der ihn provoziert, platt zu machen wie ein Wrestler. (So Daniel Kehlmann in der ZEIT: "Mein Leben mit dem Monster".
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Historisch und militärhistorisch Interessierte
denken vielleicht a) an die Air-Land-Battle-Strategie und den Rogers-Plan der NATO aus den 1980er Jahren und b) an den  US-Präsident Nixon und den US-Verteigungsminister James R. Schlesinger.

Warum Nixon und Schlesinger? Während der Watergate-Affäre des Präsidneten Nixon hatten viele Sorgen davor, was der angeschlagene Präsident wohl anstellen könnte, um sich aus der Affäre zu ziehen. Deshalb ordnete derVerteidigungsminister Schlesinger an, dass alle militärischen Befehle des Oberbefehlbehabers der Armee (also des Präsidenten Nixon) von ihm, Schlesinger, gegengezeichnet werden müssen, um die Bevölkerung der USA (und der Welt?) vor Dummheiten des Präsidenten zu bewahren. - Das war im Grunde eine Art Staatsstreich des Ministers gegen den Präsidenten. - Und darauf hoffen vielleicht auch derzeit viele Menschen, dass jemand den US-Präsidenten an Dummheiten hindern kann.
Die gute Nachricht: Trump kann von einem seiner Golfplätze 


nicht einfach an seine Generäle twittern oder auf seinem smartphone auf einen Roten Knopf drücken, um die Atomraketen abzuschicken. Es gilt das 4-Augen-Prinzip (oder 6-Augen?): Ein zweiter Mensch, der nicht mit dem Präsidenten im gleichen Raum sitzt und ebenfalls den Code besitzt, muss den Befehl mit dem Code wiederholen. - Nun hoffen wir, dass dort auch(?) ein weiser Mensch sitzt.

Warum Air-Land-Pattle (ALB) und warum  Rogers-Plan aus den 1980er Jahren?

"ALB wie auch der Rogers-Plan besaßen eine aggressive offensive Komponente, um die Handlungsoptionen der NATO zu vergrößern. 
Das AirLand-Battle-Konzept ersetzte 1976 den Vorgänger „Active Defense“ Doktrin und wurde seinerseits durch die „Full Spectrum Operations“ ersetzt."  [Wikipedia

Doch das Nachfolge-Konzept "Air-Land Battle 2000" galt/gilt eigentlich bis 2019! 

Das Konzept "Air Land Battle 2000" war das Konzept für die Kriegsführung ab 1995 bis zum Jahre 2019, für das "Kämpfen und Siegen auf den Schlachtfeldern der Zukunft", wie es im Vorwort heißt.
ALB 2000 wurde von der US-Armee in Zusammenarbeit mit Bundeswehrstäben erarbeitet. Die gemeinsame deutsch-amerikanische Fassung wurde im August 1982 (also noch zu Zeiten der sozialliberalen Koalition SPD/FDP) von Edward C. Meyer, Generalstabschef der US-Armee, und von Meinhard Glanz, Inspekteur des Bundesheeres, unterzeichnet.
Ausgangspunkt von ALB 2000 ist das Szenario einer multipolaren Welt, in der es immer schwieriger werden wird, in politischen Entscheidungsprozessen zu einer Übereinstimmung der Beteiligten zu gelangen.
Aus diesem Grund sollten die Truppen in die Lage gesetzt werden, auch gegen Streitkräfte der Dritten Welt zu kämpfen. In der Interessensphäre der NATO lagen dabei damal ausdrücklich: Mitteleuropa, Naher Osten, Persischer Golf und Afrika.
Wichtiges Ziel sei die Sicherung der Zufuhr von Rohstoffen und der Ölversorgung. Daher gründe sich ein zukünftiger Krieg nicht mehr nur auf die Notwendigkeit einer Verteidigung gegen den Osten, sondern auch auf die Bedrohung der Rohstoffversorgung der Bündnisstaaten. Bereits das geheime Armeedokument NSC-68 von 1950 enthielt als militärstrategische Zielsetzung die "Enthauptung" der Sowjetunion mit einem massiven Atomschlag. Auch 1959 während der Berlinkrise (und öfter) waren die USA entschlossen, notfalls einen Atomkrieg (damals gegen die Sowjetunion) zu führen. 1974 wurde im geheimen Armeedokument NS-DM 242 festgelegt, welche Fähigkeiten entwickelt werden sollen, um einen Atomkrieg trotz der Gefahr gegenseitiger Vernichtung führen und gewinnen zu können. (Beide Dokumente zitierte der amerikanische Atomphysiker Prof. M. Kakku auf der 2. Konferenz für europäische atomare Abrüstung in Berlin, 9.-14.5.83)
In der Präsidentendirektive PD 59 (1980) legte der amerikanische Präsident Jimmy Carter fest, daß die US-Streitkräfte in die Lage versetzt werden sollen, "die gesamte sowjetische militärische und politische Machtstruktur durch Angriffe auf die Führungszentren, auf atomare und konventionelle Streitkräfte sowie Industrieanlagen, die für die militärische Macht von Bedeutung sind, auszuschalten." (österr. Militärzeitschrift 6/82)
Zitate
Das ALB-Konzept, geprägt vom Geist der Offensive, sollte es ermöglichen, diese Pläne in die Tat umzusetzen. Nicht der Gedanke der Verteidigung bestimmt das Konzept, nicht der Gedanke, das eigene Territorium vom Gegner zu befreien, den Status quo zu erhalten, den Einsatz atomarer Waffen zu verhindern, sondern den Krieg zu gewinnen, den Gegner "in der Tiefe", d. h, auf seinem eigenen Gebiet anzugreifen, bevor dessen Truppen der 2. Staffel, der Nachschub, in den Kampf eingreifen können.
Dazu einige Zitate, dienotwendigerweise aus dem Zusammenhang gerissen sind, die jedoch für das ALB-Konzept typisch sind, wie jeder selbst durch Lektüre einer der zahlreichen Dokumentationen überprüfen kann:
"Der Zweck der militärischen Operation kann deshalb nicht einfach im Verhindern einer Niederlage bestehen, sondern er muß vielmehr darin liegen, zu gewinnen." (ALB 1.2,b) "... ist der Angriff in die Tiefe kein Luxus, sondern eine absolute Notwendigkeit für den Sieg." (1.2.f.(1.).) "Das 'Air-Land'-Konzept soll kein Zukunftstraum bleiben, bis alle neuen Systeme eingeführt sind; Korps und Divisionen können und müssen mit kleinen Änderungen jetzt - 1981 - beginnen, die Umsetzung von 'Air Land Battle' zu lernen und zu üben." (1.2.g) "Im NATO-Gebiet, im Nahen und Mittleren Osten und in Korea muß unsere- Defensivstrategie über die bloße Verhinderung des Sieges der anderen Seite hinausgehen und statt dessen einen erkennbaren und definierbaren Sieg für den Verteidiger fordern. Feindlichen Führern muß klar zu verstehen gegeben werden, daß ... nicht mehr länger der Status quo ante bellum wiederherstellbar sein wird, sondern die von ihnen selbst geschaffene Situation zu neuen Bedingungen gelöst wird." (1.4.a)
[Quelle: CuS 1/85, 1. Vierteljahr 1985] 

Der aktuelle US-Präsident scheint zur aggressiven und offensiven Strategie des Kalten Krieges zurückkehren zu wollen.

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Kim Jong-un ist nicht irre, nicht seltsam und nicht verrückt, sondern: Nicht auf den Kopf gefallen. 

So sehen es manche AnalystInnen.  Hoffen wir das Beste!

Warum rational und nicht auf den Kopf gefallen? 

Er weiß/ wisse genau, dass der Besitz der Atombombe die einzige Chance sei, um an der Macht zu bleiben. Schon unter Großvater und Vater Kim wurde Nordkorea zur Dikatur. Zunehmend wurde Norkorea, so sagt man, zusätzlich zu einer Kleptokratie (so wie vielleicht auch Venezuela(?) unter Morales, die UdSSR nach ihrem Zerfall, die Ukraine unter den Oligarchen....? - Aber das sind gesonderte Themen).
Die Regierung Nordkoreas kann die eigene Bevölkerung nicht mehr ernähren, seine Gegner lässt Kim ermorden, selbst wenn sie mit ihm verwandt sind (so heißt es bei uns zumindest). Also wer in Nordkorea selber hat ein Interesse am Fortbestand des aktuellen Systems? Nur Kim und seine Mit-Kleptokraten. (Immer am Rande mitzubendenken: Und wer in den USA?)

Kim hat gesehen, wie es in Libyen Gaddafi erging: Der wollte ebenfalls eine Atombombe bauen, "der Westen" konnte ihn überreden, das bleiben zu lassen. Die Folge er wurde von einer westlichen Koalition aus Frankreich u.a. gestürzt, er wurde ermodet und Libyen versank komplett im Chaos.
Und warum wurde Saddam Hussein im Irak gestürzt und nicht Iran, obwohl es doch aus Sicht der USA auch zum Reich des Bösen gehört? Kims Antwort: Weil Iran eine Atombombe besitzt und Irak besaß keine.
Also: Wenn ich, Kim und FreundInnen, an der Macht bleiben will, dann hilft nur der Besitz der Atombome.

Das wäre dann weder verrückt noch irrational, sondern äußerst klug (aus seiner Sicht). 
Zum Beispiel:
[...] »Diktator Kim Jong Un mag vieles sein, aber „irrational“ oder „verrückt“ ganz bestimmt nicht. Tatsächlich folgt das nordkoreanische Regime seit Jahren einer konsistenten wie fast schon vorhersehbaren Logik. Dass sich viele der heimischen Leitartikler dennoch nach jedem militärischen Muskelspiel aufs Neue „überrascht“ zeigen, offenbart vor allem, wie oberflächlich sich die Öffentlichkeit mit Nordkorea auseinandersetzt.

Das mit Abstand wichtigste Interesse des Regimes ist sein Selbsterhaltungstrieb. Sicherheitsfragen setzt Pjöngjang stets an erste Stelle, noch weit vor das materielle Wohl seiner Bevölkerung. Außenpolitisch dient die Atombombe für Kim Jong Un daher vor allem als Lebensversicherung. Die Paranoia des Diktators ist keinesfalls abwegig: Immer wieder hat Washington versucht, auch unter dem Deckmantel humanitärer Entwicklungshilfe Spione ins Land zu schleusen.

Im Nachbarland Südkorea fordert die Präsidentin in öffentlichen Ansprachen bereits einen „Regimewechsel“, Abgeordnete der konservativen Regierungspartei werben offen für Bombenangriffe. Verständlicherweise möchte Kim Jong Un weder wie Saddam Hussein noch wie Gaddafi enden."« [...]
Das war wohl u.a. auch der Gedanke des Präsidenten Obama und seiner ruhigen Hand gegenüber Norkorea:
Kim wird niemand bedrohen,
so lange man seine Herrschaft nicht bedroht. Und so wie die UdSSR und die DDR und manch anderer Staat letztlich durch Aufstände und Veränderungen im eigenen Land unterging (und so auch manche Weltreiche wie Großbritannien, das Römische Weltreich...), so wird auch für die Diktatur in Norkorea eines Tages das Totenglöcklein schlagen. - Und nicht nur dort.

Höre auch: 
  • http://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/forum/2017/08/swr2-forum-20170811-wie-gefaehrlich-ist-die-nordkorea-krise.m.mp3 
Es diskutieren: Prof. Dr. Bernd Greiner - Historiker und Politikwissenschaftler, Hamburger Institut für Sozialforschung, Stefan Kornelius - Leiter des außenpolitischen Ressorts der Süddeutschen Zeitung, München, Prof. Dr. Hanns Maull - Politikwissenschaftler, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin Gesprächsleitung: Martin Durm
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Was tun? Zur Erinnerung: 

Andreas Zumach, * 1954, als Journalist und Publizist seit Jahrzehnten friedenspolitisch unterwegs und 2009 mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet, erinnert an die Politik der USA unter Bill Clinton in den 1990er Jahren und an das erneute Afflammen der Krise unter Präsident George Bush im Januar 2002:

"Eine Deeskalation und vielleicht sogar politische Beilegung des Konflikts
wird es nur geben, wenn die USA wieder zu ihrer Politik der 90er Jahre zurückkehren. Die Clinton-Administration gab Nordkorea im Genfer Abkommen von 1994 neben der Zusage der Lieferung von verbilligten Nahrungsmitteln und Öl sowie nicht zu militärischen Zwecken nutzbaren Leichtwasserreaktoren zur Energieversorgung eine Nichtangriffsgarantie. Im Gegenzug verpflichtete sich Pjöngjang, sein militärisches Nuklearprogramm einzustellen und sich an all seine Verpflichtungen aus dem Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen (NPT) zu halten.
Erst seitdem Präsident Georg Bush die Nichtangriffsgarantie im Januar 2002 aufkündigte, hält sich Pjöngjang nicht mehr an diese Zusagen. Die besten Chancen, Washington zur Kurskorrektur zu bewegen und dann auch eine erfolgreiche Vermittlerrolle zwischen den USA und Nordkorea zu spielen, hätte die EU." (Quelle: taz am Wochenende 12./13. August 2017)
Und auch nicht zu vergessen: Der Gwangju-Aufstand und das Gwangju-Massaker in Süd-Korea im Mai 1980:

In Südkorea putschte sich im Dezember 1979 der Armee-General Chun Doo-whan an die Macht und blieb dann bis 1980 Präsident und korrupter Militär-Diktator Südkoreas. 1996 wurde er zum Tode verurteilt, weil er im Mai 1980 bei tagelangen Protesten gegen seine Regierung und für freie Wahlen ("Demokraischer Aufstand des 18. Mai" oder "Gwangju-Aufstand" mit zum Schluss über 200.000 DemonstrantInnen ) schließlich den Schießbefehl erteilt hatte, wodurch mehrere hundert Menschen zu Tode kamen: Das "Massaker von Gwangju". Die USA, die in dieser Zeit des Kalten Krieges 50.000 Soldaten in Südkorea stationiert hatten - heute sind es noch etwa halb
so viele - ließen den Diktator damals gewähren. Chun Doo-hwan wurde später begnadigt.


Aufgedeckt hatte das Massaker der deutsche ARD-Film-Journalist Jürgen Hinzpeter, (verstorben in Lübeck 2016), der sich zu diesem Zeitpunkt nach Gwangju durchschlagen konnte und seine Filmrollen später aus dem Land schmuggelte. (Teile von Hinzpeters Asche wurden in Gwangju vertreut und vor Ort wurde zudem zu seinen Ehren ein Denkmal errichtet.)  (Bildquellen: en.wikipedia a.a.O.)