Freitag, März 15, 2013

Der Papst aus der U-Bahn. Fahrziel: Lateinamerika?




Konservativ soll er sein, der neue Papst Franziskus von Argentinien.
Zumindest was die Theologie und die Moral betrifft. Das hat er mit seinen beiden Vorgängern gemein.

Im Juli 2010 las man in der Zeitung:
Im Vorfeld der Abstimmung des argentinischen Senats über die Einführung der Homo-Ehe sind in Buenos Aires zehntausende Menschen einem Protestaufruf der katholischen Kirche gegen das Vorhaben gefolgt. Katholische Schulen hatten zu reger Beteiligung an der Kundgebung aufgerufen.  In Argentinien sind rund 90 Prozent der Einwohner katholisch.
Der Erzbischof der argentinischen Hauptstadt, Jorge Bergoglio, erklärte in einer Botschaft, die vor der Menge verlesen wurde, eine Ehe zwischen Mann und Frau sei "der einzige natürliche Weg der Nachwuchszeugung". Eine Zustimmung des Senats zur Homo-Ehe, der am Mittwoch darüber abstimmen sollte, würde einen "großen Rückschritt" bedeuten, warnte Bergoglio.
"Es ist nicht einfach ein politischer Kampf, es ist das destruktive Streben gegen den Plan Gottes", so der damalige Erzbischof. Und weiter: "Darin steckt der Neid des Teufels, der das Bild Gottes zerstören will."  Staatschefin Cristina Kirchner hatte kritisiert, die Argumente der Kirche gegen gleichberechtigte Homo-Ehen führten zurück in die "Inquisition".
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Es sind schon konservative Bischöfe - belehrt  und bekehrt durch die Situation in ihrem Land - zu sehr progressiven Erzbischöfen geworden
so z.B. Oscar Arnulfo Romero aus El Salvador (1917-1980):


Oscar Romero. - Wandgemälde an der Uni in El Salvador:
"DAS VOLK hat IHN heilig gesprochen".

1977 wurde Oscar Romero als Wunschkandidat der Konservativen und der herrschenden Familien des Landes zum Erzbischof von San Salvador gekürt. - Im Laufe der Zeit politisierte sich Romero immer stärker zugunsten der armen Bauern im Lande und gegen die herrschende Oligarchie von Großgrundbesitzern und Militär. In der direkten Folge davon wurde Romero  am 24. März 1980 während einer Predigt vor dem Altar von einem Scharfschützen erschossen.


Bei seinen Mördern wurden Unterlagen und ein Notizbuch gefunden, in denen Todeslisten und Preislisten für Morde aufgelistet waren: Für den Mord an einem Bauern erhielten Todesschützen der Todesschwadronen 5.000 Colón, für den an einem Professor oder Intellektuellen 10.000 Colón und für den an einem Priester 25.000 Colón.


Die Todesschwadronen sollten durch die Ausschaltung der geistigen Elite und fähiger Führungspersönlichkeiten des Widerstandes eine mögliche Revolution verhindern. Diese Taktik wurde unter anderem auch von US-Militärberatern vorgeschlagen und im Bürgerkrieg eingeplant. So wurden u. a. von Hubschraubern aus Zettel über San Salvador abgeworfen mit dem Slogan „Sei ein Patriot – Töte einen Priester“.
Romero:

„Kein Soldat ist gezwungen, einem Befehl zu folgen, der gegen das Gesetz Gottes verstößt. Einem amoralischen Gesetz ist niemand unterworfen. Es ist an der Zeit, dass ihr euer Gewissen wiederentdeckt und es höher haltet als die Befehle der Sünde. Die Kirche, Verteidigerin der göttlichen Rechte und Gottes Gerechtigkeit, der Würde des Menschen und der Person, kann angesichts dieser großen Gräuel nicht schweigen. Wir fordern die Regierung auf, die Nutzlosigkeit von Reformen anzuerkennen, die aus dem Blut des Volkes entstehen. Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Klagen jeden Tag lauter zum Himmel steigen, ersuche ich euch, bitte ich euch, befehle ich euch im Namen Gottes: Hört auf mit der Repression!“

Óscar Romero: Letzte Predigt am 23. März 1980, Kathedrale von San Salvador.  
Quelle: wikipedia:
Originalrede bei Youtube (Ausschnitt)
Siehe auch: CI Romero 

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Ein bescheidener Mann soll er sein, der neue Papst Franz von Argentinien,  und ein Mann der Armen. Vielleicht so wie Oscar Romero?

Geprägt worden sei Papst Franziskus von Lucio Gera (1924-2012), der als einer der Väter der Befreiungstheologie gilt.  Als Prof. Gera im vergangenen Jahr starb, sorgte Bergoglio als Erzbischof dafür, dass Gera in der Kathedrale von Buenos Aires beigesetzt wurde - was eigentlich nur Bischöfen zusteht. - 

Was man sicher auch in der "Bunten" lesen kann und gerne hört: Nach der Wahl habe der neue Papst zum Zeremonienmeister gesagt, das rote Papst-Jäckchen (Mozetta) und das samtene rote Mützchen (Camouro) könne er sich selber anziehen. Der neue Papst setzte sich nicht auf den Papstthron, sondern blieb daneben stehen,

Papst emeritus mit Camauro und Mozetta.
Bildquelle: wikipedia
als Erzbischof lebte er in Argentinien in einer 2-Zimmer-Wohnung und er sei gerne per Bus oder Fahrrad zur Arbeit gefahren. Oder mit der U-Bahn. Das macht ihn sympathisch.

Was für Guttenberg der Kampf-Anzug war
ist für Bergoglio die U-Bahn?

"Er ist sehr bedacht darauf, dass alle Welt weiß, 
dass er U-Bahn und Bus fährt, dass er alte Schuhe trägt 
und gebrauchte Kleider, dass er den kirchlichen Pomp ablehnt. 
Er ist ein großer Schauspieler." (Horacio Verbitsky) 

Als Erzbischof sei Papst Franziskus seit März 2008 Mitglied im Fußball-Verein San Lorenzo in Almagro, einem Stadtteil von Buenos Aires. Ob er auch mitspielte und in welcher Position, wurde nicht mit überliefert. Und wenn er in Rom ein bisschen um den Vatikan herum spazieren gegangen ist - (er spricht fließend italienisch und hat die argentinische und die italienische Staatsangehörigkeit - und nun wohl auch die vatikanische, den Triple-Pass?) - also, wenn er dort spazieren ging, dann habe man ihn eher für einen einfachen Pfarrer vom Lande gehalten als für einen Monsignore. -

Als Papst hat er nun die Wahl, in die Fußstapfen seines ultra-konservativen Vorgängers zu treten oder in die Fußstapfen des  Zweiten Vatikanischen Konzils, und die der  2. Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Medellín


Letzterer zufolge versteht sich die
„Kirche als ein Volk Gottes und identifiziert sich mit den Leiden und Hoffnungen des Volkes, insbesondere der Unterdrückten.“ (…) „Aus diesem Grund ist es der Kirche auch bestimmt, sich als subversive Institution gegen eine Sozialordnung zu wenden, die auf Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Unterdrückung gründet.“

Papst Franziskus soll - trotz seines Lehrers Prof. Gera - die Befreiungstheologie immer wieder scharf kritisiert haben - (so wie das auch Papst Benedikt als Kardinal Ratzinger mit Worten und Taten (Lehr-Verbote für Hans Küng, Leonardo Boff u.a.) immer wieder gerne getan hat. 
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Zu der Zeit (1976-1983) gab es in Argentinien ebenso wie in El Salvador eine Diktatur.

Einige berrichten, dass Jorge Bergoglio, heute Papst Franziskus, damals auf der falschen Seite gewesen sein soll. Deshalb titelte "die tageszeitung" aus Berlin auch ziemlich respektlos (- und mit Grammatik-Fehler): Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab (womit sie natürlich Ex-Papst Benedikt und Neu-Papst Franziskus meinte). 

Im Zentrum der Vorwürfe
steht der Fall zweier junger Jesuitenpriester, Francisco Jalics und Orlando Yurio. Beide, nicht zuletzt inspiriert von der in Lateinamerika im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1965 aufkommenden Befreiungstheologie, arbeiteten in einem Armenviertel der Hauptstadt. Am 23. Mai 1976, zwei Monate nach dem Militärputsch, wurde beide von Marineinfanteristen festgenommen und in die berüchtigte „Escuela Mecanica de la Marina“ gebracht. Die Esma war das wohl berüchtigtste Folterzentrum der Militärdiktatur. - Gut fünf Monate später, nach langer Folter, kamen beide wieder frei – aus einem Hubschrauber wurden sie auf einem Feld abgeworfen und überlebten.
Bis hierhin ist die Geschichte unstrittig.
Unklar ist bis heute aber, welche Rolle der jetzige Papst bei der Verhaftung der beiden gespielt hat. Nach eigener Darstellung hat er sie gewarnt und gebeten, ihre Arbeit im Armenviertel zumindest vorübergehend aufzugeben, weil er ahnte, dass sie das in Gefahr bringen würde. - Die beiden hätten sich geweigert. Auch nach ihrer Verhaftung habe sich Bergoglio für sie eingesetzt, unter anderem in mehreren Gesprächen mit den damaligen Junta-Führern Emilio Massera und Jorge Videla.

Orlando Yurio erzählte zeit seines Lebens

– er starb im Jahr 2000 – eine andere Geschichte. Er sei sich völlig sicher, dass es Bergoglio selbst war, der Informationen über die Arbeit der beiden an die Militärs weitergegeben habe, ebenso wie den – potenziell tödlichen – Verdacht, sie steckten mit der linken Guerilla der Montoneros unter einer Decke. Für die Recherchen zu seinen 2005 erschienen Buch „Das Schweigen. Von Paul VI. bis Bergoglio – die geheimen Beziehungen der Kirche zur Esma“ interviewte der Journalist und Menschenrechtler Horacio Verbitsky Yurio 1999. Yurio berichtete von einer Reise nach Rom.

Dort habe ihm ein befreundeter Pater im Vatikan berichtet, „dass die argentinische Regierung unsere Verhaftung damit begründet hatte, dass unsere Kirchenoberen der Regierung berichtet hatten, dass mindestens einer von uns Guerillero sei“. Dies sei Bergoglio gewesen. Der hat das stets bestritten.
Aktive Rolle? 

Andere gehen nicht so weit wie Orlando Yurio.
Sie behaupten nicht, dass Bergoglio eine aktive Rolle bei der Verhaftung der beiden jungen Jesuiten gespielt habe. Sie werfen ihm allerdings vor, ihnen den Schutz verweigert und sie so de facto den Militärs ausgeliefert zu haben. Tatsächlich hatte Bergoglio eine Woche vor dem Militärputsch beide von ihrem Posten abzuziehen versucht. Als sie sich weigerten, hatte er die „Gehorsamsverweigerung“ weitergemeldet.

Die Militärs könnten dies als grünes Licht für die Verhaftung aufgefasst haben.
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Der 1976 von den Militärs entführte Jesuitenpater Francisco Jalics 

(Jg. 1927) hatte in den 1990ern in einem Buch und in einem Telefoninterview erklärt, er habe deutliche Hinweise darauf, dass sein damaliger Vorgesetzter Bergoglio ihn und seinen Mitbruder Orlando Yorio angeschwärzt und ihnen den Schutz der Kirche entzogen hatte.
Am 20.3.2013 sagt er das Gegenteil.

„Dies sind nun die Tatsachen: Orlando Yorio und ich wurden nicht von Pater Bergoglio angezeigt“.
Woher der Erkenntniswandel kommt, sagt er nicht. -
Den unzähligen Journalistenanfragen, die seit der Wahl Jorge Bergoglios zum Papst auf ihn einstürmen, hatte sich Jalics zunächst entzogen. Er sei im Urlaub, wolle darüber nicht mehr sprechen und sei mit Bergoglio im Reinen, ließ er zunächst erklären.

Am am 15. März  schrieb er dann erstmals doch etwas:
„Ich kann keine Stellung zur Rolle von P. Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen“,
hieß es. Das hatte mehr den Verdacht geschürt, der neue Papst habe doch mit der Entführung zu tun gehabt, als ihn zu entkräften. -

"Jetzt hat Jalics ihn kategorisch freigesprochen. Ein großer Dienst für den ersten Papst des Jesuitenordens."



 




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Stand der Dinge ist wohl, dass Bergoglio sich nicht mutig genug für die unter der argentinischen Diktatur (1976-1983) verfolgten Jesuiten eingesetzt hat und dafür auch von anderen Jesuiten deutlich kritisiert wurde und wird. - Man wirft ihm vor, dass er sich bis heute zu den Vorgängen nie öffentlich und offiziell erklärt hat, und mancher Jesuit und Katholik erwartet von ihm ggf. eine Entschuldigung oder ein Schuldbekenntnis dafür, dass er nicht mutiger und klarer gewesen sei...


Der ganze Artikel


Hat der neue Papst ein politisches Ziel?
"Es ist denkbar, dass er sich vorstellt, für die linken Regierungen Lateinamerikas das zu sein, was Wojtyla für Polen war. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es im Vatikan eine Praxis, Päpste zu bestellen – manchmal finanziert vom US-Geheimdienst wie Pius XII. –, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen. Pius XII. sollte verhindern, dass in Italien die Kommunisten die Wahl gewinnen, Johannes Paul II. sollte den kommunistischen Ostblock penetrieren. Das ist alles bestens dokumentiert. Es scheint, als ob es jetzt um Südamerika geht." (Horacio Verbitsky)
 
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Der "richtige" Franziskus, Franziskus von Assisi, (1181? - 1226),
war wie der neue Papst qua Geburt Italiener, hieß mit bürgerlichem Namen Francesco Bernadone, lebte ab dem 25. Lebensjahr auch sehr bescheiden und war nicht von schlechten Eltern, sondern Sohn eines reichen Tuchhändlers in Assisi.

Fresco von Giotto (um 1295) in der Oberkirche von Assisi:
Francesco zieht sich vor Gericht auf dem Marktplatz nackt aus,
übergibt seine Kleider seinem Vater,
der ihn vor Gericht verklagt hatte,
und wird von Bischof Guido II von Assisi notdürftig bedeckt.
Da war Francesco etwa 25 Jahre alt,

Verklagt worden war Francesco von seinem Vater, weil er teure Stoffe aus dem Geschäft seines Vaters aus dem Fenster geworfen hatte bzw. zu Gunsten der Armen verkauft hatte. - Nach dieser Szene auf dem Marktplatz lebte Francesco als Bettler und Wanderprediger, half den armen Bauern auf den Feldern, baute mit eigenen Händen eine verlassene Kapelle wieder auf, redete mit den Tieren und verurteilte allen Besitz. Er pilgerte 1209 mit seinen Freunden Bernardo und Pietro - der Legende nach mit 12 Gefährten - nach Rom, u.a. um Papst Innozenz aufzufordern: „ Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ 

Franziskus vor Papst Innozenz III

Erfolgreich war Franziskus damit nicht.  
Immerhin wurde er nicht als Ketzer verbrannt und seine "Regel" vom Papst anerkannt. 

Auch mit seiner Pilgerfahrt im Jahr 1219 war Franziskus nicht besonders erfolgreich: Im Gefolge eines Kreuzzuges gegen die Moslems reiste Franziskus bis Palästina und schloss sich dort dem Kreuzfahrerheer an, das auf dem Weg nach Ägypten war. In der Nähe von Damiette an der Nil-Mündung predigte er im Lager des muslimischen Heeres vor dem Sultan Al-Kamil. Diese Begebenheit ist auch in außerfranziskanischen Quellen belegt. Bei dieser Begebenheit verfolgte er drei Ziele: Erstens wollte er den Sultan zum Christentum bekehren, zweitens, wenn nötig, als Märtyrer sterben und drittens Frieden schaffen. - Immerhin wurde er auch hier nicht von den Muslimen getötet: Der Sultan schenkte Franziskus ein Signalhorn und war sehr beeindruckt von der Begegnung mit dem Bettelmönch, doch Franziskus konnte die bevorstehende Schlacht nicht verhindern und der Kreuzzug insgesamt wurde fortgeführt.

Franziskus holte sich auf diesem Kreuzzug noch eine unheilbare Augen-Infektion, zog sich in Italien von seinen Gefährten zurück, lebte als Einsiedler in einer Höhle, lief auch im Winter barfuß, fügte sich selber die Wundmale Christi an Händen und Füßen zu und starb auf Grund des vielen Fastens abgemagert und ausgezehrt. Zuvor hatte er sich von seinen Gefährten erbeten, nackt auf den Boden gelegt zu werden. 

Im Testament, das er hinterlassen hat,
bekräftigt Franziskus noch einmal, was der Inhalt seines Lebensentwurfs war: seinen Gehorsam gegenüber der Kirche, dass er aber auch ohne jeden Mittler, allein durch eine unmittelbare Offenbarung Gottes dazu gekommen sei, gemäß dem Evangelium zu leben, und dass sein absoluter Verzicht auf jede Form von Besitz verbindlich sei und von niemandem minimiert werden dürfe.



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Papst Franziskus ist Jesuit - kein Franziskaner.
 

Wenn Papst Franziskus dem Testament des Heilgen Franziskus - dieser wurde schon weniger als 2 Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen - folgen würde, dann gäbe es Einges aus den Fenstern des Vatikans zu werfen:


"Offiziell verfügt der Vatikan über ein Budget von 300 Millionen Euro im Jahr - so viel wie ein mittelständisches Unternehmen. Insgesamt schätzen Experten den Umsatz der katholischen Kirche weltweit auf das Tausendfache: 300 Milliarden Dollar - irgendwo zwischen Toyota und BP. Verlässliche Zahlen sind kaum zu bekommen. Für Deutschland hat der Politologe und Kirchenkritiker Christian Frerk das Vermögen der katholischen Kirche auf 270 Milliarden Euro geschätzt. Die weist das zurück: Gemeinden und Bistümer seien wirtschaftlich selbstständig. Und: Wie taxiert man den Wert des Kölner Doms? An Kirchensteuern nehmen evangelische und katholische Kirche jährlich 4 bis 5 Milliarden Euro ein."
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Aus dem Singspiel "Franz von Assisi" 
von Wilhelm Willms und Peter Janssens:

Das "Liebeslied", das Franziskus in einer großen, eindrucksvollen Szene vor Papst Innozenz dem Dritten singt.

Ich hatte eine freundin
ein schönes unberührtes
einfaches mädchen vom land ...
ich hab sie geliebt ...
und eines tages
ging meine freundin meine braut
in die stadt ...
sie hatte es satt das einfache leben ...
sie kam zu geld . .. mit reichen männern ...
sie kleidete sich in samt und seide ...
sie wohnt in einem großen protzigen haus
in der bank de spirito santo ...
sie hat das lieben verlernt ...
sie heißt ecclesia kirche ...
Der Papst versteht.
Und dann weinen sie zusammen,
Papst und Bettler.

Siehe auch:
Die Geldwäscher des Herrn


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Spielfilm über Franz von Assisi
von Franco Zeffirell 1972

Montag, März 11, 2013

Mali. Von Tuareg, Franzosen und Außerirdischen


Kunstdruck-Poster: TuaregVon Pascal Maitre

 Der Kabarettist Georg Schramm erzählt: 
Wenn ein deutsches Militär-Kommando in Afghanistan Patrouille fuhr, dann hielt die Militärkolonne nebst zwei Wagen von ARD und ZDF zunächst vor dem Dorf an. Ein Vor-Kommando verteilte deutsche Fähnchen im Ort an die Kinder und Bonbons. Erst dann brauste die Kolonne durch den Ort, die Kinder winkten mit den Fähnchen, ARD und ZDF filmten. - 

2012, so sagt er, blieben 80% der deutschen Soldaten in ihrem Lager: Patrouille fahren sei für die deutschen Soldaten zu gefährlich geworden - und winken würde sowieso niemand mehr....
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Mali ist ein Binnenstaat in Westafrika. Er ist seit 1960 von Frankreich unabhängig.
Nach einem Militärputsch in der Hauptstadt Bamako und der einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Nordens (Azawad) durch Tuareg-Rebellen steht das Land Anfang 2013 in einer schweren politischen Krise. Der Staatsstreich wurde vom UN-Sicherheitsrat, von der EU und von der afrikanischen Union verurteilt.

Am 11. Januar 2013 begann die Opération Serval, ein Einsatz der französischen Streitkräfte zur Unterstützung der Soldaten der malischen (Putsch-)Regierungstruppen, die nicht in der Lage waren, die radikalen Islamisten aus dem Norden zurückzudrängen. Nachdem die beiden Islamistenfresser Mubarak in Ägypten und Gaddafi in Syrien nicht mehr an der Macht waren, konnten sich die radikalen Islamisten mit erbeuteten Waffen aus Lybien aufrüsten und bekamen militärisch Oberwasser.

Die französischen Soldaten wurden mit französischen Flaggen begrüßt (ob die ebenfalls vorher verteilt wurden?), auch wenn die Soldaten nicht nur edle Ziele verfolgen:
Frankreich denkt auch an das Uran im Niger und das Uran, das im Norden Malis vermutet wird, das Frankreich unbedingt braucht für seine Atom-Wirtschaft.  Die Hälfte der Geiseln, die in den Händen von islamistischen Terroristen in der Sahel-Zone sind, arbeiten beim französischen Staats-Konzern Areva, der Weltmarktführer in Atom-Technik ist und die Uran-Vorkommen im Niger ausbeutet. 
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In Timbuktu und anderen Städten Malis hörte man von den schrecklichen Methoden der Islamisten, von Steinigen, Hände und Köpfe abhacken. 


Holzschnitt: Mittelalterliche Strafen

Dasselbe kann man seit 70 Jahren aus Saudi-Arabien hören, doch hört man selten, dass die USA oder die europäischen Regierungen sagen, dort müsse das (ebenso) aufhören. Da wird nicht mit gleichem Maßstab gemessen. Was in Timbuktu geschieht, wird angeprangert; wenn dasselbe in Riad geschieht, wird es geschluckt.


Die gemäßigten pragmatischen Islamisten, wie sie heute in Ägypten und Tunesien an der Macht sind, sind vielleicht die Einzigen, die die radikalen Islamisten zähmen können. Von außen geht das nicht. Jeder amerikanische, französische oder "westliche" Soldat, der den Fuß in die muslimischen Gegenden der Sahel-Zone setzt, wird mit Misstrauen beäugt werden. Jede militärische Intervention muss daher wohl überlegt sein, wenn der Schuss nicht nach hinten losgehen soll. 
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Ein anderer Blick auf Mali
von AMINATA TRAORÉ:

"Malis Krise wird meist so dargestellt: 

Anfang 2012 rebellierten Tuareg, sie verbündeten sich mit Islamisten, die Armee wurde geschlagen und putschte, die Islamisten besetzten Nordmali und hackten Hände ab, und da musste man ja eingreifen.
 

Aber die Probleme entstanden nicht erst 2012. 

In den letzten Jahrzehnten emigrierte Malis marginalisierte Jugend: aus Südmali nach Europa, aus Nordmali nach Libyen. Letztere lernten den Umgang mit der Waffe. Nach Gaddafis Sturz kamen sie zurück und sagten: Wir wollen einen eigenen Staat - Azawad.
Ihnen gegenüber stand eine Armee junger Arbeitsloser. Ohne Waffen und Ausrüstung. Sie wurden massakriert. Ihr Putsch damals begann mit Demonstrationen ihrer Frauen, die sagten: Die hohen Offiziere haben Geld, unsere Jungs sind Kanonenfutter.
 

Wie kam es zur französischen Intervention? 

Eigentlich wollten die Tuareg-Rebellen über Azawad verhandeln. Aber die, die den Krieg wollten, sagten: Man kann ihnen nicht trauen, es sind Islamisten. 
Niemand fragt: Warum konnten Islamisten bei uns so stark werden? Es sind die Islamisten, die Brunnen bohren, die sich um die Bevölkerung dort kümmern, wo der Staat nichts mehr tut. Heute werden sie zu Hunderten getötet. Auf Bildern der Toten sieht man junge Kämpfer, fast noch Kinder. Sie gingen zu den Islamisten, um ihre Familien zu ernähren.
Jetzt wird Mali militarisiert. Die Franzosen haben unglaubliche Mengen Waffen gebracht; es ist, als wären Außerirdische gelandet. Und es sollen auch noch 15.000 UN-Blauhelme kommen.
 

Wir haben weder einen aktiven Staat noch einen fähigen Privatsektor. Wir haben nur Händler, jeder sucht Vorteile für sein Dorf, will Anteile von der Geldwäsche und geht in die Politik, um Geld zu verdienen. Die Landwirtschaft liegt am Boden.
Dieser malische Kapitalismus ist zusammengebrochen. Und jetzt wird von Versöhnung und Dialog geredet, ohne zu sagen, wovon die Menschen leben sollen."

AMINATA TRAORÉ. 


Auszüge aus einem Vortrag, den Aminata Traoré am 17. April in Berlin hielt. Traoré ist die wohl bekannteste zivilgesellschaftliche Aktivistin Afrikas. Kulturministerin Malis 1997-2000, wurde sie danach in der globalisierungskritischen Bewegung aktiv. Quelle


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Samstag, März 02, 2013

"Es gibt keine freie Berichterstattung in Italien". - Parlaments-Wahlen in Italien


"Es gibt keine freie Berichterstattung in Italien"
sagt Petra Reski, die auf petrareski.com bloggt, Journalistin ist, in Venedig lebt und ein Buch über die Mafia geschrieben hat.

"Es gibt keine freie Berichterstattung in Italien außer im Netz und in einer unabhängigen Tageszeitung: Il Fatto Quotidiano. Man kann also eigentlich nicht erschließen, was die Italiener denken, wenn man lediglich die traditionellen Medien zu Rate zieht. Das ist leider ein großer Kurzschluss, dem auch viele deutsche Korrespondenten unterliegen."
"Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben. - Ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt ist, wenn man ihn so nennt, Herr Grillo. Und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub ist,..."
sagte KanzlerKanditat Peer Steinbrück zu den Wahlen in Italien, (der auch sonst gerne  lustige Sachen von sich gibt.  

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Etwas fundierter äußerte sich Nobelpreisträger Paul Krugmann, Wirtschafts-Nobelpreisträger 2008 und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Princeton University:

„Niemand will die Bunga-Bunga-Politik verteidigen, aber diese einfache Frage muss man doch stellen:

’Was hat die Politik, die mit Monti heute als notwendig verkauft wird, eigentlich Italien Gutes getan oder auch Europa als Ganzes?‘

Monti war doch der von Deutschland eingesetzte Gouverneur, der einer ohnehin schon blutleeren Volkswirtschaft die Austerität als Heilmittel verschrieb; und nur wer diese totale Austerität betreibt, gilt in den herrschenden europäischen Kreisen als respektabel.“ 

 Marco d`Eramo, Schüler von Pierre Bourdieu, sagte in einem Beitrag für die taz (a.a.O.), die erste Botschaft der Parlamentswahlen vom 24. und 25. Februar 2013 sei, dass ein bestimmtes Europa in Italien eine Niederlage erlitten habe: das Europa
  • der Troika - aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfond (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) -,
  • der Frankfurter Banken
  • und von Angela Merkel als Verteidigerin der Austeritätspolitik, einer Sparpolitik, die der Bevölkerung von Italien, Griechenland, Spanien und anderen Ländern vom IWF auferlegt wird, damit die Regierungen den Banken ihre Kredite zurückzahlen können.
D`Eramo erinnert daran, dass Mario Monti den ItalienerInnen im November 2011 ohne jegliche demokratische Legitimierung als angeblich neutraler Technokrat als Regierungschef von der EU vor die Nase gesetzt worden war:
"Mario Monti hatte die Unterstützung des italienischen Establishments (Fiat- Boss Sergio Marchionne, Ferrari-Boss Luca Cordero di Montezemolo und viele andere), des deutschfreundlichen Europas und der internationalen Finanzbranche (Monti arbeitete als Berater bei der größten Privatbank der Welt, Goldman Sachs), ja sogar der Vatikan und die italienische Bischofskonferenz standen ihm zur Seite – eine Verbindung, die man nun endgültig als überschätzt für den Ausgang italienischer Wahlen betrachten darf."

Bei den Parlamentswahlen vom 24. und 25. Februar 2013 erhielt Mario Monti nun seine demokratische (De-) Legitimierung mit 10,56% der Stimmen im Abgeodnetenhaus und 9,13% im Senat. -
Die beiden Clowns Beppe Grillo und Silvio Berlusconi erhielten im Abgeordneten-Haus 25,55 bzw. 29,18%. 

Im „realen Kapitalismus“, der Europa heute prägt, haben die Italiener als Erste die Banker offen herausgefordert – ein Mut, den weder die Griechen noch die Spanier, noch die Portugiesen hatten, die brav Regierungen nach Wunsch von Frankfurt und Berlin wählten. Sogar das mächtige Frankreich hat mit der Wahl François Hollandes nur leise protestiert. 
 D´Eramo a.a.O.

So kann man es auch sehen.
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Und warum gibt es in Italien keine freie Berichterstattung?

Das kann man am Besten bei Noam Chomsky nachlesen in seiner 5. Vorlesung in Managua vom 7. März 1986 (deutsch: Die fünfte Freiheit. Über Macht und Ideologie. Vorlesungen in Managua. Argument, Berlin 1988).

Was er dort ( den australischen Gelehrten Alex Carey zitierend) über "propagandageleitete Demokratie" sagt, kann man auch auf andere demokratische Länder übertragen. 
 


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Freitag, März 01, 2013

China will es besser machen als DAS ALTE EUROPA


Der chinesische Literatur-Nobelpreisträger sagte diese Woche im SPIEGEL:
 

«Auf eine Weise hat der Marxismus den Kapitalismus gerettet. Denn wer wirklich von den Segnungen dieser Ideologie profitiert hat, sind diese Gesellschaften im Westen. Wir Chinesen, Russen und Osteuropäer haben Marx missverstanden.»

Doch nun wird China den Spieß umdrehen und "dem Westen" zeigen, wo der Hammer hängt: 



  • Was den Engländern 1912 misslang - (ihre angeblich unsinkbare "Titanic" ging schon auf der Jungfernfahrt den Bach hinunter) -
  • und die Deutschen 100 Jahre später auch nicht auf die Reihe bekommen (ihr Berliner Hauptstadtflugplatz ist seit 2006 in Bau und wird und wird nicht fertig) -  

werden sie jetzt symbolträchtig nachholen:

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Chinesischer Flughafen

China baut Titanic II

China wird eine neue Titanic bauen, die 2016 ihre Jungfernfahrt auf derselben Fahrtlinie der legendären ersten Titanic, also von Southampton nach New York, führen wird. Obwohl das Aussehen der "Titanic II" möglichst dem originalen Stil entsprechen wird, soll das Schiff mit modernsten Navigation- und Sicherheitssystemen ausgestattet werden. Das rund 270 Meter lange, 53 Meter hohe und rund 40.000 Tonnen schwere Schiff Titanic II soll 840 Kabinen für etwa 2.500 Passagiere bieten und über zahlreiche Sporthallen, Schwimmbecken, Bibliotheken und Spitzenrestaurants verfügen. Für die Jungfernfahrt der Titanic II sollten bereits rund 40.000 Ticketanfragen vorliegen. 16 Menschen sollten bereit 
angeboten haben, bis zu eine Million Dollar für ein Ticket zu zahlen.
Und:

Weltgrößter Flughafen in Peking in 2018



Während Berlin nach acht Jahren Bauzeit immer noch nicht hinbekommen kann, will Peking es in der Hälfte der Zeit schaffen: Innerhalb von vier Jahren soll Peking im Süden der Stadt einen zweiten internationalen Flughafen fertig stellen. Baustart ist 2014. Erst kurz vor den Olympischen Sommerspielen 2008 hat Peking den neuen Terminal 3 am alten Hauptstadtflughafen nördlich der Stadt in Betrieb genommen. Mit 81,8 Millionen Passagieren ist dieser bereits der zweitgrößte Flughafen der Welt. Doch gerät man mit dem wachsenden Passagier- und Frachtaufkommen schon jetzt an die Grenze der Kapazität. Daher ein zweiter Großflughafen in Peking. 

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Während Mo Yan noch der Vergangenheit nachtrauert - ("Auf eine Weise hat der Marxismus den Kapitalismus gerettet. Denn wer wirklich von den Segnungen dieser Ideologie profitiert hat, sind diese Gesellschaften im Westen". ) - beschleicht "UNS" im alten West-Europa doch so langsam das Gefühl, dass "WIR" auf dem absteigenden Ast sitzen könnten, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise doch nicht einfach in Griechenland und Spanien Halt macht, sondern irgendwann auch Deutschland erreichen wird und dass der US-amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Jahr 2006 vielleicht irgendwie Recht gehabt haben könnte, als er auf einer Pressekonferenz sagte:

„Sie (die Journalisten) denken an Europa als Deutschland und Frankreich. Ich nicht. Ich denke, das ist das alte Europa...Wenn Sie das heutige gesamte Nato-Europa in Betracht ziehen, dann rückt der Schwerpunkt nach Osten.“
Und Osten ist - aus unserer Sicht - wo Osteuropäer, Russland und China sind. 
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