Freitag, Dezember 21, 2018

Amazon im Cyber-Valley in Tübingen? Vielleicht. - In New York: Nicht


New York: 
"Hey-hey, ho-ho, Amazon has got to go“ und – prägnanter – „Fuck off Amazon“: Diese Rufe waren seit Mitte November vergangenen Jahres immer lauter geworden in New York. Sie ertönten auf der Straße, in Kirchen und Synagogen, bei Kuratoriumssitzungen der staatlichen City University of New York, bei Versammlungen von Mieterinitiativen und Gewerkschaften und im Sitzungssaal des Stadtrats. [...]
Amazon wollte Milliarden in Long Island City investieren und kündigte an, dort 25.000 Arbeitsplätze entstehen zu lassen. Zugleich aber handelte der Konzern Steuernachlässe in Höhe von drei Milliarden Dollar aus sowie zusätzliche öffentliche Gelder in Form von Infrastrukturmaßnahmen, wie dem Bau eines Hubschrauberlandeplatzes. Es wären die höchsten Subventionen geworden, die New York je einem Konzern gezahlt hat. [...] Nach drei Monaten, hat er aufgegeben. Anfang Februar 2019 kündigte Amazon an, dass er das geplante neue Hauptquartier im New Yorker Stadtteil Long Island City nicht eröffnen werde. Begründung: die langfristige Unterstützung durch Politiker fehle.
[Der ganze Artikel und Quelle]
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Das Tübinger Cyber-Valley liegt auf einem Berg. Und dort, auf der Oberen Viehweide, wo schon lange kein Vieh mehr weidet, möchte (u.a.) Amazon ein Grundstück erwerben, um dort zu bauen und zu forschen.
"Ralf Herbrich, Leiter der weltweiten KI- [Künstliche Intelligenz] Aktivitäten des Amazon-Konzerns, war eigens nach Tübingen gekommen, um auf dem Symposium zu sprechen. Doch viel mehr als Allgemeinplätze über die Bedeutung der Kundschaft für Amazon hatte er nicht zu bieten. Kein Wort darüber, was Amazon konkret vorhat, wie das Unternehmen bei Kooperationsprojekten mit Patenten und Publikationspflichten umgehen will oder ob die Firma in Tübingen vielleicht sogar Steuern bezahlen wird." (Quelle: Schwäbisches Tagblatt 17.9.2018)





"
Quelle

  • Der Gemeinderat der Stadt hat Amazon ein Grundstück dort als Option reserviert.
  • Der Tübinger OB Palmer möchte den finanzstarken US-Konzern gerne in die Stadt holen.
  • Studierende halten aus Protest seit einiger Zeit [seit 29.11.2018] einen Hörsaal unten im Tal besetzt.
  • Die Universität duldet das und hat bisher nicht räumen lassen.
  • Statt dessen gab es erst einmal am 18. Dezember (2018) eine öffentliche Diskussion in einem rappelvollen Hörsaal 25 just über dem besetzten Hörsaal 21. 
  • Ohne diese illegale Besetzung hätte dieser Diskussions- und Informationsabend wohl nie stattgefunden. - Die Besetzung als notwendige Maßnahme zur Herstellung von Transparenz und Öffentlichkeit, bevor der Gemeinderat in Kürze eine weitere Entscheidung treffen will und muss.











 Was fragen und sagen die BesetzerInnen?
  • „Was soll die Uni Tübingen sein:die wissenschaftliche Legitimation für rückschrittliche, technokratische Ingenieursideologie – dafür steht Amazon –
  • oder eine Hochburg für fortschrittliche, kritische Wissenschaft? 
  • Gegen ersteres kündigen wir massiven Widerstand an.“ [...]
  • „Wenn Sie weiterhin mit Amazon zusammenarbeiten – einem Unternehmen, dessen Zukunftsvisionen zutiefst 
  • antidemokratisch, 
  • unsozial 
  • und totalitär sind –,
dann kommen wir nicht zusammen.“
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Wissenschaftsministerin vorgeführt
Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer besuchte Cyber-Valley uns "ließ sich gestern vorführen" (schrieb das Schwäbische Tagblatt am 26.10.2018). ---
Ließ sich vorführen? Ja, "ließ sich vorführen, was die menschliche und künstliche Intelligenz [KI] schon alles zustande gebracht hat." [a.a.o.]
„Bis 2030 will China“, warnte Bauer, „die weltweit führende Nation für KI werden.“ [...] Zwischen den rein marktgetriebenen Silicon Valley-Unternehmen und dem autoritären chinesischen Modell müsse Europa einen eigenen Weg finden. „Wir werden keine Anstrengungen scheuen, das zu erreichen“, versicherte Bauer. [...] Tübingen zähle inzwischen zu den zehn wichtigsten KI-Standorten der Welt, meinte Prof. Bernhard Schöllkopf, Direktor am Max-Planck-Institut [MPI] für Intelligente Systeme und einer der weltweit angesehensten KI-Forscher. Zehn neue Forschungsgruppen habe man im Cyber Valley-Verbund etabliert, mit Peter Dayan einen absoluten Spitzenforscher nach Tübingen geholt (als Direktor am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik), und eine Research School geschaffen, die bei Studierenden so begehrt sei, dass nicht einmal jeder zehnte Bewerber genommen werde. [Quelle: a.a.O.] 
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Die Diskussion im Hörsaal

Die ForscherInnen weisen - wie die Ministerin - immer wieder darauf hin, dass u.a. die USA und China sowieso forschen.

Erstens:
Wenn "wir" (Europa, Deutschland, Tübingen ...) - zum Beispiel -  das autonome Auto nicht entwickeln, werden es die Anderen (USA, China, Indien vielleicht ...) trotzdem tun. Sie werden uns wissenschaftlich abhängen, "wir" werden in der weltweiten Forschung hinterher hinken. Und "wir" werden zudem wirtschaftlich abgehängt werden: Arbeitsplätze in der Wissenschaft, der Forschung, der Lehre, der Ausbildung, der Produktion, im Handel ... würden verloren gehen. --- Derzeit sei Tübingen ein weltweit führender Standort, was Maschinelles Lernen betreffe DER führende Standort in Deutschland, so Frau Prof. Ulrike Luxburg.  Industrie und Wirtschaft suchen händeringend Fachkräfte - Wir bilden sie aus, deshalb bekommen wir finanzielle Unterstützung von den Konzernen.  (Etwas Stolz auf Tübingen kann ebenso wenig schaden wie die Jobsicherung.)

Und Zweitens:
Man kann so viele praktische und gute Dinge mit der Künstlichen Intelligenz tun: Die ChinesInnen können mit ihrem "social scoring" und den vielen Kameras an jeder Straßenecke sehen, wer bei rot über die Ampel geht oder auf die Straße spuckt. Die Kameras können Gesichter erkennen und angeblich sogar die sexuelle Orientierung des dazu gehörigen Menschen; zumindest möchte man das gerne können. Außerdem:
  • Autos können alleine fahren; und wenn die KI [Künstliche Intelligenz] "robust" genug sein wird, dann kann das Auto auch lesen, ob auf dem Verkehrsschild Tempo 30 oder Tempo 70 steht; und das Auto könnte dann endlich unterscheiden, ob eine Frau in weißer Bluse gerade die Straße überqueren will oder ob der Wind nur eine weiße Plastiktüte über die  Straße weht, ob es bremsen muss oder Gas geben kann. 
  • KI kann Krankheiten in der Uni-Klinik besser diagnostizieren besser als der junge Assistenzarzt; denn Letzterer hat noch nicht viel Ahnung [Protest im Saal], der Algorithmus aber kennt unzählige Symptome aus der ganzen Welt und ist daher der bessere Diagnostiker und kann Vorschläge zur Diagnostik machen. 
  • Krebs könne besser erkannt werden. 
  • Die Welternährung könne verbessert werden, weil der Dünger gezielter und besser dosiert platziert werden könne, der Einsatz von Pestiziden verringert.
  • Medikamente können passgenauer verabreicht werden: Nicht mehr jede/r bekommt die gleiche Pille, sondern jede/r seine eigene persönlich zugeschnittene Dosis und den persönlichen Wirkstoff (personalisierte/individualisierte Medizin). 
  • ArbeitgeberInnen können jeder Person den genau auf sie zugeschnittenen Job anbieten, 
  • die Sparkasse kann die Kreditwürdigkeit des Kunden genauer einschätzen. Die bewaffnete Drohne kann zielgenauer treffen ... .
  • (Schritt für Schritt ins Paradies mit KI.)

Und Drittens:
Die Frage der Philosophie und der Ethik. Das können die in den USA nicht, und schon gar nicht China, Konfuzius hin oder her. China ist eine Diktatur, die USA sind nur an "Mach Geld, mach mehr Geld!" interessiert. Aber "wir" in Europa/Deutschland - okay: zumindest in Tübingen - haben einen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat, ein Weltethos-Institut und sind berühmt für unsere verstorbenen und lebenden PhilosophInnen (Ernst Bloch und so... . - Kurz gesagt: WIR sind die Guten.) - "Schade war, dass die militärischen und geheimdienstlichen Interessen an der KI-Forschung gar keine Rolle spielten. Da hätte man gern mehr erfahren." 

Und außerdem:
  • Die Uni Tübingen habe eine "Zivilklausel", so dass militärische Forschung nicht möglich sei.
  • Wohnungsnot in Tübingen gebe es so und so, mit und ohne Cyber-Valley, es müsse unbedingt gebaut werden.
  • Machine Learning solle das Lernen in allen Wissenschaften unterstützen, auch in den Geisteswissenschaften.
  • Ethik und Philosophie seien integrale Bestandteile der Tübinger Forschung.
  • Nicht-diskriminierende Lernverfahren sollen erforscht werden, die zudem die Privatspäre wahren.
  • Konzerne wie Amazon und Google müssten durch die Gesetzgebung reguliert werden; Verbote würden weniger bringen als eine positive Lenkung der Forschungsgelder in die gesellschaftlich gewünschte Richtung. Facebook sei "schlimmer" als Amazon.
  • Rektor Engler: Wir brauchen die Maschinen des Machine Learning, um z.B. die Menge der Daten, die in der Medizin-Forschung anfallen, analysieren zu können.
  • Rektor Engler: Die Uni werde ab 2019 eine neue Stiftungs-Professur haben:"Am neu einzurichtenden Tübingen Center for Advanced Studies (TüCAS) der Universität Tübingen wurde eine "Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur" (W3) für Theorie und Geschichte der Wissenschaften mit breiter fachlicher und interdisziplinärer Ausrichtung geschaffen.
    Die Inhaberin/ der Inhaber dieser Professur soll den Bereich der Wissenschaftstheorie in Forschung und Lehre vertreten. Dabei sollen neben philosophischen auch historische, soziologische und gesellschaftliche Fragestellungen adressiert werden, die sich aus den Herausforderungen der modernen globalisierten und technisierten Welt ergeben. Erwartet wird ein möglichst breites fachliches Profil mit einer starken internationalen Ausrichtung." _________________________________

06.06.2018 Pressemeldung Bosch Gruppe
Cyber Valley: Spitzenforscher Matthias Hein übernimmt Bosch-Stiftungslehrstuhl - Universität Tübingen und Bosch
arbeiten eng zusammen
Hein forscht künftig an der Universität Tübingen im Bereich maschinelles Lernen
Bosch finanziert den Lehrstuhl mit 5,5 Millionen Euro
Bosch-Experte für künstliche Intelligenz übernimmt „Industry on Campus“-Professur in Tübingen
(https://www.bosch-presse.de/pressportal/de/de/cyber-valley-spitzenforscher-matthias-hein-uebernimmt-bosch-stiftungslehrstuhl-160576.html)

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Ja, es ist gut,
wenn Arbeitsplätze gesichert werden, wenn Deutschland ein guter Wissenschaftsstandort ist oder bleibt oder wieder wird, wenn Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden, wenn Krankheiten gut diagnostiziert und behandelt werden können, wenn Verbrecher auf der Straße erkannt und verhaftet werden, wenn jeder Mensch genug zu essen hat ... . -Dazu kann wissenschaftliche Forschung beitragen, wenn sie von der Gesellschaft und der Gemeinschaft kontrolliert wird, wenn auch ethisch dikutiert wird, wenn Unis vom Staat großzügig finanziell ausgestattet werden, wenn Forschung sich nicht am privaten Maximal-Profit oder an der Gier von AktieninhaberInnen orientiert ... .
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Die Besetzer

Alle Versuche, in Tübingen Transparenz und Öffentlichkeit zum Thema Cyber-Valley (Briefe, Flugblätter, Demonstrationen...) seien bisher ins Leere gelaufen. Erst die Besetzung des Hörsaals habe - kurz vor einer anstehenden Entscheidung des Gemeinderates - endlich für die nötige Aufmerksamkeit gesorgt. Uni-Rektor Engler: Die Universität akzeptiert das öffentliche Interesse und lässt nicht räumen.
  • "Nichts gegen die KI-Forschung" an sich; aber die Zivilklausel reiche - wie sich erwiesen habe - nicht aus. Siehe zum Beispiel:
      • Warum kein Amazon? Amazon verwalte die Cloud des CIA.
        Amazon werde zukünftig dafür zuständig sein, das US-Verteidigungsministerium (Pentagon) in Sachen KI fit zu machen.
      • Amazon plant, selber Pharmakonzern und Krankenversicher zu werden. 
      • Amazon sei schon jetzt zu groß, um von einem Land reguliert zu werden; es sei ja noch nicht einmal möglich, Amazon dazu zu bewegen, Steuern zu zahlen.
      • Auch die Zahnradfabrik Friedrichhafen ZF, die eine Partnerin des Tübinger Cyber-Valley ist, stelle in Zusammenarbeit Motoren für Panzer, Kriegsschiffe und -Flugzeuge her. ...

      Quelle
      • KI [Künstliche Intelligenz] sei nicht das Mittel der Wahl, um Welternährungsprobleme zu lösen. Das gesammelte Wissen, die Schwarm-Intelligenz  einer Versammlung der Kleinbauern der Welt, könne vermutlich mehr beitragen als die KI. 
      • Bei einem Rüstungs-Etat Deutschlands von 60 Mrd. Euro sollte und könne man auch Unis so gut ausstatten, dass sie nicht mehr auf private Geldgeber angewiesen sind. 
      • ... 
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      Das österreichische Nachrichtenmagazon
      "Hintergrund"

      Der These
      "besser wir forschen als die USA und China, denn: Die USA denken nur an Geld und Profit, China ist eine Diktatur, aber wir (Europa/Deutschland) haben die Freiheit der Forschung, Ethik&Philosophie, Zivilklauseln, einen Rechtsstaat, Freedom and Democracy, Gewaltenteilung ..." setzte einer der Besetzer
      die Anti-These entgegen:
      Mag sein. Aber auch: In ganz Europa gibt es einen Rechtsruck (Italien, Österreich, Ungarn, Polen ...); in Deutschland selber gibt es rechtsradikale Milieus sowohl in der Polizei als auch in der Bundeswehr; Rechtsradikale sitzen wieder in deutschen Parlamenten. Auf unsere Demokratie ist kein Verlass.
      Synthese: ... ?

      Quelle
      Siehe auch: 
      Künstliche Intelligenz und Künstliche Dummheit ?

      Nachtrag: BOSCH und Deutsche Konzerne
      Einst soll Robert Bosch (1861-1912) gesagt haben: "Lieber Geld verlieren als Vertrauen". Heute ist das anders, sagte jüngst ein Bosch-Mitarbeiter.  BOSCH hat den Autokonzernen geholfen, zu lügen und zu betrügen, wenn es um die Emissionen ihrer Diesel-Autos ging. Bosch hat betrogen, Audi hat betrogen, VW hat betrogen, Porsche hat betrogen, Daimler hat betrogen, die Deutsche Bank hat betrogen ... . - So viel zur Ethik in Deutschland. Erst kommt der Profit - und dann die Moral. Auch in Deutschland. ---

      Freitag, Dezember 14, 2018

      KI: Künstliche Intelligenz und Künstliche Dummheit - nebst Klimawandel


      "Es gibt drei zentrale Zukunftsfragen für die Bewahrung der liberalen Demokratien" sagt Yuval Noah Harari in der obigen Anzeige für die aktuelle Ausgabe von FUTURZWEI
      1. "Bremsen wir den Klimawandel?
      2. Verhindern wir einen Atomkrieg?
      3. Entwickeln wir eine gesellschaftliche und politische Vorstellung darüber, wie wir mit Künstlicher Intelligenz umgehen? Oder überlassen wir das dem Silicon Valley und den autoritären Chinesen?"
      Und wer ist Yuval Noah Harari? Wikipedia schreibt: Yuval Noah Harari (* 24. Februar 1976 in Haifa) ist ein israelischer Historiker. Er lehrt seit 2005 an der Hebräischen Universität Jerusalem und ist mit Forschungen zur Militärgeschichte und universalhistorischen Thesen hervorgetreten. Seine populärwissenschaftliche Monographie zur kurzen Geschichte der Menschheit wurde zu einem internationalen Bestseller.

      Es stellen sich mir zum Anzeigentext gleich mehrere denkbare Fragen, zum Beispiel:
      1. Ist die Bewahrung der liberalen Demokratien eine wichtige Menschheitsfrage, wie das hier als Allererstes vorausgesetzt wird? Und warum, wenn ja.
      2. Ist es vielleicht sogar DIE wichtigste Menschheitsfrage? Und wenn ja, warum?
      3. Oder doch gar keine so wichtige Frage? (Siehe unten)
      4. Wie ist es mit der Bewahrung oder gar erst Schaffung von sozialen Demokratien, also nicht (nur) liberalen Demokratien? 
      5. Wie ist das mit dem Klimawandel? Ja, es gibt ihn, auch wenn ihn manche leugn(et)en. Und er ist u.a. für Inselstaaten und Küstenstaaten  eine einleuchtende und anschauliche wichtige Zukunftsfrage. 
      6. Ob er, der Klimawandel,  menschengemacht ist, das ist noch nicht so ganz ausgemacht. Oder? - Vielleicht ist es nur "der aktuell gültige Irrtum" der Wissenschaft? ---
        "Ein Irrtum ist eine falsche Annahme, Behauptung, Meinung oder einen falschen Glauben, wobei der Behauptende, Meinende oder Glaubende jeweils von der Wahrheit seiner Aussage überzeugt ist. Abgrenzung zur Lüge: Im Gegensatz zu einer Lüge, bei der die Wahrheit bewusst verfälscht worden ist, entsteht ein Irrtum unabsichtlich aus falschen Informationen oder Schlüssen. Im weiteren Sinne wird der Begriff des Irrtums auch auf nichtsprachliche Handlungen angewandt, insofern sie aus einer als wahr angenommenen falschen Behauptung, Meinung oder einem falschen Glauben resultieren." [Quelle]
        Trump (- Klimalüge- ) hat den Klimawandel als Erfindung der Chinesen bezeichnet, mit dem Ziel, den USA wirtschaftlich zu schaden. Im Juni 2018 kündigte er den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen an. [Quelle]   Okay: „Trump ist ein Idiot“ soll John Kelly,  Ex-Stabschef und Ex-zweitwichtigster Mann im Weißen Haus über seinen Chef Donald Trump gesagt haben: Es sei sinnlos, ihn von irgendetwas überzeugen zu wollen.“ ---
        Dass Trump sowie andere Kreise bestreiten, dass der Klimawandel menschengemacht sei, ist kein stichhaltiges Argument dafür, dass er, der Klimawandel, menschengemacht ist.
      7.  Atomkrieg: Okay. Sicher eine wichtige Zukunftsfrage. Wer von einem Atomkrieg betroffen ist, hat wohl wenig Zukunftschancen. 
      8. Und die künstliche Intelligenz? Die Alternative ist in der Anzeige wohl falsch gestellt: "Oder überlassen wir das - wie wir mit Künstlicher Intelligenz umgehen - dem Silicon Valley und den autoritären Chinesen?" --- 
      9. Wer ist hier "wir"?
      10. Ist es nicht egal, ob die USA, China, Wir [okay, wir sind die Guten, klar!] oder sonst-wer eine Vorstellung entwickelt. Wichtiger ist doch die Frage, wie die Vorstellung aussieht. Und wem sie nützen und/oder schaden würde.
      11. Und selbst wenn wir [Wer ist wir - und wenn ja wie viele?] eine Vorstellung entwickeln würden: Wen interessiert das? Wer würde sie umsetzen wollen? Umsetzen können. - Okay: Beim Durchsetzen wäre China sicher ganz groß...
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      Apropos Klimawandel

      1. UN-Klimakonferenz Mitte Dezember 2018 in Kattowitz: 

      Vorn auf dem Podium präsentiert sich die Elite der Klimawissenschaft: der Vorsitzende des UN-Klimarats (IPCC), Hoesung Lee, und der Chef der UN-Behörde für Meteorologie, Petteri Taalas. Der projiziert in schneller Folge Diagramme an die Wand: steiler Anstieg der CO2-Emissionen, Schmelzen der Eisflächen, steigende Meeres­spiegel. Das Publikum gruselt sich. Karsten Hilse glaubt kein Wort. Der AfD-Bundestagsabgeordnete aus Sachsen ist zur Klimakonferenz gekommen, um sich einmal anzusehen, was er bekämpft. Seit einem Jahr hat er sich im Bundestag als radikalster Leugner des menschengemachten Klimawandels profiliert, in seinen Reden poltert er gegen den „Irrsinn“ des Klimaschutzes, für ihn eine „Doktrin, für die Hunderte von Mil­liarden Euro nutzlos ausgegeben werden“. [Quelle

      2. Nordeuropa 1100 n.Chr.:

      Für die Bauern Nordeuropas war die mittelalterliche Warmzeit von ca. 1000-1300 n.Chr. ein wahrer Segen. Das Land östlich der Elbe, Ostelbien, war immer ein Niemandsland gewesen, bewohnt von heidnischen Slawenstämmen ("Wenden"), eine raue, kalte abgelegene Gegend voller Sümpfe. Die durch die Warmzeit längeren Vegetationsperioden ließen diese Gegend als potentielles Ackerland verlockend erscheinen und führte zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion. Zwischen Elbe und Weichsel entstand ein koloniales Deutschland. Nach Abklingen der Warmzeit und der nachfolgenden Kleinen Eiszeit erschien das Land östlich der Elbe wieder randständig. [Quelle. Jame Hawes, a.a.O. S. 66, 79, 100]


      • Ja, ob menschengemacht oder nicht: Das Klima bestimmt das Schicksal von Menschen und den Verlauf der Geschichte (mit).
      • Heute können die Menschen - anders als im Mittelalter - ganz offensichtlich ein Stück weit mit beeinflussen, in welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit das globale Klima sich wandelt. Zumindest probieren sie es. Sollten sie es?
      Quelle
      Auch beim Klimawandel wird gelten: Was dem Küstenstaat seine Eule ist, ist einem anderen Staat vielleicht seine  Nachtigall:
      Syvia Pantel zum Beispiel, stellvertretende Sprecherin des Berliner Kreises der CDU, des rechten Flügels, in dem auch Alexander Gauland war, bevor er zur AfD wechselte, meint zum Thema Eule und Nachtigall: Der Treibhauseffekt werde übertrieben. „Chancen wie die eisfreie Nordpassage, neue Fischfangmöglichkeiten und Rohstoffabbau“ seien „vermutlich größer als mögliche negative ökologische Effekte“.[Quelle]


      Siehe auch:

      Quelle
      Quelle
      Nir Joseph Shaviv,  * 6. Juli1972 in Ithaca, New York, israelisch-amerikanischer Physiker. Er ist Professor am Racah Institut für Physik der Hebräischen Universität Jerusalem.  Shaviv bestreitet den menschengemachten Klimawandel, ist in verschiedenen Klimaleugnerorganisationen aktiv und gilt als einer der Stars der internationalen Klimaleugnerszene. [Dazu auch Wikipedia
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      Und die künstliche Intelligenz/Dummheit?
      Googeln Sie einfach mal nach "Künstliche Dummheit": Sie werden eine Menge Artikel finden...


      Da von Intelligenz die Rede ist,
      könnte man auch an eine Universitätsstadt denken, wie zum Beispiel Tübingen.
      Und wohl (auch) deshalb - wegen der vermuteten und vorhandenen Intelligenz in Universitätsstädten - möchte die Firma Amazon im sogenannten Tübinger Technologiepark ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für bis zu 200 Beschäftigte errichten. "Die Gesellschaft [also der Technologiepark] fördert vor allem Unternehmen der Biotechnologie und Medizintechnik. Sie berät Existenzgründer und Hochschulabsolventen und vermietet Labor- und Bürofläche."

      Tübingen: DIE Stadt des Geistes und der Intelligenz:
      Quelle: Schwäbisches Tagblatt 15.12.2018

      Der Gemeinderat der Stadt meint zu der Idee, AMAZON vor Ort ein Grundstück zu verkaufen:
      • Die Fraktion AL/Grüne legte einen Antrag vor, der eine Selbstverpflichtung der Cyber-Valley-Partner auf ethische Standards in der Forschung zu Künstlicher Intelligenz (KI) fordert. Bei deren Entwicklung sollten die ortsansässigen „Koryphäen der Ethos-Forschung“ wie das Weltethos-Institut oder das Zentrum für Ethik in den Wissenschaften einbezogen werden.
      • Die Linke erneuerte ihre grundsätzliche Ablehnung des Cyber-Valley-Konzepts. Man brauche in Tübingen keine Kopie des Silicon Valley mit dessen sozialen Folgekosten.
      • Aus den übrigen Fraktionen kamen ausschließlich zustimmende Stellungnahmen zum Amazon-Vorhaben. Man habe im Wissenschaftspark Partner, die sich der ethischen Dimension ihrer Forschungen sehr bewusst seien. Man sei außerdem an die Zusage gegenüber Amazon gebunden.
      • Für Antworten auf ethische Fragen oder auch die Tarif- oder Steuerpolitik eines Unternehmens tauge das Thema einer Grundstücksoption nicht.
      • Die SPD sagte u.a., man stehe an der Seite der Gewerkschaften, wenn es um Tariflöhne bei Amazon gehe, und fordere die Finanzminister in Europa auf, endlich gegen die Steuerflucht solcher Unternehmen vorzugehen. Dies könne aber nicht bedeuten, bei der dringend notwendigen KI-Forschung „auf der Bremse zu stehen“. [Quelle: a.a.O.]
      Im Januar 2019 soll ein Gespräch mit dem ebenfalls in Tübingen ansässigen Max-Planck-Institut stattfinden:

      Quelle
      Die wichtigsten Punkte zum Thema sind damit wohl auf dem Tisch?
      • Internationale Konkurrenz (statt internationaler Kooperation) auf dem Weltmarkt in Wirtschaft und Forschung. 
      • Wer macht den "Deal"? Wer ist am schnellsten? Wer verdient sonst noch mit, und ist das gut so?
      • Wer kann und soll und darf investieren (Privatfirmen oder die öffentliche Hand)? Wer hat das Geld dazu? Wer verdient letztlich das Geld unterm Strich damit?
      • Grundstücksgeschäfte vor Ort.
      • Ethische Fragen /Welt-Ethos. Was genau soll da eigentlich erforscht werden, und ist das gut so und für wen und warum?
      • Das Geschäfts-Gebaren von Unternehmen, mit denen eine Kommune vor Ort (oder im Land) einen "Deal" macht. (Tarifpolitik, Steuerflucht...)
      • ...

      Konkret bei Amazon sieht das dann in Wikipedia so aus:
      Quelle
      Siehe auch:
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      Jaron Lanier, Jahrgang 1960, ist ein US-amerikanischer Informatiker und betrieb in den 1980er Jahren ein Unternehmen zur Entwicklung und Vermarktung von Virtual-Reality-Anwendungen. Im Herbst 2014 erhielt er den Friedenpreis des Deutschen Buchhandels.
      a
      Er lebt in Berkeley/Kalifornien. Aus seiner Sicht hat die Internettechnologie zwei Klassen geschaffen: Diejenigen, die die Maschinen besitzen oder nah dran sind – und die anderen. Die Künstliche Intelligenz, und nur darum geht es hier, schiebe zunehmend Menschen raus aus dem Kreis derer, die dazugehören.
      • Künstliche Intelligenz ist für ihn ein anderes Wort für „Diebstahl“. Die Maschine braucht und stiehlt die Daten des Menschen und erklärt ihn gleichzeitig für überflüssig.
      Das sei die alles zerstörende Geschichte des Silicon Valley. Menschen, die sich überflüssig fühlen, nicht mehr gebraucht werden und nicht mehr dazugehören: Das könnte die alles zerstörende Geschichte des 21. Jahrhunderts sein. Wenn wir nicht schleunigst eine andere finden. [Quelle]

      Samstag, November 10, 2018

      Als die Sozialdemokraten noch wussten, was sie wollen wollten




      Was die SozialdemokratInnen (im weiteren Sinne) wollte, das waren einmal:
      1. politische Forderungen (Ende der Monarchie > Einrichtung einer Republik, ... "die Erkämpfung der Demokratie“)
      2. und dazu soziale Forderungen.
      3. Ergab zusammen: Soziale Demokratie. 
      Zu diesen Forderungen gehörten - je nach Jahrhunder (19. oder 20. Jahrhundert) und je nach Land (z.B. Russland oder Deutschland): 
      • Ende der Monarchien (der Zar muss weg, der Kaiser muss weg, der König von Bayern muss weg...) (1918)
      • Frauen-Wahlrecht (1918)
      • Beendigung des Zölibats für Lehrerinnen (1918)
      • Bodenreform; Enteignung des Grundeigentums an Grund&Boden, um den Bauern eigenes Land zu geben, sie aus der Leibeigenschaft zu befreien ... . "Land und Freiheit"
         

      • Allmähliche Beseitigung des Unterschieds zwischen Stadt und Land
      • Auch die Produktionsmittel in die Hand der Gesellschaft legen statt in Privatbesitz...
      • Starke progessive Besteuerung von Einkünften und Vermögen zugunsten sozialer Maßnahmen durch den Staat (Sozialstaat...)
      • Einrichtung eines Ministeriums für soziale Fürsorge (1918)
      • Kostenlose Schulbildung
      • Abschaffung der Prügelstrafe in den Schulen (1918)
      • Säkularisierung der Lehrpläne(1918)
      • Abschaffung der Kinderarbeit, bzw. deren Einschränkung (z.B. nicht sonntags, nicht nachts, nicht mehr als 10 Stunden täglich ...)
      • Verkürzung der Arbeitszeit auch für Erwachsene. 8-Stunden-Tag. "Sonntags gehört Vati mir!" 40-Stunden-Woche, 35-Stunden-Woche ...


      • Gesetzliche Kündigungsfrist
      • Koalitions-Freiheit: Arbeiter dürfen sich zu Gewerkschaften zusammenschließen, Betriebsräte bilden (1918)
      • Jahres- Urlaub
         
         
      • Brot und Frieden! (1918 in Deutschland und Russland)
        • (1918, mitten im Krieg legten Waffenschmiede ihre Arbeit nieder, um für Brot und Frieden zu demonstrierten - allerdings gegen den Willen der Führer aus Gewerkschaften und SPD.
        • Und zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914 bis 1918) stimmte die SPD-Reichstagsfraktion für die Kriegskredite. Schritt für Schritt entwickelte sich jedoch eine Opposition, die in der 1917 gegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD), im Spartakusbund um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und bei den Gewerkschaften.
      Nichts davon wurde "von oben gewährt", alles wurde erkämpft, 
      • durch Revolutionen (z.B. 1848, 1918 im Februar in Russland und im Herbst in Deutschland) 
      • und durch Streiks von Frauen und Männern. 
      • Manchmal gingen die Frauen voran (Februarrevolution 1918 in Russland, Streiks in den deutschen Munitionsfabriken 1918).
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      • Vieles wurde erreicht.
      • Manches wurde noch nicht erreicht.
      • Manches von dem Erreichten wurde in Deutschland ausgerechnet unter der Mit-Regierung von SozialdemokratInnen wieder rückkgängig gemacht: 
      Deutschland zog mit der Sozialdemokratie wieder in die ersten Kriegseinsätze (Schröder/Fischer...), schaffte Vermögenssteuern ab, reduzierte die Einkommens-Steuer, deregulierte die Finanzmärkte und erlaubte wieder den Verkauf von Schrottpapieren (Derivate...),  führte prekäre Jobs ein, deren Lohn nicht zum Leben reicht ("Arbeitsmarkt-Reform"), trieb die Altersvorsorge der Menschen in die Hände von privaten Versicherungs-Konzernen (Riester-Rente...). Das Wort "Reform" wurde zum Horror.


      Es gibt also gar keinen Grund sich über den Niedergang der sozialdemokratischen Parteien zu wundern. Warum soll jemad sie wählen, wenn sie nicht mehr sozial-demokratisch sind?
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      Dabei haben sich inzwischen auch neue mögliche soziale und demokratische Forderungen ergeben, an die im 19. und 20 Jahrhundert z.T. noch niemand denken konnte:

      Denn: Die kapitalistische Marktwirtschaft zerstört sich gerade selbst. Das sagen nicht nur Sahra Wagenknecht oder Jean Ziegler, das sagen auch der Starökonom Nouriel Roubini oder der milliardenschwere Investor Warren Buffett und neuerdings sogar OECD und IWF.


      Deshalb zum Beispiel:
      • Finanzmärkte könnten wieder und mehr reguliert werden.
      • Steuern könnten auf jede finanzielle Transaktion an den Börsen (Transaktionssteuer, Tobin-Steuer) erhoben werden.
      • Die Löhne müssten wieder steigen.
      • Die EU müsste reformiert, (demokratisiert und sozialisiert) werden. Eine Sozial-Union und nicht nur ein Europa der Konzerne und des Geldes. 
      • Green Deal (wobei sich um Green schon Die Grünen kümmern, doch beim Deal klemmt es noch gehörig (Was tun mit den Braunkohle-Arbeitsplätzen?)


      Quelle

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      Montag, August 27, 2018

      Chemnitz und anderswo: "Wir jagen sie"

      "Polizeiruf 110" in der ARD vom 18.8.2018 - exakt eine Woche vor der Jagd auf Nicht-Weiße in Chemnitz:
      Vier Jugendliche (er-)schlagen in München einen farbigen Mann muslimischer Herkunft, der ein deutsches weißes Mädchen mit einem Messer bedrängt und bedroht haben soll. - Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels versucht die Vorgänge zu klären und gerät dabei in einen Sumpf von Halbwahrheiten. ...
      In Chemnitz fing alles damit an, dass BILD berichtete, ein Ausländer habe eine deutsche weiße Frau mit einem Messer bedrängt und erstochen: Die halbe Wahrheit. Das Opfer war ein männlicher Deutsch-Kubaner. 
      King Kong und die weiße Frau
      Deutscher Originalverleihtitel vom Jahresende 1933:
      Die Fabel von King Kong.
      Der Film startete am 1. Dezember 1933
      in den deutschen Kinos.

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      Im Polizeiruf-Film galt immerhin noch die Gewaltenteilung, man ging zur Polizeiwache, um die genauen Tat-Vorgänge zu klären (auch das endete allerdings böse); in Chemnitz griffen 800 oder 1000 Menschen nach einem Aufruf ultra-rechter Netzwerke gleich zur Selbstjustiz . AfD Bundestagsabgeorneter Markus Frohnmaier fand das hinterher gut so und twitterte: “Heute ist es Bürgerpflicht, die todbringendendie ‘Messermigration‘ zu stoppen!” Und: “Wenn der Staat die Bürger nicht mehr schützen kann, gehen die Menschen auf die Straße und schützen sich selber. Ganz einfach!” [Quelle]

      Die Polizei war überfordert. Die Polizei in Chemnitz war auch am Abend darauf wieder überfordert.

      Mich erinnert das an die Bürgerrechts-Bewegung (Martin Luther King, Malcolm X ...)in den USA der 1950er und 1960er Jahre, als die Polizei in den Südstaaten der USA sich ebenfalls "überfordert"(?) zeigte, die neuen Bürgerrechts-Gesetze  umzusetzen. Der US-Präsident sah sich genötigt, Bundestruppen, die Nationalgarde, in die Südstaaten zu entsenden, um dort Recht und Gesetz auf der Straße durchzusetzen. Die Polizei in den Südstaaten war überfordert, weil sie selber mit Rassisten durchsetzt war. Wenn bei den letzten Bundestagswahlen (2017) die AfD mit 27% der Stimmen stärkste Partei in Sachsen wurde, kann man wohl davon ausgehen, dass auch innerhalb der sächsischen Polizei das AfD-Gedankengut entsprechenden Zuspruch findet.
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      September 2017
      Quelle
      "Da wir ja nun offensichtlich drittstärkste Partei sind, kann sich diese Bundesregierung (…) warm anziehen. Wir werden sie jagen, wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen – und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen."  
      Alexander Gauland nach dem Einzug der AfD mit rund 13,4 Prozent in den Bundestag Ende September 2017. ___________________________________________________

      Sonntag, 26.8.2018, Menschenjagd in Chemnitz

      Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz sind hunderte Rechtsradikale durch die sächsische Stadt gezogen; die Polizei sprach von 800 Menschen, die sich am Sonntag gegen 16.30 Uhr versammelten. Auf Facebook hatte eine Ultra-Gruppe des Chemnitzer FC das Motto ausgerufen:  
      „Zeigen, wer in der Stadt das Sagen hat.“
      Dem kam die Menge nach und veranstaltete regelrechte Jagdszenen auf Migranten, wie Nutzer auf Twitter schrieben. In einem Video ist zusehen, wie dunkelhaarige Menschen von pöbelnden Rechten gejagt werden. „Haut ab! Was ist denn, ihr Kanaken?“ [Quelle]

      • Elendes Viehzeug!
      • Das ist unsere Stadt!
      • Raus aus unsrer Stadt!
      • Wir sind das Volk!
      • Für jeden deutschen Toten einen deutschen Ausländer!
      • Merkel raus!
      • Wie die rennen, die Zecken, das gibt`s ja nicht!
      • Deine Kinder, die sollen sie mal abstechen! 
      • Das System ist am Ende - Wir sind die Wende! [Quelle AfD-Livestream]
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      „Jetzt sehen Sie, wie Jagd geht, wir sind beim Jagen“
      Gemeint war damals die Jagd auf CDU und CSU,
      um diese weiter nach "rechts" zu treiben. -

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      Ortswechsel. Rottenburg am Neckar, 2014,
      der CDU-Oberbürgermeister spricht:


      Bei einer Feier des Rottenburger Bezirksseniorenrats sagte der OB, kurz vor der Europawahl 2014, vor etwa 60 Gästen, die rechtspopulistische AfD sei brandgefährlich, und dann folgende Sätze:
      "Man sollte nicht solchen AfD-Nazis auf den Leim gehen. Die sind schlimmer als
      die NPD, denn die sagt wenigstens, was sie vorhat."
      Zwei Personen zeigten Neher an,
      und die Staatsanwaltschaft Tübingen nahm Ermittlungen auf, u.a. wegen übler Nachrede und Verleumdung. Letztendlich wurde das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 3000 Euro eingestellt: Je 1000 Euro an den Förderverein für krebskranke Kinder, die Deutsche Rettungsflugwacht und den Verein Jugend und Bewährungshilfe.
      Inaltlich sieht sich Neher weiter im Recht. Den Begriff "AfD-Nazis" hätte er jedoch besser vermieden, sagte er später, und sie Nationalisten nennen sollen.
      Im März 2018 richtete die Stadt Rottenburg die "Internationalen Wochen gegen Rassismus" aus. In einem Grußwort sagte der OB, dass das Erstarken extremer politischer Parteien ein friedliches Zusammenleben in Respekt und Toleranz gefährde. Mit der AfD sitze im Bundestag nun,
      "eine Partei bei der Ausländerfeindlichkeit und Rassismus im Programm stehen". 

      Mitte August 2018 bekommt der OB Post von der Kripo: Erneut eine Anzeige.
      Neher wehrt sich:
      "Dass die AfD populistisch gegen Flüchtlinge und Ausländer*innen Stimmung macht, ist offensichtlich, wenn die Landtagsfraktion in Baden-Württemberg unsere Landtagspräsidentin Aras aufgrund ihrer türkischen Wurzeln nicht als Präsidentin akzeptiert, wenn Herr Gauland die frühere Integrationsbeauftragte Aydan Özogus (SPD) am liebsten in Anatolien entsorgen will oder wenn Alice Weidel im Bundestag davon spricht, dass 'Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Mesermänner und sonstige Taugenichtse' nicht den Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat in Deutschland sichern." 
      Diesmal wird er kein Bußgeld zahlen, betont der OB auf Anfrage. "Ich gehe davon aus, dass das Verfahren ohne Auflagen eingestellt wird", sagt er. [Quelle]

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      Wien, 1930er Jahre. Wehrte den Anfängen.

      Unbequem war Karl Kraus vor und dann auch nach dem Ersten Weltkrieg,
      alarmiert durch die Vorboten des aufziehenden Nationalsozialismus.
      Karl Kraus war einer der gefürchtetsten Kritiker der Zwischenkriegszeit in Österreich und pflegte wichtige Gegner in seiner Zeitschrift Die Fackel publizistisch zu „erledigen“. Den Polizeipräsidenten Johann Schober, der den stark überschießenden Polizeieinsatz vom 15. Juli 1927 verantwortete, forderte er auf Plakaten zum Rücktritt auf. Plakattext: "Ich fordere Sie auf, abzutreten".
      Immer eindringlicher warnte er vor der drohenden "Entmenschlichung" nach einer möglichen Machtergreifung Hitlers, wie etwa in der Vorlesung "Hüben und Drüben" , wo er auch die sich mit dem Nationalsozialisten arrangierte Sozialdemokratie attackierte. [Quelle]


       

      Bundeskanzler Österreichs war ab 1932 Engelbert Dollfuß.

      Engelbert Dollfuß
      (*1892 in Texing, Niederösterreich; ermordet im Bundeskanzleramt am 25. Juli 1934 in Wien) war von 1932 bis 1934 Bundeskanzler, Österreichs - ab 5. März 1933 diktatorisch regierend.

      1932 auf demokratischem Weg ins Kanzleramt gelangt, nutzte der christ-soziale Dollfuß eine Geschäftsordnungskrise bei der Nationalratssitzung vom 4. März 1933 zu einem Staatsstreich. Nach der Ausschaltung von Parlament und Verfassungsgerichtshof regierte Dollfuß diktatorisch per Notverordnung. Dem italienischen Faschismus und der katholischen Kirche nahestehend, lehnte er den Nationalsozialismus deutscher Prägung, die durch die Verfassung garantierte pluralistische Demokratie, den demokratischen Rechtsstaat und die Sozialdemokratie ab. Dollfuß war Begründer des austrofaschistischen Ständestaats.
      Dollfuß hatte einen Staatssekretär für Sicheitsfragen,  Emil Fey, dem sein Kanzler nicht "rechts" genug war; Fey liebäugelte mit Hitler und dem deutschen Nationalsozialismus. -  Kurze Zeit war Fey auch Österreichs Vizekanzler, doch Dollfuß traute im zu Recht nicht so richtig über den Weg und entmachtetete ihn nach und nach immer mehr. Am 25. Juli 1934 gab es dann einen nationalsozialistischen Putsch gegen die österreichische Regierung; Fey war bei Dollfuß im Bundeskanzleramt und stand immer wieder im Verdacht, mit den Putschisten zu sympathisieren. Kanzler Dollfuß wurde von Otto Planetta und einem anderen Putschisten, vor denen er zu flüchten versuchte, je einmal angeschossen und verblutete, weil ihm die Putschisten ärztliche Hilfe verweigerten. Der sog. Juliputsch scheiterte, weil sich das Heer nicht auf die Seite der Putschisten schlug.
      Auf diesen Putsch bezieht sich die Szene aus dem Roman(!) "Die Überwindlichen" (2018):



      Karl K. [Karl Kraus] träumte, er saß in einem Raum in der Nähe von Engelbert [Dollfuß]. Der Raum befand sich in einem Palast, der Palast in der Nachbarschaft der Wiener Hofburg. [...] Aus dem Raum gingen etliche Männer hinaus. Karl K. wußte im Traum sogar, sie waren Mitglieder eines Ministerrats, Engelberts Vertraute, und jetzt verschwanden sie.
      Karl K. wollte im Traum Engelbert warnen. Er müsse vorsichtig sein, er schwebe in Gefahr. Aber er wußte nicht genau, um was für eine Gefahr es ginge, und er konnte in diesem Traum kein einziges Wort aussprechen.
      Die Tür öffnet sich, ein Mann tritt ein. Er heißt Friedrich von lsenberg [Emil Fey?] . Er ist in diesem Traum der Innenminister des österreichischen Ständestaates. Er ist um einen Kopf größer gewachsen als Engelbert. Er sagt, Engelbert müsse vorsichtig sein, er schwebe in Gefahr. Man plant einen verbrecherischen Anschlag gegen ihn. Die Mörder wimmeln in der ganzen Stadt, sie lauern schon um den Palast. Engelbert soll die Flucht ergreifen, aber schnell, ein bißchen schneller. Es gibt einen geheimen unterirdischen Gang, der zur Hofburg führt. Dort wäre er vorübergehend in Sicherheit.

      Engelbert antwortet, er habe sich einer Gefahr bisher noch nie durch Flucht entzogen, auch nicht im Krieg, wo er tüchtig und mutig kämpfte. Er habe eine Sendung, die in der Rettung dieses Landes vor dem Untergang bestehe, und solange er lebt und diese Aufgabe besteht, wird er den Palast, wo sie sich jetzt befinden, nicht verlassen. Solange er lebt und seine Tätigkeit in diesem Palast ausübt, kann unsere Heimat nicht untergehen, sie kann ihre Selbständigkeit nicht verlieren.
      Da er zierlich von Statur ist, nennen ihn seine politischen Feinde verächtlich „Millimetternich". Er heißt bei ihnen auch „Der Noch-nie-dagewesene". 
      Der Innenminister, der auch das Amt „Generalstaatskommissär für außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen zur Bekämpfung staatsfeindlicher Bestrebungen" bekleidet, entgegnet seinem Oberhaupt: In diesem Fall fühle er sich gezwungen, den Polizeipräsidenten anzurufen und um eine bewaffnete Schutzwache zu bitten, sonst könnte er die Sicherheit des Bundeskanzlers nicht garantieren, denn die Gewehre der Ehrenwache vor dem Palast sind mit Platzpatronen geladen.
      Er tritt zum Telephonapparat und führt ein kurzes Gespräch, dessen Worte Karl K. im Traum zwar hören, jedoch nicht verstehen kann. Dann kommt er zurück und sagt seinem Oberhaupt mit klaren, verständlichen Worten, daß ein Lastkraftwagen mit vierzig bewaffneten Polizisten, die Engelbert vor seinen Feinden beschützen sollen, in acht bis zehn Minuten ankommt.
      Und Karl K. hört schon im Traum den Motorlärm des Wagens, der ankommt, um Engelbert zu beschützen. Und er sieht im Traum durch das Fenster, wie die Mannschaft der Ehrenwache mit Platzpatronen aus dem offenen Tor hinausmarschiert, um Engelbert zu beschützen, wie der Lastwagen mit den Bewaffneten in Polizeiuniform hereinfährt, um Engelbert zu beschützen, wie sie hinabspringen und das Tor hinter sich schließen, wie sie mit stampfenden Stiefeln die Treppe hinauflaufen, um Engelbert zu beschützen. Sie umringen Engelbert, um ihn zu beschützen.
      Ein Schuß fällt im Traum, und Engelbert sinkt zu Boden im Traum. Er lebt noch im Traum. Er wälzt sich in einer Blutlache und röchelt im Traum.
      „Wir möchten dich nur gefangennehmen, sonst tun wir dir nichts!" - sagen die Beschützer und ziehen ihrem Schützling den Trauring vom Finger, dann schnallen sie ihm auch die Armbanduhr ab. Engelbert bittet um einen Arzt, sonst werde er verbluten.
      „Wir möchten dich als Geisel festhalten, sonst tun wir dir nichts!" - sagen die Beschützer und treten ihn mit schweren Stiefeln.
      Engelbert bittet um einen Priester, damit er beichten und die letzte Ölung empfangen kann.
      „Wir möchten dich vorläufig dingfest machen, sonst tun wir dir nichts!" - sagen die Beschützer und bespucken ihn. - „Das soll deine letzte Ölung sein!"
      Der Innenminister, zugleich und eigentlich „Generalstaatskommissär für außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen zur Bekämpfung staatsfeindlicher Bestrebungen" entsichert seinen Revolver im Traum und schießt von nächster Nähe Engelbert in den Kopf im Traum, und Engelbert liegt nun tot auf dem Boden, von eigenem Blut und fremdem Speichel beschmiert, im Traum. Als Karl K. mitten in der Nacht aus diesem Traum aufschrak, war er klatschnaß vor Schweiß.
       
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      Freitag, August 10, 2018

      Deutschland, Europa und das Neue Reich. "Wenn schon die ganze Welt ihre Diktatoren hat..."

      Wenn man das Buch von Thomas Karlauf liest, dann sieht man manchmal beklemmende - zumindest bemerkenswerte - Ähnlichkeiten ...

      DIE ZEIT (Fritz J. Raddatz) schreibt Ende August 2007:

      Aber durchaus spannt Thomas Karlauf auch den bösen Zauberkreis auf, schlägt den Zirkel zu jener Fatalität, die ebenso mit dem Namen George verbunden ist und die der Biograf keineswegs unterschlägt: "Die polemische Distanzierung von allem Politischen gehörte ins Repertoire des rechten Irrationalismus und trug dazu bei, den Boden für die braune Saat zu bereiten." Denn auch das schmählich Weihevolle wusste ein Dichter zu rhythmisieren, dem Goebbels zum 65. Geburtstag ein Glückwunschtelegramm schickte und über den Brecht sagte: "Die Säule, die sich dieser Heilige ausgesucht hat, ist mit zuviel Schlauheit ausgesucht, sie steht an einer zu volkreichen Stelle"; auch übel riechenden Dunst konnte George uns zufächern:
      Der sprengt die ketten fegt auf trümmerstätten
      Die ordnung, geisselt die verlaufnen heim
      Ins ewige recht wo grosses wiederum gross ist
      Herr wiederum herr, zucht wiederum zucht, er heftet
      Das wahre sinnbild auf das völkische banner
      Er führt durch sturm und grausige signale
      Des frührots einer treuen schar zum werk
      Des wachen tags und pflanzt das Neue Reich.
      Dieses schlingernde Leben weiß Thomas Karlauf nachzuzeichnen. (DIE ZEIT)
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      Ich [Blogger] weiß nicht, ob Raddatz (s.o.) das so richtig sieht. George und seine Jünger sahen sich als "Staat", sprachen vom "Geheimen Reich", aber das war kein weltliches Reich, kein Reich der profanen Welt, sondern ein Reich außerhalb der profanen politischen Welt, ein Reich der Ästhetik, der Kunst, ein Reich der Dichter, ein geistiges Reich. Kunst und Leben waren für George ein Gegensatz. Wo Kunst ist (Dichtung, Lyrik) kann kein Leben (Politik) sein. Wenn beide sich berühren würden, stürbe die Kunst als würden sich Materie und Ant-Materie berühren. Der große Vogel auf dem Eiland, so George in einem Gedicht, verschied in gedämpften Scherzenslauten, als die Menschen sich zum ersten Mal seiner Insel näherten. --- George starb Dezember 1933, als die braune Saat aufgegangen war. Die er gesät hatte? Oder die andere in ihm sehen wollten?

      George war kein Nationalist. Das Neue (Dichter-)Reich war ein internationales Reich. - Nach dem Abitur (1888) und einem mehrmonatigen Aufenthalt in England berief er als 20-Jähriger einen "Dichter-Kongress" ein, der aus deutschen und französischen jungen Dichtern bestehen und eine "internationale" Mappe mit Dichtung erstellen sollte, "so dass unsere mappe sozusagen die erste »Internationale« einrichtung dieser Art würde." [nach Egyptien S. 31ff]

      Aus England schrieb der 20/21-jährige George an seinen Schulfreund:
      „Wenn Du meinst dass ich hier meinen Kosmopolitismus ablege bist Du irr Du triffst den Nagel auf die Spitze.
      Grade dadurch dass ich in dem (persönlicher Freiheit unendlich mehr gestattendem) lande bin, werde ich ein vollständiger Kosmopolit und dass ich nicht daran bin, nach der andren Seite umzukippen, und Engländer zu werden, daran hindert mich die ueberzeugung, dass auch bei uns viele einrichtungen besser sind, dass es in anderen landen noch bessere gibt, die ich alle mit eignen augen zu besehen und zu beurteilen gedenke." [Egyptien a.a.O.]
       Auf seiner Reise durch Europa nach dem Abitur lernte er in Paris den Dichter Stéphane Mallarmé, 26 Jahre älter als George,  und seinen Kreis kennen und durfte auf Empfehlung dessen berühmte Dienstagabende, die "Jours" besuchen, wo sich die Crème de la Crème der französischen (symbolistischen) Schriftsteller traf. Wie später George ließ sich Mallarmé als "Meister" (Maître) anreden, sprach von einem Reich der Kunst (cité) als Gegenentwurf zur profranen Welt und zelebrierte seine Auftritte an diesen Jours als ästhetisches Kunstwerk in einer ritualisierten Weise. [Egyptien S.37]
      Nach Paris reiste George nach Spanien und sprach später davon wie formierend Spanien auf seinen Lebensweg formatierend gewirkt habe. ...
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      Stefan Georges Lyrik war nie für die Massen gedacht und war/ist schwere Kost.

      Quelle: Google-Suche, Screenshot
      Seine [Georges] letzte Gedichtsammlung mit dem Titel "Das Neue Reich" erschien im Jahr 1928; (er starb Anfang Dezember 1933, hat also das Ende der Weimarer Republik und den Beginn des "Dritten Reiches" gerade noch mitbekommen.
      1. Das 1. Reich: Das Heilige Römische Reich. Heiliges Römisches Reich war die offizielle Bezeichnung für den Herrschaftsbereich der römisch-deutschen Kaiser vom Spätmittelalter bis 1806.[wikipedia]
      2. Das 2. Reich: Das Bismarcksche Kaiserreich.  Deutsches Kaiserreich ist die retrospektive Bezeichnung für die Phase des Deutschen Reichs von 1871 bis 1918.  Im Deutschen Kaiserreich war der deutsche Nationalstaat eine bundesstaatlich organisierte konstitutionelle Monarchie.[wikipedia]
      3. Das Neue Reich: ?

      George, Verehrer der Jugend, hoffte in den 1920er Jahren, dass die Jugend ("ein jung geschlecht")  eines Tages "Den einzigen der hilft den Mann" hervorbringen werde, (den EINZIGEN Mann, der helfen kann). 
      Er führt durch sturm und grausige signale
      Des frührots einer treuen schar zum werk
      Des wachen tags und pflanzt das Neue Reich.  
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      Thomas Karlauf schreibt in Anlehnung an Kurt Sontheimer:
      "Weil sich die Rechte mit der Neuordnung des Staates nach 1918, also mit der Weimarer Republik, nicht anfreunden konnte und der Begriff der Deutschen Nation in der Niederlage von 1918 jede Aura verloren hatte, wurde Ende der 1920er Jahre "die Reichsidee zum wesentlichen Inhalt einer neuen politischen Metaphysik, zum Inbegriff tief empfundener und aus der Tiefe kommender Sehnsüchte". -
      Auch für die jungen Gebrüder Stauffenberg.
      Das Neue Reich als Alternative für Deutschland.


      Zwei Jahre vor der Veröffentlichung des o.g. Gedichtbandes war "Der Meister" Stefan George mit zwei seiner "Jünger" nach Italien gereist - mit Johann Anton (auf dem Foto 1. von links) und dessen langjährigem Freund Max Kommerell (1. von rechts) - "um sich selber ein Bild vom faschistischen Neuanfang zu machen. Sein [Georges] Urteil über Mussolini fiel zwar ambivalent aus, aber gegen eine ähnliche Entwicklung in Deutschland schien er keine Einwände zu haben. Nur sei zu befürchten, dass die Deutschen den Anschluss verpassten." (Karlauf S. 581)

      "Wenn schon die ganze Welt ihre Diktatoren hat,
      wird sich Deutschland noch aus Idealismus für die Demokratie schlagen."
      (befürchtete Berthold Vallentin, Jurist, Dichter, Historiker, 11 Jahre jünger als George, gehörte zum George-Kreis, starb wie auch George im Jahr 1933)
      1924. Anton und Kommerell
      mit den drei Brüdern von Stauffenberg,
      Claus, Berthold und Alexander,
      (2., 3. und 5. von links)

      Im Jahr 1924 war Claus von Stauffenberg, der Hitler-Attentäter vom 20.Juli 1944, 17 Jahre alt, seine Zwillingsbrüder 2 Jahre älter, Stefan George Ende 50.

      Stefan George (auf dem Stuhl und an der Wand)
      mit seinen Bewunderern
      Claus und Berthold von Stauffenberg, 1924
      "Die Verachtung der des politischen Systems von Weimar ließ sich kaum steigern. Von der kompromisslosen Ablehnung der parlamentarischen Demokratie bis zu ihrer Zerstörung war es nur ein kleiner Schritt." (Karlauf S. 581)-
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      Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen »Neuem Reich« und »Drittem Reich« erkannte als Erster der Landesschulinspektor für Wien, Oskar Benda.

      Quelle
      Man dürfe sich von den Georgeschen Parolen nicht blenden lassen, warnte er 1931. »Welcher Deutsche, welcher Kulturmensch fühlte nicht den Drang in sich zur Nachfolge hinter diesen Fahnen als solchen! Aber wo sie zurzeit im Winde wehen, locken sie auf falsche Bahnen:
      nicht zu neuem Aufstieg der Menschheitssonne >Humanitas<, sondern zu ihrem unwiderruflichen Untergang.« Leider machten sich »gerade demokratische Kreise keine annähernd richtige Vorstellung von Umfang und Tiefgang der verhängnisvollen Wirkung Georges und seiner Gefolgschaft, ja man verbeugt sich gerade hier gern mit betonter Achtung vor ihrem >Geist- und >Kulturwillen«<.

      Am Ende stehe aber nicht der Geist des Neuen, sondern der Ungeist des Dritten Reichs, ja, bei genauerem Zusehen erweise sich der George-Kreis als

      bewusster Schrittmacher des »Dritten Reiches«. George verhält sich zu Hitler, von den Größenverhältnissen abgesehen, in jeder Hinsicht wie D'Annunzio zu Mussolini ... Der Kreis um George hat aber zum ersten Mal in Europa den Gedanken der modernen Diktatur »vergottet« und »verleibt«. Die ganze Ideologie des italienischen Faschismus klingt wie ein Echo der Stimmen aus dem heiligen Hain Georges; alle ihre Leitgedanken: die heldische »Elite«, die »Hierarchie« und der »korporative Rechtsstaat«, sind hier vorgestaltet, und vorgestaltet ist hier zuvörderst auch die heldische Vision des Diktators. - [Oscar Benda, 1931;  Karlauf S. 581f ]
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       Siehe auch:
      Quelle
      Quelle