Samstag, Juli 07, 2018

(Nicht) alle Menschen werden Brüder. Die Politiker müssen sich schützen, dass sie die Wahlen gewinnen. Horst Seehofers letzte Patrone

Alle Menschen werden Brüder ist eine deutsche Literaturverfilmung aus dem Jahre 1973 des gleichnamigen Romans von Johannes Mario Simmel aus dem Jahr 1967.

1972: Der Europarat in Straßburg entscheidet sich im Januar für eine Europahymne. Die Wahl fällt auf die Musik zur Ode "An die Freude" aus dem Schlußsatz der Neunten Symphonie von Beethoven.
1986: Die Europäische Gemeinschaft führt am 21. April 1986 gemeinsame Symbole ein. Die blaue Fahne mit dem goldenen Sternenkranz und die Beethoven-Hymne setzen sich in kürzester Zeit als Erkennungsmerkmale der Europäschen Gemeinschaft durch.

Zu zahlreichen europäischen Anlässen erklingt die Musik zur Ode "An die Freude" aus dem vierten Satz der Neunten Symphonie von Beethoven. Die Europahymne ist symbolisch für das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Europäer zu verstehen.
Die Ode "An die Freude" verknüpft das Freudenthema "Freude, schöner Götterfunken" mit dem Solidaritätsgedanken "Alle Menschen werden Brüder". Die Europahymne ist ein Aufruf an die Menschen, sich im Zeichen der Freude zu vereinen, Grenzen zu überwinden und sich gegenseitig zu unterstützen. In Zeiten wachsender Fremdenfeindlichkeit ist die Europahymne aber auch ein Aufruf zu Versöhnung und Völkerverständigung.

Die Europahymne selbst gibt es allerdings nur in der Instrumentalversion - das heißt, sie hat keinen Text.
[Quelle] 
Ode an die Freude
  
Freude, schöner Götterfunken, 
Tochter aus Elysium, 
Wir betreten feuertrunken, 
Himmlische, dein Heiligtum. 
Deine Zauber binden wieder, 
Was die Mode streng geteilt, 
Alle Menschen werden Brüder, 
Wo dein sanfter Flügel weilt. 
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Quelle

"Bis zur letzten Patrone" wolle man sich dagegen wehren, "eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme zu bekommen", kündigte Horst Seehofer beim politischen Aschermittwoch der CSU im Jahre 2011 an. Dafür wurde der CSU-Vorsitzende von verschiedenen Stellen angezeigt.
„Nach meiner Auffassung hat er die rote Linie überschritten, die ein Demokrat nicht überschreiten darf“, schrieb Ulrich Kasparick, früherer Parlamentarischer Staatssekretär im Bildungs- und dann im Verkehrsministerium, auf seinem Blog. Pikanterweise stamme der Durchhaltebefehl, Berlin „bis zur letzten Patrone“ zu verteidigen, ebenfalls von einem 9. März – 1945. Jetzt werde mit den gleichen Worten ein Bevölkerungsteil herabgesetzt. „Ich habe Herrn Seehofer deshalb gestern wegen Volksverhetzung nach § 130 Strafgesetzbuch bei der Staatsanwaltschaft angezeigt“, schreibt Kasparick am 10. März 2011.[Quelle]
In  der Tragödie des Sommertheaters Juni/Juli 2018 hat es Horst Seehofer, mittlerweile als Innenminister der Bundesrepublik Deutschland und noch Vorsitzender der Bayerischen Christlich-Sozialen-Union, ein Stück weit geschafft, sein Ziel umzusetzen - brüderlich vereint mit dem österreichischen Kanzler Sebastian Kurz, dem ungarischen Ministerpräsidenten Victor Orbán, dem neuen (seit 1. Juni 2018) italienischen Innenminister Matteo Salvini und anderen.
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Die Zahl der Flüchtlinge wird dadurch zwar nicht sinken. Aber sie bleiben – im Wortsinne – auf der Strecke.
Wenn es „gut“ läuft für die ruhebedürftige Bundesrepublik,
 
  • versanden sie irgendwo weit weg in der Sahara. 
Und wenn es schlecht läuft? 
  • Dann ertrinken sie wieder zu Tausenden im Mittelmeer.  
  • Oder ersticken in einem luftdichten Lkw auf der Autobahn. 
Genau solche Bilder führten 2015 zu einer radikal humanen Flüchtlingspolitik. (Gereon Asmuth)

Keine Bilder gibt es bisher von den hunderten von Flüchtenden, die bei der versuchten Flucht an der Grenze von Syrien in die Türkei von türkischen Soldaten erschossen wurden - im Auftrag der deutschen Regierung. So berichtete es mir ein syrischer Professor, der selber zahlreiche Verwandte, Bekannte und Kollegen durch die syrische Assad-Regierung verloren hat: Durch Bomben, Giftgas, Folter ... .

Bild: taz vom 3.Juli 2018
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Von Brüderlichkeit

Die anderen Retter
Vor einigen Tagen hat ein 49-jähriger
Flüchtling aus Syrien in Meschede ein
dreijähriges Kind vor dem Ertrinken
gerettet.
Im November 2017 hat in Swisttal
ein Flüchtling aus dem Irak eine vierköpfige
Familie aus einem brennendem Haus
geholt.
Ebenfalls im November 2017 hat
ein Flüchtling aus Syrien in Hildesheim
eine Frau gerettet, die von ihrem Ex-
Partner angegriffen und niedergestochen
wurde.
Im Mai 2016 hat ein Flüchtling aus
dem Irak in Bonn einen 16-Jährigen vor
dem Ertrinken bewahrt.
Im März 2016 hat ein Flüchtling aus dem Irak in Osnabrück
nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs
das Leben des Piloten und seines Co-Piloten
gerettet.
Man könnte [...] sagen: Diese
neun Menschen wären jetzt tot, wenn
es Merkels Politik der offenen Grenzen
nicht gegeben hätte. Ich fände es einfach
nur schön, wenn die Heldentaten dieser
Flüchtlinge nicht nur kurze Meldungen
auf der vorletzten Seite wären, sondern
mindestens so viel Beachtung fänden wie
die Verbrechen, für die im Einzelfall auch
Flüchtlinge verantwortlich waren.
(Leserbrief in der taz vom 4. Juli 2018)
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Die Allee der Gerechten unter den Völkern

Auf dem Gelände von Yad Vashem in Israel wurden Bäume gepflanzt, um Menschen zu ehren, die sich den Prinzipien der Menschlichkeit verpflichtet fühlten und ihr Leben aufs Spiel setzten, um während des Holocaust Juden zu retten. Neben jedem Baum befindet sich eine Gedenktafel, die Namen und Herkunftsland der Geehrten angeben
Meine persönliche Prognose/Hoffnung ist, dass es irgendwann und irgendwo in der Welt, vielleicht in Afrika, in Niger zum Beispiel, vielleicht in Syrien eine zweite Allee der Gerechten unter den Völkern für das 21. Jahrhundert geben wird.
Meine weitere Prognose ist,

Auf die Frage:
"Woher kommt denn der Gedanke unserer Politiker, dass man uns schützen müsse?"
hatte Bäcker Georg M. aus der Grenzstadt Passau nach kurzem Zögern geantwortet:
  • “Die Politiker und ---- Ich glaube, dass kommt, die Politiker müssen sich schützen, dass sie die Wahlen gewinnen.” _________________________________________________

Siehe/Höre auch:
 

Freitag, Juli 06, 2018

Der Eiserne Kanzler, die Eiserne Kanzlerin - Bismarck, Merkel Jogi Löw und "das nervöse Zeitalter"

Quelle
1890:

Die Uraufführung von Hauptmanns Vor Sonnenaufgang am 20. Oktober 1889 und das Erscheinen von Stefan Georges (1868-1933) Hymnen ein Jahr später (1890) lassen sich literaturgeschichtlich zwar als Einschnitt begreifen.
Die wirkliche Zäsur der Epoche aber lag dazwischen: Bismarcks Entlassung im März 1890.
Nach einem kurzen Schock, der freilich im Ausland stärker empfunden wurde als im Reich — »Der Lotse geht von Bord« lautete der Titel der berühmten Karikatur des Punch —, machte sich Aufbruchstimmung breit, die schnell alle gesellschaftlichen Bereiche erfasste. Die Hoffnung weiter Bevölkerungskreise auf einen Umschwung nährte sich aus dem Zauberwort vom »Neuen Kurs«, den Wilhelm II. bald nach seinem Regierungsantritt auf sämtlichen Gebieten von der Sozialpolitik bis zur Bündnispolitik verkündete. Sein selbstbewusstes Auftreten, so empfand es die Mehrheit der Zeitgenossen, entsprach der gewachsenen Bedeutung des Reiches, das binnen weniger Jahre zur führenden Industriemacht in Europa aufgestiegen war.

Die besondere Dynamik, die von dem »persönlichen Regiment« Wilhelms II. ausging, verdankte sich einem ähnlichen Generationensprung

wie dem, der auch in der Literatur zu verzeichnen war. So wie zwischen Geibel und den um 1860 geborenen Jüngstdeutschen eine Zwischengeneration nicht zum Zuge gekommen war, so hatte Wilhelm II. im sogenannten Dreikaiserjahr 1888 nach nur 99 Tagen seinen Vater beerbt und war mit 29 Jahren zum Nachfolger seines noch im 18. Jahrhundert geborenen Großvaters aufgestiegen. Der Modernisierungsschub reichte durch alle Schichten und führte zu einer unerhörten Beschleunigung gesellschaftlicher Prozesse. Jeder wollte bei der in Aussicht gestellten Neuverteilung dabei sein, niemand wollte den Anschluss verpassen.

»Man hat den Eindruck, als säße man in einem Eisenbahnzuge von großer Geschwindigkeit,
wäre aber im Zweifel, ob auch die nächste Weiche richtig gestellt werden würde«, schrieb Max Weber am Jahresende 1889. Zehn Jahre später bilanzierte Georg Simmel: »Durch die moderne Zeit, insbesondere, wie es scheint, durch die neueste, geht ein Gefühl von Spannung, Erwartung, ungelöstem Drängen — als sollte die Hauptsache erst kommen.«"
Die Deutschen wurden reizbar und nervös, Neurasthenie avancierte zur Modekrankheit. Die wilhelminische Ära, das »nervöse Zeitalter« hatte begonnen."
 »Das letzte Jahrzehnt des Jahrhunderts treten wir an im Zeichen der jungen Generation, die, mit ihrem jungen Kaiser unerwartet früh ans Ruder gekommen, mit vollen Segeln in das wild bewegte Zeitenmeer hinaustreibt«, schrieb eine scharfsichtige Beobachterin zum Jahreswechsel 1890/91 in ihr Tagebuch und fügte die bange Frage hinzu: »Wohin?«"
Ein halbes Jahrhundert später war klar, dass der politische und der künstlerisch-geistige Aufbruch eine gegenläufige Entwicklung genommen hatten. 

Quelle:  Thomas Karlauf , 3. Auflage 2007, Seite 96/97


Spiegel-Titelblatt vom 20. September 1982,
auf dem Helmut Schmidt
als scheidender „Lotse“ abgebildet ist,

Dropping the Pilot John Tenniel, 1890,
Quelle



















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  • "Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie wiederholt ihre Lehren." (Zitat von Richard von Weizsäcker. In der Offizierschule des Heeres, Hannover, 28.6.1990)
  • Aber man muss sehr vorsichtig sein. Geschichte wiederholt sich nicht. Die Konstellationen sind immer andere. Wir steigen nicht zweimal in denselben Fluss. (Der Freiburger Historiker Jörn Leonhard über Sinn und Unsinn historischer Vergleiche. (Wirtschaftswoche 01. August 2014) 
  • Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. (Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, Band 8, "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte", S. 115-123, Dietz Verlag, Berlin/DDR 1972)
  • „Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.”/ Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt/verurteilt, sie zu wiederholen.“ (George Santayana,  1863-1952, The Life of Reason“, Kapitel 12 "Flux and Constancy in Human Nature", im Abschnitt „Continuity necessary to progress“.

Quelle
Fazit: ?