Sonntag, April 07, 2013

Syrien: "Später ist die Sache dann schmutzig geworden"


Knajeh ist ein Dorf "oben links" in Syrien. Ein rein katholisches Dorf. In ihm leben etwa tausend Christen, und bisher sind weder Truppen der freien syrischen Armee noch Regierungstruppen dorthin gekommen, kein Schuss soll dort gefallen sein. 
Man sagt: Wegen der Franziskaner


Im Dorf gibt es es eine Franzsikaner-Abtei, die von Pater Hanna geleitet wird. Sie wurde vor 135 Jahren gegründet, und hier gab es die erste Schule, das erste Theater, die erste Krankenstation und das erste elektrische Licht im Tal. Die Front zwischen Regierungs- und freier Armee verläuft nur wenige Kilometer von der Abtei entfernt: "Es gibt einen atavistischen Hass, der mit dem Krieg wieder hochgekommen ist", sagt der Pater. Doch die Abtei hat Hunderte von Flüchtlingen aufgenommen: Muslime, Christen und Alawiten. 

„Wir syrischen Christen stellen etwa sieben Prozent der Bevölkerung, das sind rund anderthalb Millionen Menschen. Die meisten wollen weder das Regime noch den Krieg. Wir wollen nur Frieden.

Anfangs waren wir bei den Demonstrationen dabei, solange sie noch friedlich waren. Später ist die Sache dann schmutzig geworden.

Das wurde mir klar, als hier in Dschisir die Rebellen 82 Soldaten erschossen und den Chef der Geheimpolizei aufgehängt haben.
Wenn man eine Idee hat, lässt man es nicht so weit kommen. Wenn du zum Mörder wirst, ist alles verloren.“ 
Quelle
Zwei syrische Kulturschaffende sehen die Lage so:
"Wie lässt sich die Lage in Syrien am besten beschreiben? Die einen sehen eine Revolution, die anderen einen Bürgerkrieg.
  • Vorweg: Der Kampf in Syrien ist keineswegs rein religiöser Natur. 
Die internationale Gemeinschaft übertreibt, wenn sie das behauptet. Diese Lesart entspringt einer orientalistischen Perspektive. Einer Sichtweise, die Syrer oder auch Araber insgesamt auf ihre konfessionelle Zugehörigkeit reduzieren will. 

Der Spanische Bürgerkrieg war eine Konfrontation zwischen Republikanern und faschistischen Anhängern Francos. Die russische Revolution entflammte vor dem Hintergrund des Aufstands gegen den Zaren. 
  • Auch die Lage in Syrien gleicht mehr diesen Beispielen als einem entfesselten Religionskrieg. 
  • Einer der Hauptgründe für den Bürgerkonflikt in Syrien ist der Aufstand eines Teils der Bevölkerung gegen eine feudale Schicht, die sie vollkommen unterjocht hatte. Den Großteil der aufständischen Sunniten treibt der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit und Rache an jenen Feudalisten viel mehr an als konfessionelle Befindlichkeiten.
  • Übrigens gehören auch die "Feudalisten" unterschiedlichen Konfessionen an.

Bürgerkonflikte sind immer vielschichtig und multikausal. Ausgelöst werden sie, grob gesagt, durch innere und äußere Faktoren.
  • Zu den inneren Faktoren zählt alles Konfessionelle, Religiöse, Ethnische, Klassenspezifische, Territoriale.
  • Das Regionale, Überregionale und Internationale sind die äußeren, geopolitischen Faktoren.
Schon wegen dieser Gemengelage ist ein Bürgerkonflikt nie rein konfessioneller Natur.

Westliche Medien, ja selbst internationale Menschenrechtsorganisationen greifen inzwischen fast immer auf die Bezeichnung "Bürgerkrieg" zurück,
wenn sie die Geschehnisse in Syrien beschreiben wollen. ... Im Unterschied zu dieser Erzählung sind wir der Ansicht, dass das, was in Syrien passiert, ein Volksaufstand ist. 
Dem zuvor skizzierten Narrativ widersprechen wir mit folgenden Argumenten: 
  • Erstens wird hier der Folterknecht mit seinem Opfer gleichgesetzt - und somit dem Aufstand jede moralische Dimension abgesprochen. 
  • Außerdem wird die Entwicklung des Aufstands gegen Assad ausgeblendet,
  • angefangen damit, dass im Jahr 2011 in Daraa fünfzehn Kinder wegen eines Graffito vom Regime gefoltert wurden,
  • über die friedlichen Proteste, die sich daraufhin nach und nach über das ganze Land ausbreiteten
  • und schließlich zu den gewaltfreien Demonstrationen von mehreren Hunderttausend Menschen in Hama und Deir as-Sur führten.
  • ...Als wäre das nicht genug, übergeht man auch die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts: angefangen beim Staatsstreich vom 8. März 1963 über die "Korrekturbewegung" bis hin zur Machtübergabe an Baschar al-Assad durch seinen Vater. Auch dass die Baath-Partei und später der Assad-Clan keinerlei politische Teilnahme egal welcher Seite im Land zuließ, wird verdrängt.
Genauso falsch ist es, die syrische Revolution isoliert von den anderen arabischen Revolutionen zu betrachten. 
Die syrische Revolution ist Teil einer die gesamte Region erfassenden Volksbewegung, die vor allem danach strebt, ihre Gesellschaften von den diktatorischen und korrupten Regimen zu befreien. 
  • Die Beschreibung als "Bürgerkrieg" ignoriert all das und konzentriert sich einzig und allein auf den militärischen Aspekt des Geschehens.
  • Zwar hat der militärische Aspekt in letzter Zeit die Oberhand gewonnen. Doch die gewaltfreie Oppositionsbewegung existiert weiterhin. Abgesehen von den Demonstrationen, die bis heute weiterhin regelmäßig stattfinden, wird in Syrien vielfältigste zivilgesellschaftliche Arbeit geleistet: bei der humanitären Hilfe, bei der Berichterstattung durch Bürgerjournalisten und der Dokumentation der Ereignisse, bei der politischen und sozialen Koordination.

Die Akteure in all diesen Bereichen sehen sich keineswegs in einen "sinnlosen Bürgerkrieg" involviert. Vielmehr begreifen sie sich als Teil eines demokratischen Prozesses. Anzuerkennen, dass es in Syrien Ansätze eines Bürgerkriegs gibt, schließt nicht aus, zu erkennen, dass dort eine Revolution stattfindet.

  • Revolution wird definiert als das Streben breiter Bevölkerungsteile, ihre elende Lage zu beenden, wobei genau dieses Streben - in seinen unterschiedlichen Phasen - Formen eines Bürgerkriegs einschließen kann. 
Allgemeiner ausgedrückt: 
Stets steht ein Teil der Bevölkerung auf der Seite des repressiven Staates oder verharrt in Neutralität. Revolutionen ohne Gewalt, Revolutionen ohne Verlierer, ohne die notorisch Unentschiedenen, ohne Opportunisten und Märtyrer gibt es nicht. ... Trotzdem ist das, was derzeit in Syrien geschieht, eben kein "sinnloser Bürgerkrieg". Es ist eine Revolution, mit allen dazugehörigen Mühen und Schmerzen und unterschiedlichen Phasen. Es ist der längste und steinigste aller Wege, die Freiheit zurückzuerlangen."
 MOHAMMED AL-ATTAR, ODAI ALZOUBI 

  • Mohammed al-Attar, geboren 1980, ist syrischer Dramatiker.
  • Odai Alzoubi, geboren 1981, ist syrischer Schriftsteller 
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Siehe auch: 

Dienstag, April 02, 2013

Die fetten Jahre sind vorbei. Oder sind sie zurück?


Die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB)  

beklagt die soziale Ungerechtigkeit in diesem Land. Der Augsburger Betriebsseelsorger Erwin Helmer (60) kämpfte bei Amazon wie in der eigenen Kirche gegen Leiharbeit und prekäre Beschäftigung. Und er hat einen Heiligen erfunden:

Sankt Prekarius

"Das Standbild habe ich in Zusammenarbeit mit der Christlichen Arbeiter-Jugend Bayern schnitzen lassen. Die Figur hat leere Hosentaschen, trägt Jeans und einen Besen. Dieser Heilige dient als Symbol für prekäre Beschäftigung – Leihar­beit, Niedriglohnjobs, Werkverträge. Er begleitete uns bereits bei Aktionen vor dem Arbeitsgericht, bei Betriebsversammlungen, Straßenaktionen und in Gottesdiensten. Denn immer mehr Menschen ar­beiten in solchen Verhältnissen."
Die fetten Jahre sind vorbei...

Spielfilm Deutschland/ Österreich aus dem Jahre 2004

Auch an den Universitäten: Wissenschaftliches Prekariat

Alle beklatschen den Studentenansturm - aber sie haben nur Kleingeld dafür:
Egal, worum es geht - Hochschulbau, Wohnen und Essen oder Studienbedingungen -, überall regiert Schmalhans.

[...] Am schlimmsten ist es vielleicht beim Hochschulbau. Hier ermüdet der Run auf die Unis die Hörsäle und Seminarräume. Zugleich ächzen die Hochschulen unter der Überalterung und Auszehrung ihrer Gebäude. In Düsseldorf tropft es in Büros und Seminarräumen. So ähnlich sieht es an vielen deutschen Universitäten aus. "Sanierung und Modernisierung der Hochschulbauten sind jahrzehntelang vernachlässigt worden. Jetzt rächt sich diese Politik", sagt der Präsident der deutschen Rektoren, Horst Hippler, der taz.[..]
Mangel herrscht überall. - Das hat zunächst einen erfreulichen Grund. Seit 2009 steigt die Zahl der Studierwilligen steil an. Gab es damals noch knapp über 400.000 Erstsemester, so sind es jetzt mit schöner Regelmäßigkeit 25 Prozent mehr. [..]

Aus der Portokasse aber lässt sich gerade bei Dozenten und Professoren der Studienboom nicht bezahlen. Bei bestimmten Personalkategorien wie wissenschaftlichen Mitarbeitern oder Lehrbeauftragten ist die Situation längst eskaliert. "Es gibt Beschäftigungsverhältnisse, die sind schlechter als in der Gastronomie", sagt der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaft der Linken, Tobias Schulze. [...]

... aber offenbar nicht für alle:




Titelbild Manager-Magazin März 2013

Die fetten Jahre sind zurück, 


schreibt das Magazin im März 2013.
"Uns geht's besser, als wir glauben. Deutschland, das prophezeit eine umfangreiche Studie der Unternehmensberatung McKinsey für manager magazin, steht am Beginn einer langen Wachstumsphase. Wie Deutschland diese goldene Ära erreichen kann, damit befasst sich die Titelgeschichte des aktuellen Hefts."
Gleichzeitig schreibt das Magazin aber auch: 
"Die Arbeitslosigkeit in den 17 Euro-Ländern hat einen neuen Rekord erreicht. Im Februar waren rund 19 Millionen Menschen ohne Job. Während Deutschland mit 5,4 Prozent am besten dasteht, klettert die Quote in Griechenland und Spanien über die Marke von 26 Prozent."

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Man kann sich fragen:

  • Sieht McKinsey die goldene Ära richtig voraus?
  • Und für wen kommt eigentlich die goldene Ära? Für die Manager und/oder die Gemanagten
  • Kann man darauf wetten?  
Eher würde man bei einer Wette wohl dem OECD-Generalsekretär Angel Gurría vertrauen wollen:

Die Industrieländerorganisation OECD mit Sitz in Paris hat errechnet, dass China noch 2016 die Vereinigten Staaten als größte Volkswirtschaft der Welt überholen wird. (Die Eurozone hat China bereits hinter sich gelassen.)  - 
Während Europa und Japan auch in den nächsten Jahren weitgehend stagnieren werden und die US-Wirtschaft vielleicht um zwei bis drei Prozent wachsen wird, entwickele sich China, „unaufhaltsam weiter“, urteilt Gurría:
„Es sieht halt derzeit einfach nicht gut aus für die alten Industrieländer.“ 
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Auch auf Frau Herrmann von der taz würde ich in diesem Falle eher wetten als auf McKinsey:


»...es bleibt der irritierende Verdacht, dass Eliten wie Lemminge sind, die munter in den eigenen Untergang springen – und ihre Wähler dabei ebenfalls in den Abgrund reißen. Bei der Eurokrise ist nur noch die Frage, wann dieser „Lehman-Moment“ erneut eintritt.

Die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, dass wir ihn mit der verkorksten „Rettung“ von Zypern gerade schon erlebt haben. Denn Zypern und Lehman Brothers haben eines gemein: Man hielt sie anfangs für unbedeutend. Zypern hat nur etwa 800.000 Einwohner, Lehman war eine eher unwichtige Bank. - Bei den Kleinen kann man es ja mal probieren, scheint die Idee der selbstgewissen Eliten zu sein.

Italien hat keine Regierung, Slowenien auch eine Bankenkrise, Malta einen überdehnten Bankensektor, Spanien ist in der Rezession, Portugal überschuldet – und Griechenland häuft neue Defizite auf, weil sich die Wirtschaft in freiem Fall befindet.

Die allgemeine Unsicherheit nach der Lehman-Pleite zwang Kanzlerin Merkel zu einem historisch beispiellosen Schritt. Sie stellte sich 2008 vor die Fernsehkameras und erklärte den Deutschen, dass alle Spareinlagen sicher seien. Es handelte sich also um eine unbegrenzte Einlagensicherung, die durch den Staat garantiert wurde.

Bisher gilt diese Garantie nur für Deutschland, doch dürfte sich die Kanzlerin demnächst gezwungen sehen, die unbegrenzte Einlagensicherung auf die gesamte Eurozone auszuweiten. Denn sonst fliegt der Euro auseinander, weil ständig Hunderte von Milliarden Euro auf der Flucht sind.«...


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Montag, März 18, 2013

"Franziskus" - Hybris, Versprechen oder Nebelkerze?


Das hat sich bisher noch keine Papst getraut -


Sich Franziskus zu nennen. Das ist eigentlich ein Tabu-Bruch, wie der italienische Philopsoph Flores d’Arcais sagte:
"Seit den Zeiten des Franz von Assisi, seit 800 Jahren also, hat es kein Papst gewagt, diesen Namen zu wählen."


In der katholischen Religion kommt Franziskus ziemlich dicht hinter Jesus und Petrus. 

Warum? 
Im Matthäus-Evangelium heißt es (Mt 16,16 ff):

Da antwortete Simon Petrus und sprach:
Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
Und Jesus antwortete und sprach zu ihm:
Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
Und ich sage dir auch:
Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen... Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Daher war bisher noch kein Papst so kühn, sich "Papst Petrus I" zu nennen. Oder auch nur "Petrus II".


Und warum nicht "Franziskus"?
Als sich Franziskus im Spätsommer des Jahres 1224 auf den Berg La Verna bei Assisi zurückzog, wo er seit 1212 eine Felsnische als Einsiedelei zum Gebet benutzte, wurden bei ihm nach Aussage der Biografen Wunden an Händen und Füßen sichtbar. Während man wohl davon ausgehen kann, dass Franziskus sich diese Wunden selber zugefügt hat, um möglichst so wie Jesus selber zu leiden, werden
diese Wunden in der katholischen Tradition als die Wundmale Christi betrachtet, die ihm "von oben" zugefügt wurden und seine Jesus-Ähnlichkeit belegen.Franz von Assisi, "Der letzte Christ", heißt ein Buch des österreichischen katholischen Priesters und Theologen Adolf Holl (Jg. 1930).


Dies gilt als der erste überlieferte Fall einer sog. Stigmatisierung. Als Tag dieses Ereignisses wird in den Biographien der 17. September 1224 angegeben.

Man könnte es also als Hybris, Überheblichkeit oder zumindest als ziemlich frech ansehen, wenn sich ein Papst "Franziskus" nennt oder "Petrus" nennen würde. - Fast so, als wenn man sich gleich "Papst Jesus" nennen wollte.... 



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Die meisten Gläubigen sehen den Namen aber wohl positiv: Als ein Versprechen:
"Schon die Wahl des Namens Franziskus ist ein sehr starkes Versprechen, gleichsam ein Eid gegenüber 1,2 Milliarden Katholiken, dass hier eine Revolution stattfinden soll."
Eine Revolution wäre es jedoch ziemlich sicher nicht, denn der neue Papst hat sich als Erzbischof Bergoglio von Buenos Aires und auch in seinen ersten Amtstagen als Papst zwar stets an der Seite der einfachen Leute gezeigt, "so wie ein einfacher Land-Pfarrer". - Doch man hat ihm schon in Argentinien vorgeworfen, dass er nicht nach den Ursachen der Armut gefragt habe, dass er nie Vorschläge gemacht hat, wie die Ursachen der Armut zu bekämpfen seien und dass er die Theologie der Befreiung - die eben dieses tut - scharf kritisiert habe. - 
Auch Franz von Assisi selber hat als Sohn sehr wohlhabender Eltern zwar in Armut gelebt, nur eine Hirten-Kutte und einen Strick zu dessen Befestigung besessen, er hat den Armen geholfen, doch nicht nach Ursachen von Armut gefragt.

Und an der Seite der Armen steht - das ist lobenswert, doch sie hat keine Macht wie der Papst - auch die (evangelisch-freikirchliche verankerte) Heilsarmee:
 

Die Heilsarmee ist eine internationale Bewegung und Teil der universalen christlichen Kirche. Ihre Botschaft gründet sich auf die Bibel. Ihr Dienst ist motiviert von der Liebe zu Gott. Ihr Auftrag ist es, das Evangelium von Jesus Christus zu predigen und menschlicher Not ohne Ansehen der Person zu begegnen.

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Böse Zungen sagen, der Name des neuen Papstes sei nur eine Nebelkerze und Schauspielerei:

"Er ist sehr bedacht darauf, dass alle Welt weiß,
dass er U-Bahn und Bus fährt, dass er alte Schuhe trägt
und gebrauchte Kleider, dass er den kirchlichen Pomp ablehnt.
Er ist ein großer Schauspieler."



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Und was kommt nun der Sache am Nächsten? - Anmaßung, Versprechen, Nebelkerze?

„Wir werden sofort sehen, was er will“
sagt Flores d`Arcais:




"Einer, der sich Franziskus nennt, müsste zum Beispiel die Vatikanbank IOR auflösen oder sie ihrem ursprünglichen Auftrag wieder zuführen. IOR, das heißt ja „Institut für religiöse Werke“ (Istituto per le Opere di Religione). Doch das IOR ist zu einem Finanzinstrument nicht bloß der weltlichen Macht der Kirche geworden, sondern zu einem Instrument, in dem ganz selbstverständlich schmutziges Geld floss, mit dem Korruptionsaktivitäten zwischen Politik und Unternehmen verdeckt abgewickelt wurden, in dem sogar Gelder des organisierten Verbrechens recycelt wurden. [...]

Ein weiterer Prüfstein für eine echte Erneuerung wird sein, ob der Papst bereit ist, den enormen Einfluss von Organisationen wie Comunione e liberazione oder dem Opus Dei, die sich zu auch ökonomisch höchst mächtigen wahren Kirchen in der Kirche entwickelt haben, zurückzudrängen. Sowohl unter Wojtyla als auch unter Ratzinger wurden diese Organisationen nach Kräften privilegiert, nicht umsonst wurden ihre Gründer beide heiliggesprochen. Ein weiteres Thema, dem sich der Papst wird stellen müssen, ist der Umgang mit den Pädophilieskandalen. [...] "

Schau`n wir mal...
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Freitag, März 15, 2013

Der Papst aus der U-Bahn. Fahrziel: Lateinamerika?




Konservativ soll er sein, der neue Papst Franziskus von Argentinien.
Zumindest was die Theologie und die Moral betrifft. Das hat er mit seinen beiden Vorgängern gemein.

Im Juli 2010 las man in der Zeitung:
Im Vorfeld der Abstimmung des argentinischen Senats über die Einführung der Homo-Ehe sind in Buenos Aires zehntausende Menschen einem Protestaufruf der katholischen Kirche gegen das Vorhaben gefolgt. Katholische Schulen hatten zu reger Beteiligung an der Kundgebung aufgerufen.  In Argentinien sind rund 90 Prozent der Einwohner katholisch.
Der Erzbischof der argentinischen Hauptstadt, Jorge Bergoglio, erklärte in einer Botschaft, die vor der Menge verlesen wurde, eine Ehe zwischen Mann und Frau sei "der einzige natürliche Weg der Nachwuchszeugung". Eine Zustimmung des Senats zur Homo-Ehe, der am Mittwoch darüber abstimmen sollte, würde einen "großen Rückschritt" bedeuten, warnte Bergoglio.
"Es ist nicht einfach ein politischer Kampf, es ist das destruktive Streben gegen den Plan Gottes", so der damalige Erzbischof. Und weiter: "Darin steckt der Neid des Teufels, der das Bild Gottes zerstören will."  Staatschefin Cristina Kirchner hatte kritisiert, die Argumente der Kirche gegen gleichberechtigte Homo-Ehen führten zurück in die "Inquisition".
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Es sind schon konservative Bischöfe - belehrt  und bekehrt durch die Situation in ihrem Land - zu sehr progressiven Erzbischöfen geworden
so z.B. Oscar Arnulfo Romero aus El Salvador (1917-1980):


Oscar Romero. - Wandgemälde an der Uni in El Salvador:
"DAS VOLK hat IHN heilig gesprochen".

1977 wurde Oscar Romero als Wunschkandidat der Konservativen und der herrschenden Familien des Landes zum Erzbischof von San Salvador gekürt. - Im Laufe der Zeit politisierte sich Romero immer stärker zugunsten der armen Bauern im Lande und gegen die herrschende Oligarchie von Großgrundbesitzern und Militär. In der direkten Folge davon wurde Romero  am 24. März 1980 während einer Predigt vor dem Altar von einem Scharfschützen erschossen.


Bei seinen Mördern wurden Unterlagen und ein Notizbuch gefunden, in denen Todeslisten und Preislisten für Morde aufgelistet waren: Für den Mord an einem Bauern erhielten Todesschützen der Todesschwadronen 5.000 Colón, für den an einem Professor oder Intellektuellen 10.000 Colón und für den an einem Priester 25.000 Colón.


Die Todesschwadronen sollten durch die Ausschaltung der geistigen Elite und fähiger Führungspersönlichkeiten des Widerstandes eine mögliche Revolution verhindern. Diese Taktik wurde unter anderem auch von US-Militärberatern vorgeschlagen und im Bürgerkrieg eingeplant. So wurden u. a. von Hubschraubern aus Zettel über San Salvador abgeworfen mit dem Slogan „Sei ein Patriot – Töte einen Priester“.
Romero:

„Kein Soldat ist gezwungen, einem Befehl zu folgen, der gegen das Gesetz Gottes verstößt. Einem amoralischen Gesetz ist niemand unterworfen. Es ist an der Zeit, dass ihr euer Gewissen wiederentdeckt und es höher haltet als die Befehle der Sünde. Die Kirche, Verteidigerin der göttlichen Rechte und Gottes Gerechtigkeit, der Würde des Menschen und der Person, kann angesichts dieser großen Gräuel nicht schweigen. Wir fordern die Regierung auf, die Nutzlosigkeit von Reformen anzuerkennen, die aus dem Blut des Volkes entstehen. Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Klagen jeden Tag lauter zum Himmel steigen, ersuche ich euch, bitte ich euch, befehle ich euch im Namen Gottes: Hört auf mit der Repression!“

Óscar Romero: Letzte Predigt am 23. März 1980, Kathedrale von San Salvador.  
Quelle: wikipedia:
Originalrede bei Youtube (Ausschnitt)
Siehe auch: CI Romero 

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Ein bescheidener Mann soll er sein, der neue Papst Franz von Argentinien,  und ein Mann der Armen. Vielleicht so wie Oscar Romero?

Geprägt worden sei Papst Franziskus von Lucio Gera (1924-2012), der als einer der Väter der Befreiungstheologie gilt.  Als Prof. Gera im vergangenen Jahr starb, sorgte Bergoglio als Erzbischof dafür, dass Gera in der Kathedrale von Buenos Aires beigesetzt wurde - was eigentlich nur Bischöfen zusteht. - 

Was man sicher auch in der "Bunten" lesen kann und gerne hört: Nach der Wahl habe der neue Papst zum Zeremonienmeister gesagt, das rote Papst-Jäckchen (Mozetta) und das samtene rote Mützchen (Camouro) könne er sich selber anziehen. Der neue Papst setzte sich nicht auf den Papstthron, sondern blieb daneben stehen,

Papst emeritus mit Camauro und Mozetta.
Bildquelle: wikipedia
als Erzbischof lebte er in Argentinien in einer 2-Zimmer-Wohnung und er sei gerne per Bus oder Fahrrad zur Arbeit gefahren. Oder mit der U-Bahn. Das macht ihn sympathisch.

Was für Guttenberg der Kampf-Anzug war
ist für Bergoglio die U-Bahn?

"Er ist sehr bedacht darauf, dass alle Welt weiß, 
dass er U-Bahn und Bus fährt, dass er alte Schuhe trägt 
und gebrauchte Kleider, dass er den kirchlichen Pomp ablehnt. 
Er ist ein großer Schauspieler." (Horacio Verbitsky) 

Als Erzbischof sei Papst Franziskus seit März 2008 Mitglied im Fußball-Verein San Lorenzo in Almagro, einem Stadtteil von Buenos Aires. Ob er auch mitspielte und in welcher Position, wurde nicht mit überliefert. Und wenn er in Rom ein bisschen um den Vatikan herum spazieren gegangen ist - (er spricht fließend italienisch und hat die argentinische und die italienische Staatsangehörigkeit - und nun wohl auch die vatikanische, den Triple-Pass?) - also, wenn er dort spazieren ging, dann habe man ihn eher für einen einfachen Pfarrer vom Lande gehalten als für einen Monsignore. -

Als Papst hat er nun die Wahl, in die Fußstapfen seines ultra-konservativen Vorgängers zu treten oder in die Fußstapfen des  Zweiten Vatikanischen Konzils, und die der  2. Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Medellín


Letzterer zufolge versteht sich die
„Kirche als ein Volk Gottes und identifiziert sich mit den Leiden und Hoffnungen des Volkes, insbesondere der Unterdrückten.“ (…) „Aus diesem Grund ist es der Kirche auch bestimmt, sich als subversive Institution gegen eine Sozialordnung zu wenden, die auf Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Unterdrückung gründet.“

Papst Franziskus soll - trotz seines Lehrers Prof. Gera - die Befreiungstheologie immer wieder scharf kritisiert haben - (so wie das auch Papst Benedikt als Kardinal Ratzinger mit Worten und Taten (Lehr-Verbote für Hans Küng, Leonardo Boff u.a.) immer wieder gerne getan hat. 
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Zu der Zeit (1976-1983) gab es in Argentinien ebenso wie in El Salvador eine Diktatur.

Einige berrichten, dass Jorge Bergoglio, heute Papst Franziskus, damals auf der falschen Seite gewesen sein soll. Deshalb titelte "die tageszeitung" aus Berlin auch ziemlich respektlos (- und mit Grammatik-Fehler): Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab (womit sie natürlich Ex-Papst Benedikt und Neu-Papst Franziskus meinte). 

Im Zentrum der Vorwürfe
steht der Fall zweier junger Jesuitenpriester, Francisco Jalics und Orlando Yurio. Beide, nicht zuletzt inspiriert von der in Lateinamerika im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1965 aufkommenden Befreiungstheologie, arbeiteten in einem Armenviertel der Hauptstadt. Am 23. Mai 1976, zwei Monate nach dem Militärputsch, wurde beide von Marineinfanteristen festgenommen und in die berüchtigte „Escuela Mecanica de la Marina“ gebracht. Die Esma war das wohl berüchtigtste Folterzentrum der Militärdiktatur. - Gut fünf Monate später, nach langer Folter, kamen beide wieder frei – aus einem Hubschrauber wurden sie auf einem Feld abgeworfen und überlebten.
Bis hierhin ist die Geschichte unstrittig.
Unklar ist bis heute aber, welche Rolle der jetzige Papst bei der Verhaftung der beiden gespielt hat. Nach eigener Darstellung hat er sie gewarnt und gebeten, ihre Arbeit im Armenviertel zumindest vorübergehend aufzugeben, weil er ahnte, dass sie das in Gefahr bringen würde. - Die beiden hätten sich geweigert. Auch nach ihrer Verhaftung habe sich Bergoglio für sie eingesetzt, unter anderem in mehreren Gesprächen mit den damaligen Junta-Führern Emilio Massera und Jorge Videla.

Orlando Yurio erzählte zeit seines Lebens

– er starb im Jahr 2000 – eine andere Geschichte. Er sei sich völlig sicher, dass es Bergoglio selbst war, der Informationen über die Arbeit der beiden an die Militärs weitergegeben habe, ebenso wie den – potenziell tödlichen – Verdacht, sie steckten mit der linken Guerilla der Montoneros unter einer Decke. Für die Recherchen zu seinen 2005 erschienen Buch „Das Schweigen. Von Paul VI. bis Bergoglio – die geheimen Beziehungen der Kirche zur Esma“ interviewte der Journalist und Menschenrechtler Horacio Verbitsky Yurio 1999. Yurio berichtete von einer Reise nach Rom.

Dort habe ihm ein befreundeter Pater im Vatikan berichtet, „dass die argentinische Regierung unsere Verhaftung damit begründet hatte, dass unsere Kirchenoberen der Regierung berichtet hatten, dass mindestens einer von uns Guerillero sei“. Dies sei Bergoglio gewesen. Der hat das stets bestritten.
Aktive Rolle? 

Andere gehen nicht so weit wie Orlando Yurio.
Sie behaupten nicht, dass Bergoglio eine aktive Rolle bei der Verhaftung der beiden jungen Jesuiten gespielt habe. Sie werfen ihm allerdings vor, ihnen den Schutz verweigert und sie so de facto den Militärs ausgeliefert zu haben. Tatsächlich hatte Bergoglio eine Woche vor dem Militärputsch beide von ihrem Posten abzuziehen versucht. Als sie sich weigerten, hatte er die „Gehorsamsverweigerung“ weitergemeldet.

Die Militärs könnten dies als grünes Licht für die Verhaftung aufgefasst haben.
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Der 1976 von den Militärs entführte Jesuitenpater Francisco Jalics 

(Jg. 1927) hatte in den 1990ern in einem Buch und in einem Telefoninterview erklärt, er habe deutliche Hinweise darauf, dass sein damaliger Vorgesetzter Bergoglio ihn und seinen Mitbruder Orlando Yorio angeschwärzt und ihnen den Schutz der Kirche entzogen hatte.
Am 20.3.2013 sagt er das Gegenteil.

„Dies sind nun die Tatsachen: Orlando Yorio und ich wurden nicht von Pater Bergoglio angezeigt“.
Woher der Erkenntniswandel kommt, sagt er nicht. -
Den unzähligen Journalistenanfragen, die seit der Wahl Jorge Bergoglios zum Papst auf ihn einstürmen, hatte sich Jalics zunächst entzogen. Er sei im Urlaub, wolle darüber nicht mehr sprechen und sei mit Bergoglio im Reinen, ließ er zunächst erklären.

Am am 15. März  schrieb er dann erstmals doch etwas:
„Ich kann keine Stellung zur Rolle von P. Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen“,
hieß es. Das hatte mehr den Verdacht geschürt, der neue Papst habe doch mit der Entführung zu tun gehabt, als ihn zu entkräften. -

"Jetzt hat Jalics ihn kategorisch freigesprochen. Ein großer Dienst für den ersten Papst des Jesuitenordens."



 




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Stand der Dinge ist wohl, dass Bergoglio sich nicht mutig genug für die unter der argentinischen Diktatur (1976-1983) verfolgten Jesuiten eingesetzt hat und dafür auch von anderen Jesuiten deutlich kritisiert wurde und wird. - Man wirft ihm vor, dass er sich bis heute zu den Vorgängen nie öffentlich und offiziell erklärt hat, und mancher Jesuit und Katholik erwartet von ihm ggf. eine Entschuldigung oder ein Schuldbekenntnis dafür, dass er nicht mutiger und klarer gewesen sei...


Der ganze Artikel


Hat der neue Papst ein politisches Ziel?
"Es ist denkbar, dass er sich vorstellt, für die linken Regierungen Lateinamerikas das zu sein, was Wojtyla für Polen war. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es im Vatikan eine Praxis, Päpste zu bestellen – manchmal finanziert vom US-Geheimdienst wie Pius XII. –, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen. Pius XII. sollte verhindern, dass in Italien die Kommunisten die Wahl gewinnen, Johannes Paul II. sollte den kommunistischen Ostblock penetrieren. Das ist alles bestens dokumentiert. Es scheint, als ob es jetzt um Südamerika geht." (Horacio Verbitsky)
 
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Der "richtige" Franziskus, Franziskus von Assisi, (1181? - 1226),
war wie der neue Papst qua Geburt Italiener, hieß mit bürgerlichem Namen Francesco Bernadone, lebte ab dem 25. Lebensjahr auch sehr bescheiden und war nicht von schlechten Eltern, sondern Sohn eines reichen Tuchhändlers in Assisi.

Fresco von Giotto (um 1295) in der Oberkirche von Assisi:
Francesco zieht sich vor Gericht auf dem Marktplatz nackt aus,
übergibt seine Kleider seinem Vater,
der ihn vor Gericht verklagt hatte,
und wird von Bischof Guido II von Assisi notdürftig bedeckt.
Da war Francesco etwa 25 Jahre alt,

Verklagt worden war Francesco von seinem Vater, weil er teure Stoffe aus dem Geschäft seines Vaters aus dem Fenster geworfen hatte bzw. zu Gunsten der Armen verkauft hatte. - Nach dieser Szene auf dem Marktplatz lebte Francesco als Bettler und Wanderprediger, half den armen Bauern auf den Feldern, baute mit eigenen Händen eine verlassene Kapelle wieder auf, redete mit den Tieren und verurteilte allen Besitz. Er pilgerte 1209 mit seinen Freunden Bernardo und Pietro - der Legende nach mit 12 Gefährten - nach Rom, u.a. um Papst Innozenz aufzufordern: „ Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ 

Franziskus vor Papst Innozenz III

Erfolgreich war Franziskus damit nicht.  
Immerhin wurde er nicht als Ketzer verbrannt und seine "Regel" vom Papst anerkannt. 

Auch mit seiner Pilgerfahrt im Jahr 1219 war Franziskus nicht besonders erfolgreich: Im Gefolge eines Kreuzzuges gegen die Moslems reiste Franziskus bis Palästina und schloss sich dort dem Kreuzfahrerheer an, das auf dem Weg nach Ägypten war. In der Nähe von Damiette an der Nil-Mündung predigte er im Lager des muslimischen Heeres vor dem Sultan Al-Kamil. Diese Begebenheit ist auch in außerfranziskanischen Quellen belegt. Bei dieser Begebenheit verfolgte er drei Ziele: Erstens wollte er den Sultan zum Christentum bekehren, zweitens, wenn nötig, als Märtyrer sterben und drittens Frieden schaffen. - Immerhin wurde er auch hier nicht von den Muslimen getötet: Der Sultan schenkte Franziskus ein Signalhorn und war sehr beeindruckt von der Begegnung mit dem Bettelmönch, doch Franziskus konnte die bevorstehende Schlacht nicht verhindern und der Kreuzzug insgesamt wurde fortgeführt.

Franziskus holte sich auf diesem Kreuzzug noch eine unheilbare Augen-Infektion, zog sich in Italien von seinen Gefährten zurück, lebte als Einsiedler in einer Höhle, lief auch im Winter barfuß, fügte sich selber die Wundmale Christi an Händen und Füßen zu und starb auf Grund des vielen Fastens abgemagert und ausgezehrt. Zuvor hatte er sich von seinen Gefährten erbeten, nackt auf den Boden gelegt zu werden. 

Im Testament, das er hinterlassen hat,
bekräftigt Franziskus noch einmal, was der Inhalt seines Lebensentwurfs war: seinen Gehorsam gegenüber der Kirche, dass er aber auch ohne jeden Mittler, allein durch eine unmittelbare Offenbarung Gottes dazu gekommen sei, gemäß dem Evangelium zu leben, und dass sein absoluter Verzicht auf jede Form von Besitz verbindlich sei und von niemandem minimiert werden dürfe.



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Papst Franziskus ist Jesuit - kein Franziskaner.
 

Wenn Papst Franziskus dem Testament des Heilgen Franziskus - dieser wurde schon weniger als 2 Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen - folgen würde, dann gäbe es Einges aus den Fenstern des Vatikans zu werfen:


"Offiziell verfügt der Vatikan über ein Budget von 300 Millionen Euro im Jahr - so viel wie ein mittelständisches Unternehmen. Insgesamt schätzen Experten den Umsatz der katholischen Kirche weltweit auf das Tausendfache: 300 Milliarden Dollar - irgendwo zwischen Toyota und BP. Verlässliche Zahlen sind kaum zu bekommen. Für Deutschland hat der Politologe und Kirchenkritiker Christian Frerk das Vermögen der katholischen Kirche auf 270 Milliarden Euro geschätzt. Die weist das zurück: Gemeinden und Bistümer seien wirtschaftlich selbstständig. Und: Wie taxiert man den Wert des Kölner Doms? An Kirchensteuern nehmen evangelische und katholische Kirche jährlich 4 bis 5 Milliarden Euro ein."
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Aus dem Singspiel "Franz von Assisi" 
von Wilhelm Willms und Peter Janssens:

Das "Liebeslied", das Franziskus in einer großen, eindrucksvollen Szene vor Papst Innozenz dem Dritten singt.

Ich hatte eine freundin
ein schönes unberührtes
einfaches mädchen vom land ...
ich hab sie geliebt ...
und eines tages
ging meine freundin meine braut
in die stadt ...
sie hatte es satt das einfache leben ...
sie kam zu geld . .. mit reichen männern ...
sie kleidete sich in samt und seide ...
sie wohnt in einem großen protzigen haus
in der bank de spirito santo ...
sie hat das lieben verlernt ...
sie heißt ecclesia kirche ...
Der Papst versteht.
Und dann weinen sie zusammen,
Papst und Bettler.

Siehe auch:
Die Geldwäscher des Herrn


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Spielfilm über Franz von Assisi
von Franco Zeffirell 1972