Mittwoch, Januar 25, 2017

Refugees welcome. Oder doch lieber nicht? - Von Donald Trump, Heinz-Ketchup und dem Mittelmeer



Ein GEFÜHL der Unsicherheit.
Rassistische, fremdenfeindliche, extremistische, „besorgte“ You-Tuber, Blogger und Facebooker („Knoblauchland Deutschland“, „Weiße Wölfe“, „Kontra Asyl“ …), nutzen die Ängste der Deutschen vor Terrorismus und Kriminalität aus, indem sie die Angst vor terroristischen Anschlägen, Vergewaltigungen und Bandenkriminalität mit der Flüchtlings-Thematik und der Islamischen Religion verknüpfen:
Ein Flüchtling: Ein potentieller Gefährder und potentieller Terrorist
Ein junger männlicher Flüchtling: Ein potentieller Vergewaltiger.
Ein osteuropäischer Ausländer: Ein potentielles Mitglied einer Einbrecher-Bande.
Ein Muslim: Ein potentieller Dschihadist. 

Menschen - "Flüchtlinge"/ "Geflüchtete"/ "MigrantInnen"/ "Invasoren" ...
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  • Ja,es gibt diese organisierten Banden,
    z.B. aus Georgien, die von ihren Bossen in Georgien nach Deutschland geschickt werden, um unter dem Deckmantel eines Asylantrages im Umfeld ihrer Unterkünfte in Deutschland systematisch Diebstähle zu begehen.
    „Georgien ist ein christlich geprägtes Land, schon 337 wurde das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Seit dem Frühmittelalter ist die Orthodoxie ein Symbol der Nation.“ [Wikipedia]
  • Ja, die Mehrzahl der Flüchtlinge, ungefähr 2/3, sind männlich, davon wiederum die meisten zwischen 18 und 24 Jahre alt, nur etwa 10% sind über 40 Jahre.
  • Ja, die deutschen Behörden waren überfordert; Ende 2016 waren z.B. noch 500.000 Anträge auf Asyl „anhängig“, also noch nicht bearbeitet.
  • Nein, Deutschland nimmt nicht die meisten Flüchtlinge auf, die meisten bleiben in ihrem eigenen Land oder in ihren Nachbarländern wie z.B. Libanon oder Türkei.
  • Ja, wer über das Mittelmeer nach Europa flüchtet, möchte am liebsten nach Deutschland, weil es als reich, sozial und rechtsstaatlich gilt.
  • Ja, nur knapp 40% aller angekommenen Flüchtlinge werden als solche anerkannt, etwa ¼ wird abgelehnt, und das restliche gute Drittel darf trotzdem aus verschiedenen Gründen noch (eine Weile?) bleiben.
  • Ja, die christliche Religion kennt „7 Werke der Barmherzigkeit“: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote bestatten.
  • Nein, noch nie zuvor sind so viele Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken wie 2016.
  • Ja, im Jahre 2016 sollen Menschen mit Migrationshintergrund 215.000 Straftaten begangen haben. Dazu zählt besonders häufig das „Erschleichen von Transporten“, also das Fahren ohne gültigen Fahrausweis.
  • Ja, die Wahrscheinlichkeit, als junge Frau von einem Flüchtling vergewaltigt zu werden, geht gegen Null.
  • Ja, trotzdem geht jetzt nicht nur Freiburg die Angst um. „Gefühl schlägt Ratio, Darmwindungen schlagen Gehirnwindungen“ sagen manche.  -
    Andere sagen, das sei auch gut so, denn Angst und Furcht seien Produkt der Evolution: Die Urmenschen, die zu wenig oder keine Angst hatten, sind von wilden Tieren gefressen worden, konnten sich nicht vermehren und sind ausgestorben.
  • Ja, Flüchtlinge sind nicht nur vor der oft aussichtslosen wirtschaftlichen Situation in ihrem Land geflohen, sondern auch vor Krieg und vor den Terroristen in ihrem eigenen Land geflüchtet. 

    Die Poststube
    Felix Schlesinger.  Düsseldorf 1859. Öl, Leinwand: Für viele Emigranten begann die lange, strapazenreiche Reise zu den Auswandererhäfen Hamburg oder Bremerhaven in einer Poststation. Ein Plakat in der Passagier-Stube wirbt für Schiffspassagen nach Amerika.

  • Ja, auch viele Ur-Deutsche sind geflüchtet, z.B. nach 1848 wegen der gescheiterten Revolutionen in Deutschland. / Nach 1933, weil sie wegen ihrer jüdischen Religion und/oder als politische Gegner verfolgt wurden. ...


    [Bildquelle]   Dritter amerikanische Präsident, gest. 1826,
    und der hauptsächliche Verfasser der Unabhängigkeitserklärung

  • Ja, viele junge deutsche Männer sind u.a. deshalb z.B. in die USA geflohen?/ausgewandert/migriert, um dort "nur" ihr Glück zu versuchen.
    Zum Beispiel (in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert - in der Zeit des amerikanischen Goldrausches) der Großvater des jetzigen US-Präsidenten Donald Trump (Friedrich Drumpf aus Kallsstadt in der Pfalz)
    und der Vater des Heinz-Ketchup-Unternehmensgründers Henry John Heinz (Johann Heinrich Heinz, ebenfalls aus Kallstadt).
  • Ja, viele junge deutsche Männer sind auch nach 1945 aus Deutschland geflohen, weil große Teile Deutschlands als Folge von 1933 in Schutt und Asche lagen und die jungen Männer keine Hoffnung auf eine wirtschaftliche Genesung Deutschlands hatten.
  • Ja, Flüchtlinge sind mancherorts ein Konjunktur-Programm: Für Vermieter von Wohncontainern, Hersteller von Feld-Betten und Trennwänden, VermieterInnen von Bruchbuden.
    Manche Schule und manch ein Kindergarten  konnte durch Flüchtlingskinder wieder eröffnet, erhalten oder erweitert werden.
    Viele Deutsche (berufstätig oder schon im Rentenalter) können sich durch Sprachkurse ein Zubrot verdienen und manch Supermarkt konnte seinen Umsatz steigern.
  • Ja, manchmal wird der oder die, die solches ("Konjunktur-Programm") laut äußert, in ihrem Ort mit Hasstiraden überschüttet.
  • Ja, manch ein Unternehmen freut sich über die die legalen und/oder illegalen AusländerInnen, weil sie sich dadurch den Mindestlohn ersparen können. („Legal, illegal?– scheißegal!“).
  • Nein, nicht jeder Flüchtling ist willkommen.
  • Nein, der Satz „Flüchtlinge sind eine Bereicherung“ trifft nicht auf jeden Flüchtling zu. Viele sind eine Belastung. Sie gehören – wie auch viele „biodeutsche“ [1]/“altdeutsche“/“native“/ „indigene“ deutsche BürgerInnen so wie Millionen (und Milliarden?) BürgerInnen weltweit – zu den überflüssigen Menschen [2].
  • Ja, bestimmt sind der IT-Spezialist, der Altenpfleger, die Krankenschwester und der Müllarbeiter, (der später den Job des in die Mittelschicht aufgestiegenen Türken übernimmt) eine Bereicherung für Deutschland. -
    Aber sehr viele MigrantInnen sind ebenso überflüssig wie es z.B. die Hälfte der jungen SpanierInnen in ihrem eigenen Land - und auch zahlreiche Ur-Deutsche - sind, weil sie trotz Abitur oder Studium keine Arbeit finden, von der sie leben können.



[1] Biodeutscher in dieser Bedeutungsvariante bezieht sich auf das Staatsangehörigkeits­verständnis vor der Einführung des "Optionsmodells". - Der Begriff Biodeutscher wurde vom Grünen-Politiker Cem Özdemir  in Umlauf gebracht.  http://de.wikimannia.org/Biodeutsche


[2]Durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität, d.h. vor allem durch Anwendung verbesserter Technik, versucht jedes Kapital möglichst viel von seiner angewandten Arbeitskraft überflüssig zu machen. Vermehrung des Kapitals vernichtet also immer dort Arbeitsplätze (relativ oder absolut), wo mittels technischer Neuerungen die Produktivität der Arbeitskraft gesteigert wird.
Längerfristig werden dann auch dort Arbeitsplätze vernichtet, wo das Kapital nicht so profitabel arbeitet. Denn über kurz oder lang zwingt der besonders profitable Kapitalist auch die anderen Kapitalisten, ihre Produktionskosten entsprechend zu senken, also vor allem ihre angewandte Arbeitskraft relativ zu reduzieren, oder pleite zu gehen, wodurch erst recht Arbeitsplätze verloren gehen. … Die kapitalistische Akkumulation produziert... und zwar im Verhältnis zu ihrer Energie und ihrem Umfang, beständig eine relative, d.h. für die mittleren Verwertungsbedürfnisse des Kapitals überschüssige, daher überflüssige oder Zuschuss-Arbeiterbevölkerung.“ (
K. Marx, Das Kapital) 






Untergang des Auswandererschiffes Austria am 13. September 1858. Josef Carl Berthold Püttner Wien 1858. Öl, Leinwand 
Durch Leichtsinn geriet die überbelegte Austria in Brand.
Von 542 Passagieren wurden nur 89 gerettet.
Der französische Dreimaster Maurice nahm 67 und die norwegische Katharina 22 deutsche Auswanderer auf.

Mittwoch, Dezember 21, 2016

Pfründe. Warum die CSU und Horst Seehofer die AfD nicht mögen, obwohl sie alle dasselbe sagen

Screenshot ZDF
CSU-Chef Horst Seehofer musste beim ZDF auf eine ziemlich unangenehme Frage antworten. Moderator Claus Kleber wollte wissen, wo denn eigentlich die Unterschiede zwischen CSU-Positionen und dem Programm der rechtspopulistischen AfD seien. Wenn er das gerade beschlossene CSU-Papier und das AfD-Programm neben einander lege, sehe er „faktisch keine Unterschiede mehr“, so Kleber.
Seehofer legte daraufhin nah, die AfD habe bei seiner Partei abgeschrieben.
Quelle
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Eigentlich spielt es keine Rolle, wer nun von wem abgeschrieben hat:
Die von beiden Parteien unbestrittene Tatsache ist offenbar: Texte und Programm gleichen sich. Sie sind Gesinnungs-GenosssInnen. - Und manchmal versucht Seehofer die AfD rhetorisch zu übertrumpfen.

Warum der Streit? Warum übertrumpfen müssen? Es geht um die Pfründe.
 Stellt euch vor, sagte neulich ein CSU-Abgeordneter sinngemäß - (ich stand gerade unter der Dusche und bekam daher den Namen im Interview des Deutschlandfunks nicht mit) - der ausländerfeindliche, rassistische, ultrarechte Teil unserer Wählerschaft würde statt der CSU die AfD wählen: Das würde der CSU so-und-so-viel gut bezahlte Abgeordneten-Jobs im Bayerischen Landtag und im Bundestag kosten.

Auch deshalb
soll und sollte es in Deutschland rechts von der CSU keine Partei in Deutschland geben.
Franz-Josef Strauß (1983?): „Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben.“

Es geht um Geld und Pfründe - und nicht um die Moral.
"Erst kommt der BMW und dann die Moral" - wie Bert Brecht anno 1928 so ähnlich schon in der Dreigroschen-Oper  singen ließ.

Quelle: taz 21.12.2016
Von links nach rechts: AfD, Kreuzritter und rechts vielleicht die CSU?

Wenn ein Lastwagen durch ein Unglück in einen Weihnachtsmarkt führe ... Gedanken-Erforschung

Nein, so war es wohl nicht.
Nur eine Gedanken-Erforschung: 

Nehmen wir an: 
Jemand, nehmen wir an dein Alt-Deutscher, kapert aus Habgier einen beladenen LKW-Truck in einer polnischen Spedition in der deutschen Hauptsadt. Der polnische Fahrer wird mit einer Schusswaffe bedroht und auf dem Beifahrersitz in Schach gehalten. -

Auf dem Weg durch das Stadtzentrum sieht der polnische Fahrer eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Es kommt zu einem Gerangel im Führerhaus, der Räuber wird zum Mörder, erschießt den Polen, der LKW gerät aus der Spur und rast in einen Weihnachtsmarkt, der Räuber steuert auf die Haupt-Straße zurück, aber es ist zu spät: Zwölf Tote und viele Verletzte. Er ergreift die Flucht.

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  • Welcher Gedanke würde MIR zu allererst einfallen?
  • Welcher politische Kommentar würde MIR zu allererst einfallen?
  • Welchen Kommentar würde ich von welcher politischen Partei, von welcher Politikerin oder welchem Politiker erwarten?
  • Wie könnte dieser Vorfall politisch instrumentalisiert werden und von wem? - Wer hätte sozuzagen nur darauf gewartet, mit solch einem Unglück sein Süppchen zu kochen? Profit daraus zu schlagen?
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Was zu dem Anschlag an der Gedaächtniskirche in Berlin gesagt wurde:
  • "Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land"
  • "Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote!"
  •  „Wir müssen konstatieren: Wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten“
  • „Wir werden, wo wir es für erforderlich halten, auch mit schwerem Gerät antreten. Das heißt Langwaffen, Kurzwaffen, Maschinenpistolen“
  • „Es ist mal wieder ein Anschlag auf unser aller Freiheit, unser Leben - und es hätte tatsächlich auch jeden treffen können“
  • „Dieses Mal wird das Brandenburger Tor in unseren eigenen Farben angestrahlt werden“
  •  „Wir werden uns mit all zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, dass die böse Saat, Panik, Hass und Zwietracht zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und Religionen zu stiften, niemals aufgeht“ (Zentralrat der Muslime)
  • „Das Milieu, in dem solche Taten gedeihen können, ist in den vergangenen anderthalb Jahren fahrlässig und systematisch importiert worden“
  • "Merkel muss weg"
  • "Wir sind es den Opfern, den Betroffenen und der gesamten Bevölkerung schuldig, dass wir unsere gesamte Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik überdenken und neu justieren" 
  • "Diejenigen, die unsere liberale und offene Gesellschaft spalten und den Rechtsstaat beschädigen wollen, werden versuchen, den Anschlag zu instrumentalisieren. Sie versuchen es jetzt schon. Islamisten und Rechtsextreme kochen dabei übrigens dieselbe Suppe. Sie versuchen, aus Angst Profit zu schlagen"
  • Man könnte auch Angst vor der Christianisierung des Morgenlandes haben

Sonntag, Dezember 11, 2016

postfaktisch. Zahlen und Fakten sind echt langweilig. Von Freiburg, Flüchtlingen, Framing und dem Stern zu Bethlehem

Jaja, Zahlen sind echt ermüdend und langweilig.

Wenn ich - zum Beispiel - sonntagmorgens gemütlich im Sessel sitzend,
mit einer Tasse Kaffee, die Zeitung aufschlage und zum xten Male lese, dass gerade 60- oder 63-Millionen Menschen auf der Welt auf der Flucht sind, dann blättere ich um und schaue nach  interessanterer Morgenlektüre.

Wenn ich dann, in der Weihnachtszeit zum Beispiel, 
- auch zum xten Male - die Geschichte höre, wie Maria und Joseph mit ihrem Jesuskind anlässlich einer Volkszählung im römischen Imperium in Palästina in einem Stall übernachten - und kurz darauf von Bethlehem in Palästina nach Ägypten fliehen mussten, weil der örtliche Machthaber Herodes, alle neugeborenen Kinder umbringen wollte - dann, also dann komme ich schon etwas mehr ins Nachdenken. -
Obwohl das ja nur 1 (ein) Ehepaar war und nur 1 (ein) Baby. - Ja gut, es war ein besonderes Baby, so wie Baby Buddha oder Baby Cäsar oder Baby Alexander der Große oder Baby Clinton oder Baby Obama vielleicht. Oder Baby Trump? Oder Baby Mohammed?. - Deshalb erzählt man noch heute davon.

Manche sagen auch: Das Jesus-Baby war besonderer als alle anderen Babies zusammen. - (Aber diese Einschätzung würde ich jetzt nicht unbedingt teilen wollen. Und sowieso: Man weiß das ja auch immer erst hinterher, dass es ein besonderes Baby war. Also falls es nicht als Baby schon einem Mord oder einer Fassbombe zum Opfer fiel.)

Und ob die Fakten gut recherchiert waren? Man hat diese Geschichte nun seit Jahrhunderten nach-recherchiert. Und einige Unstimmigkeiten gibt es schon dabei. Aber das ist hier jetzt nicht das Thema. Es geht ums Postfaktische. Und ums Framing.

Verein und Broschüre


Wenn jetzt aber 1 (einer)  von diesen unbekannten ganz normalen 60-Millionen,
also ich meine, jetzt gerade, wo ich von meinem roten Lieblingssessel mit der Tasse Kaffe aufgestanden bin und es draußen arschkalt ist und ungemütlich - und es außerdem noch ein bisschen regnet statt schön zu schneien -
wenn also jetzt so ein nordafrikanisch aussehender 17-Jähriger von was-weiß-ich-woher bei mir klingeln würde und sagen, er sei ein in Syrien ausgebombter unbegleiteter Flüchtling und  wisse nicht ... -
Na. Dann ist die Sache mit den 60-Millionen plötzlich gar nicht mehr ermüdend langweilig. - Rein theoretisch hätte ja auch jeder von den 1 Millionen, die 2015 nach Deutschland kamen, sich einfach 1 Haustürklingel aussuchen und dann dort klingeln können. Vielleicht alle auf einmal, alle zur gleichen Zeit, an der einen Haustürklingel, die er - oder sie - sich ausgesucht hat. -
Das wäre dann ziemlich faktisch. Also, dann ist mir vielleicht doch lieber, die bleiben alle in Griechenland, oder besser noch in Syrien und lassen mich in Ruhe meine Zeitung lesen? Auch wenn meine Zeitung manchmal langweilige Sachen schreibt, die mich nichts angehen; dann kan ich ja umblättern.

Man nennt es wohl neudeutsch "Framing", 
wenn man die Zahlen und Fakten - auch die kleinen - in eine Geschichte einbettet, in eine Erzählung, so wie die mit Maria und Josef und dem Jesuskind, dem Stern zu Bethlehem, den Heiligen Drei Königen und so.  - Auch wenn diese Geschichte vielleicht postfaktisch ist. Legende. Mythos. Sie wirkt mehr als Zahlen und wenn sie - die Zahlen - noch so groß wären. Je größer sie sind, um so weniger kann ich sie mir sowieso vorstellen.

Und wie nennt man das,
wenn einer an der Tür klingelt? Naja, kommt ja zum Glück nicht vor.Vielleicht sollte ich morgen einen Aufkleber kaufen und an die Tür kleben: "Betteln und Hausieren" verboten. Aber ob es die auch in mehrsprachig gibt? Also zumindest in Englisch sollte es auch noch sein. Ich denke: arabisch und persisch wäre vielleicht auch nicht schlecht? Oder was spricht man da so? 

Ach ja,
als dieses im Nahen Osten gerettete Jesuskind, das ich oben erwähnte, älter wurde und so an die 30 Jahre als war ungefähr, da hat er selber auch Reframing gemacht. Also er hat eine Geschichte erzählt  - statt Zahlen und Fakten vorzutragen - die am Ende aller Tage spielt. In dieser Geschichte kommt, also am Ende aller Tage, am Jüngsten Tag, "der Menschensohn in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander trennen, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet."
Michael Wohlgemuth, um 1500 n.Chr.

Also ich will das jetzt nicht alles nacherzählen, Sie können es ja selber nachlesen. - Auf jeden Fall müssen eine ganze Menge Menschen, die "Böcke", am Schluss in die Hölle: "Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!" (sagt "der Menschensohn" zu ihnen). Die wundern sich zwar darüber, dass sie verflucht sind und viele andere nicht. Aber die, die nicht in die Hölle müssen, wissen erst auch nicht genau, warum das jetzt so ist. Der "Menschensohn" in der Geschichte erklärt es ihnen dann, aber erst ziemlich am Schluss:
"Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Und Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und viele werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben."

Nun Gut, ist ja nur eine Geschichte.
Keine Fakten, keine Zahlen. Postfaktisch halt, "Post-Truth" vielleicht auch noch.
Wer "der Menschensohn" nun sein soll, weiß man postfaktisch auch nicht so genau. Manche meinen, das erwachsene Jesuskind habe sich selber damit gemeint. Andere sagen: Nein, nein, er meinte Gott wird sich al Richter auf den Thron setzen. Wieder andere sagen: Das ist doch ungefähr dasselbe, Jesus war doch Gottes Sohn. - Nun ja: JedeR kann ja glauben was er/sie will. Denn:Noch leben wir ja in einer liberalen und pluralen Demokratie. Freedom und Democracy haben wir ja schließlich hier in Deutschland. (Deshalb müssen wir ja auch aktuell nicht fliehen und können zuhause im Sessel sitzen und lesen.)

Was ich aber trotzdem ganz tröstlich finde an diesem Framing:
Der Menschensohn sagt: "Was ihr für EINEN" ... getan habt. Der Satz des Jesuskindes ist zwar politisch nicht korrekt, denn es/er hätte sagen sollen: "Was ihr für einen oder eine getan habt ...". - Aber bemerkenswert er ist: EIN Einziger? Das würde man ja eventuell im Notfall noch irgenwie irgendwas hinkriegen. 1 statt 60.000.000. - Im Notfall!

Broschüre als pdf
Oder auch:
Quelle

Dienstag, November 22, 2016

Islam - Frauen - Verschleierung - Zentralasien

Zentralasien war schon immer eine umkämpfte Region. 

Quelle
Heute, 2016, hört sich das z.B. so an: 

Quelle
»Claudia Haydts Vortrag „Konfrontation(en) in Osteuropa“ ließ vermuten, es gehe um den Ukraine-Konflikt. Doch die Soziologin, die Mitglied im Vorstand der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) ist, berichtete auf dem IMI-Kongress am Wochenende [19./20. November 2016] über die Situation in der früheren Sowjetrepublik Moldawien, wo ebenfalls unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen.«
"Die Informationsstelle Militarisierung e.V. (IMI) wurde 1996 von mehreren Personen aus dem linksalternativen Spektrum der Neuen sozialen Bewegungen, insbesondere der Friedensbewegung. Ziel ist es mit eigenen Analysen und Informationen einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Die IMI versteht sich als Mittlerin zwischen der Sozialen- und Friedensbewegung und der wissenschaftlichen Bearbeitung von Konflikten und Konfliktkonstellationen. Die IMI will Information für alle Akteure der Gesellschaft bereitstellen sowohl für die politische als auch für die pädagogische Arbeit." [wikipedia]

»Seit den 1990er Jahren bestehe ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Moldawien, erläuterte die Referentin vor über 100 Interessierten. Das Land sei allerdings seit einem Bürgerkrieg in der ersten Hälfte der 1990er Jahre gespalten:
Quelle
Der westliche Teil hat enge historische Beziehungen zu Rumänien und ist eher EU-orientiert, das östliche Transnistrien ist de facto eine unabhängige Region und befindet sich unter russischem Einfluss – politisch wie militärisch.

Die EU brauche die Republik Moldau, wie das Land offiziell genannt wird, „zur vorgelagerten Grenzsicherung“. Im Zuge einer gemeinsamen Grenzschutzmission würden „gigantische Grenzanlagen“ gebaut.

Dem Land komme die Aufgabe eines „Türstehers“ zu, der die EU-Außengrenze sichern soll. Seit 2014 gibt es ein Assoziierungsabkommen der EU mit Moldawien. Das Abkommen diene dazu, eine „neoliberale“ Wirtschaftsordnung durchzusetzen und die Integration Moldawiens in die EU und in die Nato vorzubereiten. [...] Das Land ist mithin „Teil der EU-Militärmacht, ohne Teil der EU zu sein“, sagte Haydt. So seien moldawischeSoldaten an der Trainingsmission der EU für die Truppen Malis beteiligt.«

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Anfang des 20. Jahrhunderts war Zentralasien noch in der Hand Englands und Frankreichs, doch die Zeit von "Britannia rules the world" neigte sich dem Ende entgegen.

Quelle: Peter Frankopan, Licht aus dem Osten, 1. Auflage Oktober 2016, Sete 424

Russland versuchte sich nach Süden auszudehen, und England sorgte sich deshalb, dass Russland via Persien und Afghanistan Englands Herrschaft über Indien bedrohen könnte. Das tat Russland dann auch ebenso wie anschließend die Sowjetunion:
Nach der Revolution in Russland drängte es auch die Bolschewiki - wie zuvor schon die Zaren - gen Indien, um die Vorherrschaft der Briten zu brechen.

Trotzki 1919:
"Der Weg nach Indien könnte sich für uns zum jetzigen Zeitpunkt durchaus als leichter bewältigbar und sogar kürzer als der Weg zu einem sowjetischen Ungarn erweisen."- "Der Weg nach Paris und London" führe "über die Städte Afghanistans, des Punjab und Bengalens."

Delegierte der «werktätigen Massen aller Orientvölker Indiens, Persiens, der Türkei und Armeniens» sowie jener aus Mesopotanien, Syrien, Arabien und darüber hinaus wurden 1920 zu einer Konferenz in Baku eingeladen, wo einer der Hauptdemagogen der Bolschewiki, Grigori Sinowjew, kein Blatt vor den Mund nahm.
«Wir stehen gegenwärtig vor der Aufgabe, einen wahren heiligen Krieg gegen die englischen und französischen Kapitalisten zu entfachen», einen Krieg gegen den Westen, sagte er den Zuhörern. Die Zeit sei gekommen, «die werktätigen Massen des Ostens zum Hass, zu dem Willen [zu] erziehen, gegen die Reichen überhaupt, gleichgültig, ob Russen, Juden, Deutsche, Franzosen, zu kämpfen». Er schloss mit dem Aufruf: «Brüder, wir rufen euch zum heiligen Kampfe auf, in erster Linie gegen den englischen Imperialismus!»

Die Botschaft fiel auf fruchtbaren Boden. Abgesehen von den jubelnden Delegierten gab es auch einige, die in Aktion traten. - Intellektuelle wie Muhammad Barakatullah, der über die Verschmelzung des «Bolschewismus und der islamischen Nationen» schrieb. Sie drängten darauf, den Sozialismus im gesamten muslimischen Asien zu verbreiten. [Quelle: Peter Frankopan, a.a.O. Seite 490f] ___________________________________
 
In diesem Kontext sind auch die folgenden Bilder entstanden:


Dieses Poster aus Usbekistan wurde in den 1920er Jahren in Taschkent veröffentlicht. Der Text: "Frauen! Beteilgt euch an an den Wahlen zu den Sowjets!"
Im Hintergrund sieht man links eine total verschleierte Frau. Die Frau im Vordergrund weist die Richtung. Von links nach rechts wird der Schleier immer durchsichtiger, das Gesicht der verschleierten Frau immer sichtbarer.


In Moskau wurde 1921 diese Bild des Künstlers Nikolai Kochergin publiziert: Militante sowjetische Frauen auf der linken Seite vereinigen sich mit ihren muslimischen Schwestern im Sonnenlicht. [Quelle: David King, Red Star Over Russia, Tate Publishing, 2008]


Freitag, November 11, 2016

Donald Trump: "I alone can fix it". - Empöre und verwundere dich nicht!

Die Empörung ist groß (und falsch).
  • Ja, Hillary Clinton hatte 200.000 Stimmen mehr als Donald Trump. - Wenn das Wahlsystem anders wäre, ... .
  • Ja, wenn nur die unter 40-Jährigen gewählt hätten oder gar nur die unter 29-Jährigen oder nur die Afro-AmerikanerInnen oder nur die mit lateinamrikanischer Abstammung ...
    • Ja, wenn die Medien nicht nah dem Motto Viel Krawall bringt eine hohe Einschaltquote gehandelt hätte, ... . 
Dann wäre Hillary Clinton, die "Falkin", jetzt vielleicht Präsidentin der USA. -
Es gab allerdings auch viele Menschen, die sagten: Die Wahl zwischen Clinton und Trump ist die wie zwischen Pest  und Cholera. - Was haben wir nun? Die Pest oder die Cholera? Man wird sehen.


Viele Menschen freuen sich aber auch über die Wahl Trumps (manche vielleicht mit etwas Sorge und Bedenken dabei).

Es freuen sich:
  • Der russische Präsident Putin, (weil Trump anerkennen will, dass die Krim zum russischen Staatsgebiet gehöre).
  • Die deutsche Zement-Industrie (HeidelbergCement mit Chef Scheifele) ist positiv gestimmt: Der Zement für den Bau der fast 2000 km langen Mauer zwischen den USA und Mexiko "aus schönem Beton" (Trump) würde etwa eine Milliarde Euro kosten. "Mexiko wird zu 100 Prozent für die Mauer bezahlen", so Trump im Covention-Center in Phoenix/Arizona.
  • Die Volksrepublik China freut sich. „China freut sich auf die Zusammenarbeit mit der künftigen US-Regierung und setzt auf neue bilaterale Beziehungen, von denen beide Länder und die ganze Welt profitieren werden“. heißt es in einer kurzen Erklärung aus dem chinesischen Außenministerium.
  • Die deutsche Verteidigungs-Ministerin und die Europäische Rüstungsindustrie freuen sich: Endlich werden sie wohl mehr aufrüsten dürfen.
  • TTIP Gegner freuen sich (eingeschränkt).
  • Die Mehrheit der weißen Männer in den USA freut sich, weil die "White Supremacy" erst einmal wieder gerettet scheint.
  • Die Mehrheit der weißen Frauen schließt sich der Männer-Freude an, auch 52% der weißen Frauen stimmten ja für Trump.
  • Der ungarische Präsident Orban freut sich, weil er einen Seelen-Verwandten gefunden zu haben glaubt. 
  • Die AfD freut sich. "Dieses Wahlergebnis macht Mut für Deutschland und Europa, denn Trump hat tatsächlich die Karten zur politischen Zeitenwende in der Hand." (Frauke Petry)
  • Fundamentalistische und evangelikale protestantische ChristInnen freuen sich. 
  • KatholikInnen freuen sich (Trump hat die Verschärfung der Abteibungsgesetze versprochen).
  • Rechtspopulisten in ganz Europa freuen sich: "Die politische Linke und das abgehobene sowie verfilzte Establishment wird Zug um Zug vom Wähler abgestraft und aus diversen Entscheidungsfunktionen heraus gewählt." (Heinz-Christian Strache, Vorsitzender FPÖ aus Österreich) 
  • Sehr viele AmerikanerInnen werden sich freuen, denn: "Wir werden uns um unsere sozialen Brennpunkte kümmern und unsere Straßen, Brücken, Tunnel, Flughäfen, Schulen und Krankenhäuser wiederaufbauen. Wir werden unsere Infrastruktur, die übrigens allen überlegen sein wird, wiederaufbauen. Und wir werden bei diesem Wiederaufbau Arbeitsplätze für Millionen von Menschen schaffen.." (Trump direkt nach der Wahl) -
  • ...
  • Wer noch?
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Empöre und wundere dich nicht.

Der beste Kommentar zur Wahl, den ich bisher gelesen habe, stammt von der 30-jährigen Amerikanerin Deborah Feldmann, die heute in Berlin lebt.
"Nichts empört mich so sehr wie die Empörung selbst. 
Ich sehe das Entsetzen in den Gesichtern verblüffter Politiker, in ihrer Selbstzufriedenheit gestörte Journalisten, bestürzte Eliten und mürrische Pseudoliberale. Sie können nicht glauben, dass das System, das für sie bisher funktioniert hat, sich ändern könnte. 
Denn sie verstehen nicht, dass die Welt für viele Menschen anders aussieht als für sie. 

  • Haben sie wirklich erwartet, dass Leute, die ein halbes Jahrhundert die Kosten eines globalen Neoliberalismus getragen haben, der sich als Sozialdemokratie tarnt und das Banner der Menschenrechte hochhält, um Ausbeutung, Korruption und Gier zu verbergen, sich nicht wehren würden? 
  • Können gebildete Menschen tatsächlich von der vollkommenen Absage an ein System überrascht sein, das vor allem ihnen selbst Vorteile verschafft? 

Wenn die Verwunderung der Politiker, Experten und Pressesprecher echt ist, dann ist die Entfremdung von denen, die sie repräsentieren sollen, wirklich beängstigend: Es zeigt ihre absolute Ignoranz gegenüber Menschen, mit der sie ihre Welt teilen müssen. Diese Menschen, die wir als hässliche Karikaturen der Dummheit und Wut darstellen, können nicht so einfach zurückgewiesen werden, wie wir es gerne hätten. Sie haben eine Stimme – und Demokratie bedeutet, dass die genauso wertvoll und wichtig ist wie unsere. [...] 
Lasst uns unsere Empörung und unsere Entrüstung beiseiteschieben und lernen, Menschlichkeit auch in den Menschen zu sehen, die anders denken, aussehen und handeln als wir. Und das unabhängig von ihren politischen Überzeugungen. Ich möchte nicht von der biblischen Verpflichtung sprechen, diese Menschen lieben zu müssen, sondern davon, dass wir sie akzeptieren müssen, weil wir ein gemeinsames Schicksal teilen."
[Der ganze Text]
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Siehe auch:
Lies auch:
Zum Buch
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Mittwoch, November 02, 2016

"Gegen den Hass" - Leichter geschrieben als getan.

Zum Buch
»In ihrer repräsentativen Umfrage „Deutsche Zustände“ stellten die Soziologen um den Bielefelder Forscher Wilhelm Heitmeyer eine „Vereisung des sozialen Klimas“ fest. Sie sprechen von einem „verrohenden Bürgertum“. Vor allem bei den knapp 20 Prozent Wohlhabenden oder Reichen diagnostizieren sie eine erschreckend zunehmende Islamfeindlichkeit.
Die „taz“ titelt dazu: „In der Mitte der Gesellschaft wächst der Hass.“«
[Quelle; Dezember 2010!)

Kanzlerin Merkel hat das ganz treffend formuliert:
"All das was ich Ihnen hier sage, wird niemanden überzeugen,
der immer nur, und das auch noch ausdauernd, „Merkel weg“ schreit. Das ist mir klar. Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sie folgen allein den Gefühlen.
Und das Gefühl einiger geht so: Ich triebe unser Land in die Überfremdung, Deutschland sei bald nicht mehr wiederzuerkennen,
und nun wäre es unlogisch, dies mit Fakten zu kontern, auch wenn ich – dafür kennen Sie mich ausreichend – sofort in der Lage wäre, das herunterbeten zu können.
Ich will dem also meinerseits mit einem Gefühl begegnen: Ich habe das absolut sichere Gefühl, dass wir aus dieser zugegeben komplizierten Phase, besser herauskommen werden, als wir in diese Phase hineingegangen sind."  [Quelle; Angela Merkel, September 2016]
Gefühl gegen Gefühl. - Auch keine Lösung. - Und nun? Wie weiter?
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Postfaktische Kommunikation. Ein Beispiel.

 Jüngst bekam ich eine Mail von einer gut situierten Kollegin aus der Mittelschicht:

[Quelle; Dezember 2010!)
"Habe aber neulich gelesen , dass ein Syrer mit 4 Frauen und 23 Kindern hier Asyl bekommt und monatlich mehr als 30000 €!"


Diese Geschichte war wohl irgendwie an mir vorbei gegangen.
Ich wollte es aber nun (möglichst) wissen, wie das in diesem Fall ist mit den Fakten und habe recherchiert in "linken" und "rechten" Medien und in "neutralen" ... .

Heraus kamen dabei Fakten und Gefühle.

  • 4! Frauen: Das gehört sich nicht. Unanständig. Unmoralisch. Sexuell überaktive Araber! - Wie die auf der Kölner Domplatte an Silvester 2015. - Ich muss meine Töchter davor schützen. - Angst? Berechtigte Angst? Erzeugte Angst? Sexual-Neid?
  • 23! Kinder: Das sind fast 6 Kinder pro Frau. - Wer soll das bezahlen? Wir geben uns mit 1,4 Kindern und 1 Frau zufrieden - Die kassieren unser Kindergeld. Von unseren Steuergeldern.- Wir kommen zu kurz - die bekommen alles in den After geschoben. - Neid? Sozial-Neid? Berechtigte und begründete Kritik? Asoziale syrische Männer, die es sich in Deutschland auf unsere Kost gut gehen lassen? Oder asoziale deutsche Mittelschicht, die ausgebombte Flüchtlinge nicht vor ihrem freistehenden Einfamilienhaus oder ihrem sauer ersparten Reihenendhaus sehen möchten?
  • Asyl? - Oder nur Asylbetrug? Berechtigtes Misstrauen oder übertriebenes Misstrauen? 

Die vorläufige Faktenlage:
  • Ja, diese Familie gibt es.
  • Sie kamen (getrennt) 2015 nach Deutschland.
  • Nach Angaben der Stadt Montabaur reisten die Frauen mit den Kindern jeweils unabhängig von einander nach Deutschland.
  • Ja, die Familie habe aufgrund ihrer eigenen konservativen Strukturen anfangs große Probleme bei der Betreuung hervorgerufen.
  • Eine weitere Großfamilie mit vier Ehefrauen und mehr als 20 Kindern sei dem Amt zumindest im Westerwaldkreis nicht bekannt.
  • Eine Zusammenführung der Großfamilie fand nicht statt und sei auch nicht geplant.
  • Die Mehrfachehe des Mannes wird nicht anerkannt.
  • Der Mann musste sich entscheiden, mit welcher seiner Frauen er eine Bedarfsgemeinschaft bilden möchte, was innerfamiliäre Konflikte auslöste.
  • Mit dieser Frau und ihren Kindern lebt er in Montabaur als Bedarfsgemeinschaft.
  • Eine andere der Frauen lebt mit Kindern in der Nachbargemeinde, zwei Frauen mit Kindern leben im Bereich Koblenz. 
  • Diese gehören NICHT zu der Bedarfsgemeinschaft (Was für die Berechnung des Unterhalts von Bedeutung ist).
  • Die Zahl 30.000 ist rein fiktiv. Sie wurde von „HubertKönigsstein, Diplom-Finanzwirt beim Deutschen Arbeitgeberverband“ ins Spiel gebracht, der sie am grünen Tisch - korrekt - errechnet hat-Aber unter der Maßgabe, dass alle 4 Ehen als Ehen nach deutschem Recht und alle 28 Personen als "Bedarfsgemeinschaft" anerkannt würden.
  • Dieser "Deutsche Arbeitgeberverband Markt & Freiheit e.V." hat mit dem "richtigen" Deutschen Arbeitgeber-Verband nichts zu tun, möchte aber offensichtlich den Anschein erwecken, er habe es. Der "richtige" heißt „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).  
  • »Während [dieser] Deutsche Arbeitgeber Verband auf seiner Homepage die Reizthemen unserer Zeit ausgiebig erörtert, geizt er mit Angaben über seine Mitglieder. … Mitglied in der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ist der Wiesbadener Verein nicht. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass hinter dem Verband nur eine Handvoll Leute stehen, die mit Hilfe eines Internet-Auftritts politisch Mimikry betreiben. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Verband bislang kaum präsent. Das zeigen nicht zuletzt die bescheidenen Zugriffszahlen seines Internetportals.« [Zitat-Quelle] 

Wie ahnte Kanzlerin Merkel schon im September 2015:
 »All das was ich Ihnen hier sage, wird niemanden überzeugen,
der immer nur, und das auch noch ausdauernd, „Merkel weg“ schreit. Das ist mir klar. Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sie folgen allein den Gefühlen.«

Auch der Kollegin waren die Fakten egal,  die ich mühsam - ich hatte die Illusion: Auch für sie - herausgefunden hatte. Warum? Egal ob 5000 oder 50000 - WIR müssen für die Ausländer zahlen. Und das ist das Gefühl, das gegen Fakten resistent ist.

Was die gelernte Physikerin sagt, weiß die Biologie schon lange: 


Fakten und Gefühle werden in ganz getrennen Teilen des Gehirns verarbeitet.
  • Die Fakten hinter der Stirn im Frontalhirn, 
  • die Gefühle ganz im der Tiefe des Gehirns, im limbischen System und im Stammhirn, von manchen scherzhaft auch "Amphibienhirn" genannt, weil es auch die Krokodile schon besaßen. - In diesen Teilen befinden sich die Funktionen und Gefühle, die man für das Lesen und Diskutiren nicht benötigt, sehr wohl aber für das Überleben:
    Hunger, Durst, Sex, Reflexe, Auf-der-Hut-Sein vor dem Feind ... .
    Das ist auch gut so, ohne diese Teile wäre alles Leben nicht, aber es ist nicht alles.
Eine Verbindung zwischen beiden wird oft erst durch starke persönliche und existenzielle Er-Fahrungen, Er-Lebnisse, Er-Schütterungen hergestellt, z.B. wenn ich meinen Arbeitsplatz für bombensicher hielt und dann plötzlich auf die Straße gesetzt werde.  - Oder wenn eine gut situierte Person (Reihenendhaus auf Kredit) in einem für sicher gehaltenen Land selber ausgebombt wird, ins Ungewisse fliehen muss, selber die Erfahrung macht, auf die Hilfe anderer und völlig fremder Menschen angewiesen zu sein. - Dann kann es plötzlich "Klick" machen... . -

Bis dahin sind Worte nichts als Worte und Bücher nichts als bedrucktes Papier.

Quelle